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Einfach zu berechnen: der Parameter Remnant-Cholesterin
 
Kardiologie 14. Oktober 2015

Risiko mittels Remnant-Cholesterin evaluieren

Bezüglich Risikoprädiktion ließen Österreichs Kardiologen in London gleich mit zwei wegweisende Studien aufhorchen. Im Mittelpunkt beider Arbeiten ein neuer Parameter: das Remnant-Cholesterin.

Der Begriff Remnant-Cholesterin beschreibt die Konzentration des Cholesterins in den triglyzeridreichen Lipoproteinen VLDL (very low densitiy lipoproteins) und IDL (intermediate density lipoproteins) im Nüchternplasma sowie in diesen Lipoproteinen plus Chylomikronen im postprandialen Plasma. Der Wert wird berechnet, indem man vom Gesamtcholesterin LDL und HDL abzieht. Was übrig bleibt, ist das Remnant Cholesterin. Die wichtigsten Faktoren, die zu einer Erhöhung des Remnant-Cholesterins beitragen, sind Adipositas, Diabetes und Alkoholkonsum.

Bei jungen Infarktpatienten doppelt so hoher Wert

Eine multizentrische Studie mit Beteiligung der MedUni Wien untersuchte die Konzentration von Remnant-Cholesterin bei 102 Herzinfarktpatienten im Alter von unter 40 Jahren und verglich die Werte mit jenen von 200 alters- und geschlechts-gematchten, herzgesunden Teilnehmern.

„Es zeigte sich, dass das Remnant-Cholesterin bei der Gruppe der jungen Herzinfarktpatienten im Durchschnitt zirka doppelt so hoch war wie bei den gesunden Personen der Kontrollgruppe“, so Priv.-Doz. Dr. Georg Goliasch, Klinische Abteilung für Kardiologie, MedUni Wien, und Erstautor der Studie. Zusätzlich wurden alle etablierten Lipidfraktionen untersucht, die jedoch eine schwächere Assoziation mit dem juvenilen Herzinfarkt zeigten. Zudem war die Assoziation zwischen Remnant-Cholesterin und dem Auftreten eines Herzinfarkts unabhängig von anderen etablierten kardiovaskulären Risikofaktoren für kardiovaskuläre Ereignisse. Doz. Goliasch: „Aufgrund der starken Assoziation und der Einfachheit der Bestimmung könnte Remnant-Cholesterin ein solider neuer Risikomarker für eine junge Patientenpopulation sein und dabei helfen, Hochrisikopatienten frühzeitig zu identifizieren.“

Gute Vorhersagekraft bei Patienten mit und ohne Diabetes

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Studie einer Arbeitsgruppe von der Abteilung für Innere Medizin und Kardiologie am LKH Feldkirch. Darin wurden über acht Jahre die Rolle des Remnant-Cholesterins bezüglich seiner Vorhersagekraft von Herz-Kreislaufereignissen bei über 1.700 Patienten mit und ohne Diabetes, die zur Abklärung einer Koronarstenose einer Herzkatheter-Untersuchung unterzogen wurden, untersucht. Univ.-Prof. Dr. Christoph Säly: „Insgesamt erlitten 32,5 Prozent unserer Patienten ein Herz-Kreislaufereignis, das Risiko war bei Patienten mit Diabetes um etwa ein Drittel höher als bei jenen ohne Diabetes.

Das Remnant-Cholesterin konnte Herz-Kreislaufereignisse sowohl bei Patienten mit Diabetes als auch bei Patienten ohne Diabetes sehr gut voraussagen, unabhängig von anderen Risikofaktoren.“

Da die für die Berechnung des Remnant-Cholesterins benötigten Werte allgemein verfügbar seien, sei „diese Erkenntnis ein unmittelbarerer Gewinn für unsere Patienten“, so Sälys Einschätzung der klinischen Relevanz der aktuellen Studienergebnisse.

 

 

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