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Kardiologie 9. Oktober 2015

Kühlung als Option auch beim akuten Herzversagen?

Durch milde Hypothermie (33 Grad Celsius) lässt sich bei Überlebenden eines Herzkreislaufstillstandes der neurologische Outcome nachweislich verbessern. Grazer und Berliner Wissenschafter stellten sich nun die Frage, inwieweit die Abkühlung der Körpertemperatur auch bei Patienten mit Herzversagen eine sinnvolle Option sein könnte.

Diese Hypthese wurde nun im Tierexperiment untersucht. Die Ergebnisse der experimentellen Studie, an der die Medizinische Universität Graz und die Charité Berlin beteiligt waren, wurden beim ESC in London vorgestellt.

Zielparameter der Untersuchung waren der Cardiac Output, die Sauerstoffversorgung und die venöse Sauerstoffsättigung während induzierter kardialer Dysfunktion bei Schweinen. Es wurden drei verschiedene Settings untersucht: eine Hyperthermie (40,5 Grad Celsius), eine milde Hypothermie (33 Grad Celsius) sowie eine Intervention mittels Dobutamin-Perfusor.

Die Ergebnisse: Der Cardiac Output sank mit der Absenkung der Körpertemperatur, und nahm unter Gabe von Dobutamin zu, und zwar unabhängig vom jeweiligen Temperaturlevel. Der Gesamtkörper-Sauerstoffverbrauch war im Zustand der Hypothermie im Vergleich zum Zustand der Hyperthermie um 50 Prozent reduziert. Umgekehrt verhielt sich die venöse Sauerstoffsättigung (vSO2): Sie nahm mit sinkender Temperatur zu. Dobutamin führte bei jedem Temperaturlevel zu einer Zunahme von vSO2.

Insgesamt bescheinigen die Ergebnisse der Kühlung einen ausgeprägten Effekt auf das Gleichgewicht von Angebot und Verbrauch von Sauerstoff.

„Wir konnten zeigen, dass Fieber die Herzkraft schwächt und umgekehrt eine Abkühlung die Herzkraft erhöht“, fasst Studienleiter Priv.-Doz. Dr. Heiner Post zusammen. „Dieser Effekt erreicht ein Ausmaß, das ansonsten nur mit Katecholaminen erzielt wird, die allerdings das Herz auf kurze Sicht schädigen können.“

In der Intensivmedizin macht man sich bei Überlebenden eines Herzstillstands schon seit mehreren Jahren die Hypothermie zunutze, um den Hirnschaden zu begrenzen und den neurologischen Outcome zu verbessern. Ob sich durch Kühlung auch das Überleben von Patienten mit akutem Herzversagen, etwa im Rahmen eines Myokardinfarkts verbessern lässt, ist Gegenstand aktueller klinischer Studien.

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