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Kardiologie 19. Oktober 2015

Bewegungsmangel verhindert Sanierung von Blutgefäßen

Körperliche Aktivität kann zu Gefäß-Neubildung beitragen und so von therapeutischem Nutzen sein.

Bisher war der Einfluss von Sport auf Endostatin bei KHK-Patienten kaum erforscht. Eine klinische Studie zeigt jetzt die große Bedeutung von Bewegung für Patienten mit einer Koronaren Herzkrankheit.

Körperliche Aktivitäten reduzieren Endostatin (ES), einen gegen die Neubildung von Blutgefäßen gerichteten (anti-angiogenen) Faktor, der bei Menschen mit Koronarer Herzkrankheit (KHK) und Diabetes erhöht ist.

„Unsere Daten unterstützen die Hypothese, dass körperliche Aktivität durch Verminderung der Endostatin-Level einen deutlichen pro-angiogenen Effekt hat und somit zur Blutgefäß-Neubildung (Kollateralisierung) beitragen und unter Umständen auch von therapeutischem Nutzen sein kann“, so Erstautor Dr. Michael Sponder, Assistenzarzt an der MedUni Wien, über die auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in London vorgestellt Studie. Sportliche Probanden hatten, abhängig vom Grad ihrer körperlichen Aktivität, um bis zu 30 Prozent niedrigere ES-Level als unsportliche, unabhängig von den klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren Geschlecht, Diabetes mellitus und Adipositas.

ES ist anti-angiogener Faktor

Endostatin ist durch die Hemmung von VEGF-(Vascular Endothelial Growth Factor) induzierte Mechanismen ein starker anti-angiogener Faktor. Der Einfluss von Sport auf ES bei KHK-Patienten ist jedoch bis dato kaum erforscht und war aus diesem Grund Ziel dieser klinischen Studie, an der 181 männlichen und 71 weiblichen Patienten (Nie- oder Ex-Raucher) mit gesicherter KHK unterschiedlichen Schweregrades teilgenommen haben.

Die Forscher untersuchten auch den Einfluss von Bewegung auf Osteopontin (OPN), dessen Rolle im vaskulären Kalzifizierungsprozess allerdings ungeklärt ist.

Grad der Aktivität

Auch hier zeigte sich ein schrittweiser Abfall abhängig vom Grad der Aktivität. Sportliche Patienten hatten bis zu 25 Prozent geringere OPN-Level als unsportlichen.

Osteopontin wird nicht zu den klassischen pro-angiogenen Faktoren gezählt, dürfte jedoch eine Art „survival factor“ für verschiedene Zelltypen sein und angiogenes Potenzial besitzen. OPN korreliert mit dem Ausmaß der KHK, wirkt aber eher hemmend auf den Kalzifizierungsprozess und kann sogar zur Dekalzifizierung beitragen. Sponder: „Niedrige OPN-Level in sportlichen KHK-Patienten könnten Ausdruck des verminderten Kalzifizierungsstatus und somit eine Erklärung für den protektiven Effekt von körperlicher Aktivität sein.“

Das Ausmaß des in den letzten drei Jahren praktizierten Sports wurde in folgende Kategorien eingeteilt: keine Aktivität, <3 h Gehen/Woche, >3 h Gehen/Woche, <3 h Sport/Woche, >3 h Sport/Woche. Die Kategorie Gehen inkludierte Bewegungsformen der niedrigen Intensität wie Spazierengehen, Golfen, Rasenmähen etc., die Kategorie Sport Bewegungsformen der mittleren-hohen Intensität wie Schwimmen, Laufen oder Radfahren.

Quelle: ESC 2015 Abstract; Physical inactivity increases endostatin and osteopontin in patients with coronary artery disease; M. Sponder, MFS. Fritzer-Szekeres, RM. Marculescu, BL. Litschauer, JSJ. Strametz-Juranek

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