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Kardiologie 9. Oktober 2015

Herzinsuffizienz-Patienten kompetent managen

Geschätzte 300.000 Personen sind in Österreich von Herzinsuffizienz betroffen. Die Erkrankung ist nicht nur von medizinischer, sondern auch von höchster gesundheitspolitischer Relevanz.

Die optimale Betreuung von Herzinsuffizienz-Patienten in interdisziplinären Teams und neuartige Behandlungsmethoden standen im Mittelpunkt des kürzlich abgehaltenen Dreiländertreffens Herzinsuffizienz in Seefeld in Tirol. „Neben des fachlichen Austauschs und des Fortbildungsaspekts bietet diese Veranstaltung auch eine gute Gelegenheit, relevante wissenschaftliche Arbeiten zu präsentieren und diskutieren“, betonte Univ. Doz. Gerhard Pölzl, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Innsbruck. Er verwies auf eine Untersuchung seines Kollegen Dr. Micheal Seiler zur immunsuppressiven Therapie der virus-negativen inflammatorischen Kardiomyopathie. Jene Studienteilnehmer, die mit Immunsuppressiva behandelt wurden, hatten ein geringeres Risiko zu versterben oder eine Herztransplantation bzw. Implantation eines linksventrikulären Assist-Devices zu benötigen als Patienten in der Kontrollgruppe. Seiler: „Unsere Daten liefern deutliche Hinweise für einen langfristigen Nutzen einer immunsupprimierenden Therapie in dieser speziellen Patientengruppe. Jetzt ist eine prospektive, randomisierte Studie notwendig, damit sich diese Therapie künftig auch in der klinischen Routine etablieren kann.“

Deutsche Arbeit zeigt erhebliche Geschlechtsunterschiede

Mit den geschlechtsspezifische Unterschieden bezüglich Nutzung, Benefits und medikamentöser Behandlung beschäftigt sich eine aktuelle Arbeit des interdisziplinären Netzwerks Herzinsuffizienz am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz in Würzburg. Die Studienteilnehmer rekrutierten sich aus einem von einer Herzinsuffizienz-Schwester koordinierten, telefonbasierten Betreuungsprogramm. Das zentrale Ergebnis: Frauen mit systolischer Herzinsuffizienz waren älter und litten an weiter fortgeschrittenen Formen der Erkrankung als Männer. Sie wiesen zudem schlechtere Werte bei der physischen und psychischen Lebensqualität auf. Ein weiterer Unterschied: Obwohl beide Geschlechter hinsichtlich ihrer Herzinsuffizienz-Therapie vom Betreuungsprogramm profitierten und die Anzahl und Dauer der Telefonkontakte bei Männern und Frauen nicht unterschiedlich war, erhielten Frauen dennoch seltener eine optimale Dosis von ACE-Hemmern und AT1-Antagonisten, so Studienautor Dr. Dominik Menhofer.

Ein anderer Bereich von steigender Bedeutung: die telemedizinische Anbindung von Herzinsuffizienz-Patienten an das behandelnde Zentrum. Dass Betroffene bei kompetent konzipierter und durchgeführter Schulung gut mit den Messgeräten und der Datenübermittlung zurechtkommen, zeigt eine Untersuchung der Charité – Universitätsmedizin Berlin an über 300 Patienten. „Durch die Schulung im häuslichen Umfeld und die Einbeziehung der Angehörigen gelang es, selbst betagte und hochbetagte Patienten telemedizinisch zu betreuen“, betont Studienautor Dr. Oliver Deckwart. 99 Prozent der Patienten waren am Tag nach der Schulung selbstständig in der Lage, die telemedizinischen Geräte zu bedienen, 96 Prozent konnten vollständige Messungen einschließlich EKG, Blutdruck, Gewicht und Angabe des Befindens durchführen.

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