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Kardiologie 3. Juli 2015

Korrektur des Eisenmangels lohnt sich

Eisenmangel bei Herzinsuffizienz ist häufig und geht mit einer reduzierten Lebensqualität und einer schlechten Prognose einher.

Bei drei Viertel aller Patienten mit Herzinsuffizienz ist der Eisenstatus beeinträchtigt und rund ein Drittel hat einen schweren Eisenmangel, berichtete Prof. Dr. Piotr Ponikowski von der Universitätsklinik Warschau. „Ein Eisenmangel ist nicht das Gleiche wie eine Anämie“, betonte der Kardiologe. Er kann bei anämischen und nicht-anämischen Patienten auftreten und liegt bei einem Serum-Ferritin < 100 ng/ml bzw. Werten < 300 ng/ml vor, wenn gleichzeitig die Transferrin-Sättigung unter 20% beträgt. Die Komorbidität ist sowohl bei stabilen als auch Patienten mit akuter Herzinsuffizienz häufig und korreliert mit einer eingeschränkten Funktionskapazität, mit einer schlechten Lebensqualität und einer erhöhten Mortalität. Eine intravenöse Substitution mit Eisen-Carboxymaltose (Ferinject®) ist eine gut geeignete Option, um einen Eisenmangel bei symptomatischen Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz rasch auszugleichen, sagte Prof. Dr. Stefan Anker aus Göttingen. Die Therapie mit Eisencarboxymaltose hat den Vorteil, dass eine Applikation von 1000 mg Eisen in einer Einzelgabe über mindestens 15 Minuten bei einem guten Sicherheitsprofil des Präparates verabreicht werden kann und das Dosierschema für die Bedarfsermittlung überaus anwenderfreundlich ist. 3–6 Monate nach Verabreichung der benötigten Dosis sollte der Eisenstatus erneut kontrolliert werden und bei Bedarf eine weitere i.v.-Gabe von 500 mg Eisen-Carboxymaltose erfolgen. Eine zusätzliche orale Substitutionstherapie wird derzeit nicht empfohlen, sagte Ponikowski.

Überzeugende Evidenz aus zwei multizentrischen Studien

Innerhalb von 2–4 Wochen nach i.v.-Eisensubstitution verbessert sich der klinische Zustand der Patienten in der Regel deutlich, berichtete Anker. In der ersten Studie bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Eisenmangel und einem Beobachtungszeitraum von einem halben Jahr, wurden in der Verum-Gruppe bei Studienende Verbesserungen der NYHA-Klasse, der Lebensqualität, der 6-Minuten-Gehstrecke und der Gesamtbeurteilung durch den Arzt dokumentiert (Anker S et al., NEJM 2009; 361: 2436). In einer weiteren Studie wurden die günstigen Effekte einer Substitutionstherapie bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und Eisenmangel nachgewiesen: Die 6-Minuten-Gehstrecke hatte sich nach 24 Wochen im Vergleich zur Placebogruppe im Schnitt um 33 Meter gebessert. Dieses Ergebnis konnte bis zum Ende der Studie über ein Jahr aufrechterhalten werden. Das Risiko einer Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz war über den Beobachtungszeitraum von 12 Monaten um fast 60% verringert (Ponowski P et al., Eur Heart J 2015; 36: 657).

Die i.v.-Eisensubstitution ist eine kostensparende Therapie, sagte Anker, deren Nutzen durch zunehmend mehr Daten untermauert wird. In einer Meta-Analyse der Daten von 4 Studien mit insgesamt mehr als 800 Patienten war in der Verum-Gruppe das Risiko für Tod oder kardiovaskuläre Hospitalisierung (kombinierter Endpunkt) um 55% (p<0,0001) und die Rate von Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz um mehr als 70% (p<0,0001) gesenkt worden (Jankowska EA et al., ACC 2015, Chicago). Weitere Studien laufen, unter anderem auch bei Herzinsuffizienz-Patienten mit erhaltener Pumpfunktion.

Durch eine orale Eisensubstitution können die Eisenspeicher nur in einer Größenordnung von etwa 5 mg täglich aufgefüllt werden, berichtete Anker. Denn die Aufnahmefähigkeit des Körpers für orales Eisen sei limitiert. Zudem sei die Therapieadhärenz bei einer oralen Therapie niedrig, da bei etwa einem Drittel der Behandelten gastrointestinale Nebenwirkungen auftreten. Auch gebe es keine Studienevidenz, dass eine orale Eisensubstitution bei Herzinsuffizienz-Patienten mit Eisenmangel von Nutzen sei.

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