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Überproportionale pulmonale Hypertension : hohe Drücke und Widerstände im Lungenkreislauf bei Linksherzerkrankung, die sonst nur bei der präkapillären Form des Lungenhochdrucks zu finden sind.
 
Kardiologie 9. Oktober 2015

Bei Herzinsuffizienz Lungenhochdruck differenziert betrachten

Neue Studienresultate einer Wiener Arbeitsgruppe definieren eine Form der Herzinsuffizienz, die zwar selten ist, aber umso größere Aufmerksamkeit verdient. Der Grund: Den Patienten könnte mit PH-spezifischen Medikamenten geholfen werden.

Dreh- und Angelpunkt der diesbezüglichen Forschungsarbeit der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Irene Lang, MedUni Wien, ist die Frage, ob Patienten mit Herzinsuffizienz zusätzlich zu ihrem stauungsbedingt erhöhten Pulmonalarteriendruck noch eine spezifische Erkrankung der Lungengefäße haben. Zur Erinnerung: Lungenhochdruck (pulmonale Hypertension, PH) wird in eine prä-kapilläre und eine post-kapilläre Form eingeteilt. Die prä-kapilläre PH ist die Erkrankung der Lungengefäße selbst, während die post-kapilläre PH durch passive Fortleitung eines linksventrikulär erhöhten Drucks über die Lungenstrombahn auf das rechte Herz entsteht und erst bei schwerer Drucksteigerung zu Lungengefäßveränderungen führt.

Cpc-PH anhand eines erhöhten DPG zu erkennen

Nun gibt es aber Patienten mit Linksherzinsuffizienz, die eine kombinierte prä- und post-kapilläre Form des Lungenhochdruckes (combined pre-and post-capillary pulmonary hypertension, Cpc-PH) aufweisen. Diese gilt es zu erkennen, da sie eine signifikant schlechtere Rechtsventrikelfunktion und eine signifikant schlechtere Prognose haben als Patienten mit isoliert post-kapillärem Lungenhochdruck (Ipc-PH). Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie mit Beteiligung der MedUni Wien, die auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in London von Dr. Mario Gerges, MedUni Wien, Erstautor der Studie, vorgestellt wurde. „Die schlechte Prognose der Betroffenen wird meist nicht erkannt, da der pulmonale Verschlussruck als Ausdruck der kardialen Stauung in diesen Fällen oft nur mäßig erhöht ist.“ Aufschluss über die tatsächliche Gefährdung der Patienten gibt ein von der Wiener Arbeitsgruppe identifizierter Parameter, der diastolische pulmonalarterielle Gradient (DPG). Bei Patienten mit Linksherzerkrankung und einem DPG von ≥ 7 mmHg muss man von einer zusätzlichen Erkrankung der Pulmonalgefäße und einer Cpc-PH ausgehen. Gerges: „Wir sprechen von einer ‚überproportionalen‘ pulmonalen Hypertension, die hohe Drücke und Widerstände im Lungenkreislauf bei Linksherzerkrankung beschreibt, die sonst nur bei präkapillären Lungenhochdruck zu finden sind.“

Der klassische Patient mit Cpc-PH ist 60 Jahre alt, berichtet über Atemnot, hat eine Klappenerkrankung des linken Herzens, eine Linksherzinsuffizienz und Zeichen einer Rechtsherzbelastung im Herzultraschall. Die Patienten können anhand des DPG identifiziert und präziser von Patienten mit stauungsbedingtem, also isoliert postkapillären pulmonalarteriellen Hochdruck, abgegrenzt werden. Im Laufen befindliche Studien sollen nun klären, inwieweit Cpc-PH-Patienten von spezifischen Medikamenten, die für die Behandlung der primären pulmonalen Hypertonie entwickelt wurden, profitieren. Sollte dies der Fall sein, würde das einen großen Fortschritt in der Behandlung dieser speziellen Patientengruppe mit sehr schlechter Prognose darstellen.

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