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Einzelne Blutdruckmessungen in der Praxis genügen nicht für die Hypertonie-Diagnostik.
 
Kardiologie 14. Dezember 2015

Studie stützt Nutzen von 24-Stunden-Blutdruckmessung

Nur mit der Langzeit-Messung lässt sich eine versteckte Hypertonie bei Diabetikern erkennen.

Das Herz-Kreislauf-Risiko von Typ-2-Diabetikern mit Hypertonie wird nach einzelnen Blutdruckmessungen oft unterschätzt. Neue Daten bestätigen den Nutzen der 24-Stunden-Messung.

Typ-2-Diabetiker mit Bluthochdruck werden oft nicht ausreichend antihypertensiv behandelt. Das zeigen Studiendaten aus dem deutschen T2TARGET Register.

An der Studie haben 919 Typ-2-Diabetiker mit behandeltem arteriellem Bluthochdruck teilgenommen. Die Ergebnisse wurden jetzt auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in London vorgestellt.

In der Gesamtgruppe hatten 85 Prozent der Patienten einen nicht ausreichend kontrollierten Blutdruck, und zwar nach dem Profil eines ambulanten 24-Stunden-Blutdruck-Monitorings (ABDM). Trotzdem wurde bei nur 59 Prozent der Patienten die Therapie gesteigert, betont Studien-Erstautor Prof. Dr. Thomas Mengden, Direktor der Abteilung Rehabilitation des Herz-, Lungen-, Gefäß- und Rheumazentrums der Kerckhoff Klinik, Bad Nauheim, in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Außerdem wurde in den Praxen bei nur elf Prozent der Studienteilnehmer das 10-Jahres-Risiko als sehr hoch klassifiziert.

Eine nachträgliche unabhängige Analyse dieses Risikos gemäß der Leitlinien habe jedoch bei 97 Prozent der Patienten ein sehr hohes Risiko ergeben, so Mengden in der Mitteilung.

Risiko für Diabetiker reduziert

Eine leitliniengerechte antihypertensive Therapie kann das sehr hohe kardiovaskuläre Risiko der betroffenen Diabetiker deutlich reduzieren. Empfohlen wird eine ABDM zur Therapiekontrolle.

Die prognostische Aussagekraft der 24-Stunden-Messung ist einer Praxis-Blutdruckmessung deutlich überlegen. Nur mit der Langzeit-Messung lassen sich nämlich Weißkittel-Effekte, eine versteckte Hypertonie oder eine isolierte nächtliche Hypertonie erkennen.

Mit Langzeitmessungen unter Praxisbedingungen hätten sich in der Registerstudie viele unkontrollierte Hypertoniker mit Typ-2-Diabetes identifizieren lassen, so Mengden.

14 Prozent mit Praxisnormotonie

Nach seinen Angaben hatten 15 Prozent eine isolierte nächtliche Hypertonie, 14 Prozent eine Praxisnormotonie (masked treated hypertension) und acht Prozent eine Praxishypertonie. Solche Diagnosen ließen sich nur durch die ABDM sichern.

Die Kontrolle der antihypertensiven Therapie bei Typ-2-Diabetes orientiert sich immer noch an Praxis-Blutdruckmessungen, deren prognostische Bedeutung eingeschränkt ist, kritisiert Mengden: „Es gibt bislang noch keine Empfehlungen, welchem ABDM-Wert der Zielwert <140/85 mmHg Praxisblutdruck entspricht.“

Daher sollen im T2TARGET Register für die Praxisblutdruckwerte entsprechende Äquivalenzwerte für die Langzeit-Blutdruckmessung berechnet werden. Dadurch ließen sich therapeutische Ziele auch mit Langzeit-Blutdruckmessung überprüfen, so Mengden.

Die Forscher wollen zudem in einer Langzeitbeobachtung des Registers das errechnete kardiovaskuläre Risiko mit den tatsächlichen Ereignisraten vergleichen.

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