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© Robert Byron/Hemera/Thinkstock
Die 24-Stunden-Harnmenge – leicht verfügbar und ein zuverlässiger Risikomarker.
 
Kardiologie 9. Oktober 2015

Harnfluss gibt Aufschluss über das Risiko von ECMO-Patienten

Eine Wiener Studie liefert neue Erkenntnisse, wie trotz schwieriger Ausgangssituation eine Risikoabschätzung bei Patienten, die extrakorporal oxygeniert werden, möglich ist.

Die maschinelle Kreislaufunterstützung mittels ECMO-Therapie (Extrakorporale Membranoxygenierung) hat sich im Management von Patienten mit instabiler Herz-Kreislauf-Situation nach Operation am Herzen oder an herznahen Gefäßen über die letzten Jahre gut etabliert. Die ECMO-Therapie hilft, ein geschwächtes Herz in seiner Pumpfunktion zu unterstützen, indem das Blut bei erhaltender Zirkulation extrakorporal mit Sauerstoff angereichert und so eine bessere Organdurchblutung erzielt wird.

Doch trotz der unterstützenden Wirkung dieser invasiven und kostenintensiven Therapieform ist das Überleben dieser Patienten nach wie vor schlecht und eine Risikoabschätzung schwierig. Grund genug für eine Arbeitsgruppe der Abteilung für Kardiologie an der MedUni Wien, mögliche prognostische Parameter anhand einer prospektiven Studie zu untersuchen.

Zu diesem Zwecke wurden 205 Patienten, die im AKH Wien am Herzen oder an herznahen Gefäßen operiert wurden und eine ECMO-Therapie erhielten, in die Studie eingeschlossen. Studien-Erstautor Priv.-Doz. Dr. Georg Goliasch, Kardiologe an der MedUni Wien: „Die uns vorliegenden Daten zeigen, dass die 24-Stunden-Harnmenge nach ECMO-Implantation ein starker und von anderen Faktoren unabhängiger Prädiktor sowohl für das 30-Tages-Überleben als auch für das Langzeitüberleben in diesem Patientenkollektiv ist.“ Weiters gelang es den Vorhersagewert von in der Intensivmedizin bereits etablierten Risikoscores, zum Beispiel des SAPS-3 oder SOFA Scores, durch den Einschluss der 24-Stunden-Harnmenge deutlich zu verbessern.

Eine Abnahme der Harnproduktion als Ausdruck einer gestörten Nierendurchblutung ist ein sensitiver Indikator für eine Mangelversorgung des Gewebes. Die 24-Stunden Harnmenge scheint ein idealer Marker für die Risikostratifizierung bei ECMO Patienten zu sein. Dieser Parameter ist kostengünstig, zeiteffizient und ohne zusätzlichen Aufwand verfügbar, zumal es auf Intensivstationen ohnedies Standard ist, die Harnmenge kontinuierlich zu messen und zu überwachen.

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