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Prof. Jeroen Bax, President Elect der European Society of Cardiology (ESC), im Gespräch mit Dr. Anita Kreilhuber (Cardio News Austria).
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Bis dann in London beim ESC Congress

 
Kardiologie 3. Juli 2015

„Österreich ist mit viel Engagement auf europäischer Ebene dabei“

Der President Elect der European Society auf Cardiology, Professor Dr. Jeroen Bax, war heuer bereits zum zweiten Mal Gast bei der ÖKG-Jahrestagung. Cardio News Austria nützte die Gelegenheit für ein Gespräch mit dem Experten.

Die ESC hat in den letzten Jahren die globale Vorrangstellung übernommen. Was ist das Erfolgsrezept?

Prof. Bax: Jede Gesellschaft hat ihren eigenen Fokus. Hauptaugenmerk der ESC beruht auf Aus- und Weiterbildung, klinischer Kardiologie, Wissenschaft und Forschung. Warum wir uns in den letzten Jahren als Fachgesellschaft so gut positionieren konnten und unser Jahreskongress mittlerweile weltweit der größte seiner Art ist, liegt meines Erachtens daran, dass wir nicht nur die nationalen Mitgliedsgesellschaften der ESC ansprechen, sondern auch den assoziierten Fachgesellschaften außerhalb Europas Aufmerksamkeit zollen. Wir suchen den Dialog mit Südafrika, Japan, China, Malaysien, Indien, den südamerikanischen Ländern, um nur einige wenige konkrete Beispiele zu nennen. Dies findet vor allem Ausdruck in der Gestaltung des ESC-Kongresses, wo wir seit einigen Jahren ein „affiliate cardiac society program“ anbieten, das speziell auf Teilnehmer aus verschiedenen Regionen der Welt abzielt. Die ESC hat sich bewusst für eine globale Ausrichtung des Jahresmeetings entschieden. Teilnehmer aus aller Welt sind willkommen und sollen sich bei uns vertreten fühlen. Wie gut das funktioniert, zeigt sich am Beispiel Japan, das im letzten Jahr 10 Prozent aller vom Kongress angenommen Abstracts stellte. Auch nicht Mitgliedsländer sollen sich der ESC zugehörig fühlen.

>> Die Guidelines der ESC werden in Österreich zu 100 Prozent befürwortet und hervorragend umsetzt.

Welche Auswirkungen hat dies auf die Umsetzung der Guidelines?

Prof. Bax: Bezüglich der Guidelines muss man zwischen Befürwortung und tatsächlicher Umsetzung unterscheiden, wobei die Umsetzung im europäischen Raum natürlich unser Hauptanliegen ist. Diese ist vor allem in den westeuropäischen Ländern sehr gut, mit Österreich als Vorbild, das die ESC-Guidelines zu 100 Prozent befürwortet und hervorragend umsetzt. Bezüglich der Adhärenz zu einzelnen Empfehlungen bestehen EU-weit, vor allem aufgrund finanzieller Gegebenheiten, regionale Unterschiede. So etwa ist eine Umsetzung der Guideline zur Implantation von ICD/CRT-Systemen nicht in allen Ländern im empfohlenen Umfang leistbar. Aber die Guideline wird anerkannt und, in dem Maße umgesetzt, wie es die lokalen Gegebenheiten erlauben. Und darauf kommt es an.

Wie läuft es mit dem „ESC Educational Program“? Werden die Angebote angenommen?

Prof. Bax: Neben den Guidelines, dem Jahreskongress und den Journals sehen wir das Fortbildungsprogramm als eine der großen Stärken der ESC. Unser eLearning-Programm ESCeL deckt alle wichtigen alle Aspekte der klinischen Kardiologie ab. Es wurde unter der Präsidentschaft von Michel Komajda 2011 unter Einbeziehung der Mitgliedsländer gegründet und erfreut sich seither zunehmender Beliebtheit, vor allem in der jungen Community. Ein gutes Beispiel sind die Webinar-Treffen bei uns an der Klinik in Leiden. Im Rahmen davon nimmt eine Gruppe von Assistenzärzten in Anwesenheit eines erfahrenen Kardiologen, der in das spezielle Thema eingearbeitet ist, gemeinsam an einem Webinar teil. Danach werden der Inhalt des Lernmoduls und dessen Implikationen in Bezug auf konkrete Fälle diskutiert. Um die Akzeptanz des ESCeL weiter zu steigern findet im Dezember ein Treffen aller Arbeitsgruppen-Koordinatoren der nationalen Fachgesellschaften statt, im Rahmen dessen Wünsche und inhaltliche Vorschläge eingebracht werden können. Als wichtiger Bereich der Fortbildung erscheint mir auch der Bereich „ESC 365“. Auf diesen Websites sind das ganze Jahr über alle wichtigen Sessions des letzten ESC-Jahreskongresses abzurufen.

Welchen Stellenwert hat das kleine Österreich im großen europäischen Gefüge?

Prof. Bax: Die Beteiligung Österreichs an den Aktivitäten der ESC ist sehr, sehr gut. Zum einen besuchen viele ÖKG-Mitglieder regelmäßig den ESC-Kongress, zum anderen sind viele junge und etablierte Kollegen in wichtige Angelegenheiten des ESC involviert, etwa in das Erstellen von Guidelines, als Editorial-Board-Mitglieder von ESC-Journalen oder in der Gestaltung des ESC-Programms. Die genauen Zahlen dazu wurden in Salzburg anlässlich der ÖKG-Tagung mit dem Vorstand besprochen. Sie liegen in allen Belangen über dem EU-Durchschnitt. Für mich persönlich ist Österreich immer eine Reise wert. Ich war heuer zum zweiten Mal hier, ich genoss die Qualität der Tagung, die sich unter der Präsidentschaft von Professor Franz Weidinger zu einer starken Veranstaltung entwickelt hat. Österreich ist für die ESC ein wichtiges Land, von dem wir viel Input bekommen und ein Mitgliedsland, das wir sehr schätzen.

>> Österreich ist für die ESC ein wichtiges Land, von dem wir viel Input bekommen und ein Mitglied, das wir sehr schätzen.

Worin sehen Sie die größte Herausforderung der ESC in den nächsten Jahren?

Prof. Bax: Das ist eine schwierige Frage. Natürlich müssen wir die Aus- und Fortbildung weiter verbessern, die Reichweite der Guidelines, der Journals, des Kongresses sowie der ESceL-Plattform weiter steigern. Am wichtigsten erscheint es mir jedoch, dass wir junge Kardiologinnen und Kardiologen für die akademische Laufbahn begeistern. Immer mehr junge Leute gehen nach abgeschlossener Ausbildung in die Praxis. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber wir müssen auch dafür sorgen, dass Wissenschaft und Forschung attraktiv bleiben, damit die Entwicklung neuer Therapien und Methoden weiter vorangeht.

Sie sind der nächste ESC-Präsident. Wann genau werden Sie diese Funktion übernehmen?

Prof. Bax: Nach dem ESC-Kongress 2016 in Rom. Ich werde mein Bestes tun, um den Erfolgsweg der ESC fortzusetzen.

Haben Sie noch eine abschließende Botschaft an Österreichs Kardiologinnen und Kardiologen?

Prof. Bax: Macht weiter wie bisher. Ihr seid mit so viel Engagement auf europäischer Ebene dabei. Ich bin immer wieder gerne bei Euch Gast. 

Ankündigung

Der ESC Congress 2015 findet in London statt

Beim weltweit größten Kongress seiner Art werden heuer 27. 000 Teilnehmer aus 140 Ländern erwartet. Mehr als 11.000 Abstracts wurden eingereicht. 150 verschiedene kardiovaskuläre Themen und 500 Experten-Sessions stehen auf dem Programm. 5 Tage lang (29.08. – 02.09.) ist London Schauplatz der Veranstaltung. Für ein spannendes Programm zeichnen Fausto Pinto und Geneviève Derumeaux, im Namen des Programm-Komitees.

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