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Kardiologie 3. Juli 2015

Den Eisenmangel gilt es zu erkennen

Bislang wurden fast ausschließlich Patienten mit Anämie einer Untersuchung des Eisenstatus unterzogen. Bei Herzinsuffizienz empfehlen Experten nun ein Umdenken dieses Vorgehens.

Immer deutlicher kristallisiert sich heraus, dass in Bezug auf den Problemkreis Anämie und Eisenstoffwechsel nicht so sehr die Anämie, sondern Störungen des Eisenstoffwechsels die treibende Kraft für die schlechte Prognose der Patienten mit Herzinsuffizienz sind. Wie Univ.-Prof. Dr. Martin Hülsmann, Universitätsklinik für Innere Medizin II, MedUni Wien, im Rahmen der ÖKG-Jahrestagung ausführte, ist sowohl der Eisenmangel als auch die Anämie in Herzinsuffizienz-Studien mit einer deutlich schlechteren Prognose assoziiert. Jedoch verliert die Anämie ihre prognostische Wertigkeit, sobald sie mit Störungen des Eisenstoffwechsels in Zusammenhang gebracht wird, so der Experte. „Eisenmangel ist prädiktiv für eine schlechte Prognose, sowohl bei anämischen wie auch bei nicht anämischen, herzinsuffizienten Patienten. Die Anämie ist nur ein sehr plakativer Parameter, um auf einen Eisenmangel aufmerksam zu werden.“

Eisenstatus bei Herzinsuffizienz routinemäßig erheben

„Üblicherweise kann man bei einem Ferritin von unter 30 µg/l auf einen Eisenmangel rückschließen. Nicht so bei Patienten mit Herzinsuffizienz“, betonte Univ.-Prof. Dr. Günter Weiss, Universitätsklinik für Innere Medizin IV, MedUni Innsbruck. Da Ferritin auch ein Akutphasenprotein ist, das bei entzündlichen Prozessen ansteigt, schließt ein normales oder erhöhtes Ferritin bei Herzinsuffizienz einen Eisenmangel nicht aus. Die Herzinsuffizienz ist ein Zustand chronischer Inflammation, mit nachgewiesener Erhöhung proinflammatorischer Zytokine. Im Rahmen der Inflammation kommt es zu einem funktionellen Eisenmangel, der im Unterschied zum absoluten Eisenmangel (Serumeisen und Ferritin erniedrigt, Transferrin hoch) einer Verwertungsstörung gleichkommt. Obwohl in den Eisenspeichern genügend Eisen vorhanden ist, kann der Organismus auf diese Reserven nicht zugreifen. Um einen solchen funktionellen Eisenmangel, der bei Patienten mit Herzinsuffizienz häufig vorliegt, zu erkennen, muss ein kompletter Eisenstatus mit Bestimmung des Serumeisens, des Ferritins und der Transferrinsättigung, erhoben und unter Berücksichtigung des CRP-Wertes, interpretiert werden.

„An unserer Abteilung sind wir deswegen dazu übergegangen, den Eisenstatus, auch ohne Vorliegen einer Anämie, als festen Bestandteil des Routinelabors bei Patienten mit Herzinsuffizienz zu implementieren“, betonte Priv.-Doz. Dr. med. Dr. phil. Thomas Weiss, Abteilung für Innere Medizin III, Wilhelminenspital Wien, und verwies auf den Benefit der intravenösen Therapie mit Eisen-Carboxymaltose (Ferinject®), wie ihn die Studien FAIR-HF (Anker S et al., NEJM 2009; 361: 2436) und CONFIRM-HF (Ponowski P et al., Eur Heart 2015; 36: 657) zeigten. Intravenöse Eisen-Carboxymaltose verbessert das Befinden, die Lebensqualität und die körperliche Leistungsfähigkeit von Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz. Zudem kann die Rate der herzinsuffizienzbedingten Hospitalisationen signifikant reduziert werden.

Gezielte, individualisierte Therapien sind gefragt

Da die Herzinsuffizienz eine sehr kostenintensive Erkrankung ist – sie zeichnet für 2% der gesamten Gesundheitsausgaben, wobei die wichtigsten Kostenverursacher Hospitalisationen sind – bewertet die Fachwelt die intravenöse Eisentherapie als wichtigen Ansatz im Rahmen einer umfassenden Therapie. „Die Herzinsuffizienz ist ein Syndrom, das weit über die myokardiale Pumpschwäche hinausreicht“, fasste Univ.-Prof. Dr. Gerhard Pölzl, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Innsbruck, zusammen. „Wir wissen heute, dass es nicht genügt, an einer einzigen Schraube zu drehen. Es bedarf einer holistischen Betrachtung mit gezielten, individualisierten Therapien. Die Studien zum Thema Eisensubstitution haben viel zu dieser neuen Sicht beigetragen.“ In die Guidelines hat die Eisensubstitution bereits Eingang gefunden. Sowohl die European Society of Cardiology (McMurray JJV et al., European Journal of Heart Failure 2012; 14:803–869) sowie die AG Herzinsuffizienz der ÖKG empfiehlt bei symptomatischen Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz und nachgewiesenem Eisenmangel, eine Substitution in Betracht zu ziehen. Darüber, dass in diesem Fall der intravenösen Substitution der Vorrang zu geben sei, waren sich die Vortragenden einig.

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