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Kardiologie 19. Oktober 2015

Mehr Herzinfarkte bei kaltem Wetter

Großer Einfluss von Umweltfaktoren.

Eine Studie aus Kanada zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen der Außentemperatur und einem schweren Herzinfarkt. Mehr Bewusstsein in der Öffentlichkeit könnte dazu Beitragen, künftig diesen saisonalen Herzinfarkt besser zu managen.

Kaltes Wetter korreliert mit einem höheren Risiko für schweren Herzinfarkt. Je zehn Grad Celsius Temperaturabfall steigt das Risiko für einen ST-Hebungs-Infarkt (STEMI) um sieben Prozent an. Das zeigt eine neue Studie der Universität von Manitoba in Winnipeg, Kanada, die auf einer Pressekonferenz auf dem Kongress der Europäischen Kardiologischen Gesellschaft (ESC) in London präsentiert wurde.

Der ST-Hebungsinfarkt (STEMI), die Form des Herzinfarktes mit der höchsten Sterblichkeit, wird meist durch einen akuten Riss in Ablagerungen („Plaques“) in einer Koronararterie und dem daraus resultierenden Gefäßverschluss verursacht. „Die Studie konnte zeigen, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen den Außentemperaturen und dem STEMI-Risiko gibt. Dieses Risiko kann bis zu zwei Tage vor dem Herzinfarkt vorhergesagt werden. Wenn es dafür mehr Bewusstsein in der Öffentlichkeit und ausreichende Ressourcen gibt, könnte in Zukunft dieses vorhersehbare saisonale Herzinfarkt-Risiko besser gemanagt werden“, fasst Prim. Prof. Dr. Franz Weidinger (Rudolfstiftung, Wien), Vorstandsmitglied der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft, zusammen. „Auch für den plötzlichen Beginn von Wintersport im Zusammenhang mit kalten Temperaturen könnten diese Ergebnisse relevant sein.“

Winnipeg ist der geografische Mittelpunkt Kanadas und bekannt für seine heißen und trockenen Sommer und besonders kalten Winter. Das Studienteam (Erstautorin Dr. Shuangbo Liu) wertete in einer retrospektiven Analyse die Daten über alle ST-Hebungsinfarkte der vergangenen sechs Jahre aus. Diese wurden mit Wetterdaten korreliert, insbesondere der höchsten, mittleren und niedrigsten Tagestemperatur.

Im Beobachtungszeitraum gab es 1817 STEMI. Die Tageshöchsttemperatur erwies sich als bester prognostischer Faktor. An Tagen mit einer Höchsttemperatur unter 0 Grad Celsius gab es 0,94 STEMI pro Tag, an Tagen mit Höchsttemperaturen über dem Nullpunkt lag die Ereignisrate bei 0,78. Die Tageshöchsttemperaturen der beiden Tage vor dem Infarkt waren ebenso von prognostischer Relevanz. „Die Daten belegen einen großen Einfluss von Umweltfaktoren auf das Auftreten eines ST-Hebungsinfarkts“, so Weidinger. „Es wird Gegenstand weiterer Untersuchungen sein, herauszufinden, ob spezifische Behandlungsstrategien diesen Klima-Effekt beeinflussen können.“

Quelle: ESC 2015 Abstract; How cold is too cold: the effect of seasonal temperature variation on risk of STEMI; S. Liu, R.A. Ducas, B. Hiebert, L. Olien, R. Philipp, J.W. Tam, St. Boniface General Hospital, Cardiology - Winnipeg – Canada

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