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Dr. Christian Koppelstätter,Reha Zentrum Münster in Tirol
 
Kardiologie 9. Oktober 2015

Der Steifheit von Gefäße entgegenwirken

Die Messung der Pulswellengeschwindigkeit ermöglicht es, Patienten mit steifen Gefäßen zu erkennen und adäquat zu therapieren.

Die Pulswellengeschwindigkeit (PWV / pulse wave velocity) definiert sich als die Geschwindigkeit der durch die Herzkontraktion verursachten Welle, welche sich in der Wand der großen Arterien durch den Körper ausbreitet und vom Elastizitätszustand der Gefäße abhängig ist. Bei zunehmender Wandsteifigkeit der großen arteriellen Blutgefäße kommt es zu einem Anstieg der Nachlast des Herzens mit den daraus resultierenden Krankheitsbildern der Linksherzhypertrophie, der Herzinsuffizienz und in weiterer Folge zu myokardialen Durchblutungsstörungen. Letzte Konsequenzen sind der Herzinfarkt, der Schlaganfall, die chronische vaskuläre Demenz und die chronische Niereninsuffizienz.

Den Zustand der Blutgefäße bestimmen

Zur Bestimmung der Pulswellengeschwindigkeit, des Augmentationsdrucks und Augmentationsindex stehen verschiedene nicht-invasive Methoden mittels Tonometrie, Sonographie, Oszillometrie und auch Magnetresonanztomografie zur Verfügung. Aufgrund der Implementierung der PWV-Bestimmung in 24-Stunden-Blutdruckmessgeräten bzw. ABI-Messgeräten ist mittlerweile eine unkomplizierte Pulswellenanalyse zunehmend auch im extramuralen Bereich möglich.

In den Richtlinien der Europäischen Gesellschaft für Hypertonie aus dem Jahr 2013 werden die vier Parameter: Mikroalbuminurie, Intima/Media-Dicke bzw. Carotisplaques, Linksventrikelhypertrophie und eine erhöhte PWV als subklinischer Endorganschaden angeführt. Deren Bestimmung wird im Rahmen der Abschätzung des kardiovaskulären Risikos ein hoher prädiktiver Stellenwert eingeräumt.

PWV-Messung: Nicht unerheblich für die Therapieentscheidung

In einer Metanalyse aus dem Jahr 2014 konnte an 17.000 Patienten gezeigt werden, dass unabhängig von Geschlecht, Raucher- und Diabetesstatus sowie Hypertonie das Feststellen einer erhöhten PWV zu einer Re-Klassifizierung einer signifikanten Anzahl von Patienten vom intermediären Risiko auf Hochrisiko erfolgte. Die Konsequenz aus dieser Re-Klassifizierung wäre eine intensive Primärprävention bei diesen Patienten. Vice versa ist zu beachten, dass bei Patienten, welche bereits eine manifeste endovaskuläre Erkrankung diagnostiziert bekommen haben (KHK, cAVK, pAVK) keine zusätzliche Information durch die Bestimmung der PWV zu erwarten ist und somit nicht empfohlen wird. Zu erwähnen ist außerdem, dass Arrhythmien die Ergebnisse maßgeblich verfälschen können und somit eine funktionelle Kontraindikation zur Durchführung der Pulswellenanalyse darstellen.

Einen zusätzlichen Nutzen kann die Messung der PWV im Sinne der Therapie-Adhärenz des Patienten bringen, da eine Optimierung der Blutdruckeinstellung durch eine adäquate antihypertensive Therapie die PWV innerhalb weniger Monate positiv beeinflussen kann. Somit ist es möglich, dem Patienten relativ früh ein positives Feedback über eine Verbesserung einer Körperfunktion durch die ärztliche Behandlung zu geben. Dem Arzt ermöglicht die PWV-Messung ein klinisch relevantes Monitoring eines Endorganschadens über einen längeren Zeitraum.

Von Seiten der Therapieentscheidung welches Antihypertensivum gewählt wird, konnte gezeigt werden, dass im Falle einer hohen Pulswellengeschwindigkeit Betablocker in der Reduzierung derselben schlechter abgeschnitten haben als zum Beispiel RAS-Hemmer. Beta-Blocker werden bei einer PWV über 10 m / s somit nicht als Antihypertensivum der ersten Wahl empfohlen.

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