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© Sebastian Schreiter/Springer Verlag GmbH
Die Häufung von thrombotischen Ereignissen nach Splenektomie beruht auf einer gestörten Thrombozytenfunktion.
 
Kardiologie 9. Oktober 2015

Plättchenfunktion nach Splenektomie gestört

Obwohl die Milz kein lebensnotwendiges Organ ist, können aus ihrer Entfernung Folgen resultieren, die sehr wohl lebensbedrohend sein können.

Neben einem erhöhten Infektionsrisiko gehört auch eine gesteigerte Thromboseneigung zu den möglichen Langzeitfolgen der Splenektomie. Diesem Phänomen ist eine Wiener Arbeitsgruppe nun auf den Grund gegangen.

Tests zur Prüfung der Funktion der Thrombozyten von splenektomierten Patienten zeigten eine Überaktivität, die die Häufung von thrombotischen Ereignissen erklären könnte. Das sind die aktuellen Ergebnisse einer Studie der MedUni Wien, die auf dem Europäischen Kardiologenkongress in London vorgestellt wurde. Der Kardiologe Dr. Mario Gerges, Erstautor der Studie, zu den Details: „ Wir haben innerhalb eines Beobachtungszeitraums von rund acht Jahren 144 splenektomierte Patienten analysiert. Getestet wurde die Hypothese, dass eine abnorme Blutplättchenfunktion zu einer Häufung von thrombotischen Ereignissen und einer verzögerten Thrombusauflösung in der Blutstrombahn betroffener Patienten beitragen könnte.“ Unsere Hypothese wurde bestätigt. Das gehäufte Auftreten von Ereignissen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungeninfarkt, tiefe Beinvenenthrombosen und damit einhergehende Todesfälle können durch die abnorme Plättchenfunktion erklärt werden.

Das Ausmaß des praktischen Nutzens der Daten im Hinblick auf den Einsatz von spezifischen Medikamenten zur Reduktion und Prophylaxe thrombotischer Ereignissen nach Splenektomie ist noch unklar. Weitere Analysen zur Identifizierung zellulärer Abläufe, die Herz-Kreislaufereignisse erklären könnten, sind geplant.

Zur Erinnerung: In Österreich wird bei etwa 3,8 pro 100.000 Menschen eine Splenektomie vorgenommen.

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