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© Armin Weigel /dpa
Auch in Österreich soll nun ein generelles Rauchverbot in öffentlich Räumen kommen. Kardiologen begrüßen dies.
 
Kardiologie 3. Juli 2015

Klare Position zu Rauchverboten

Österreichs Kardiologen begrüßen die geplante Novelle für die Verschärfung des Tabakgesetzes und treten generell für einen möglichst konsequenten Schutz von Nichtrauchern ein.

Noch vor der Sommerpause soll die von der Bundesregierung geplante Novelle des Tabakgesetzes im Nationalrat beschlossen werden, die nun ein generelles Rauchverbot unter anderem in der Gastronomie vorsieht. „Aus der Sicht der Kardiologie ist dieses Gesetz zwar ein Schritt in die richtige Richtung“, betont Univ.-Prof. Dr. Franz Weidinger, Past President und Pressesprecher der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG). Allerdings komme es sehr spät, die Übergangsfrist bis 2018 sei viel zu lang, und es enthalte nach wie vor Schlupflöcher. „Wissenschaftlich ist die Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit strenger Tabakgesetze anhand von Studien klar belegbar“, so Prof. Weidinger, der anlässlich der ÖKG-Jahrestagung die Gründe für einen strengen gesetzlichen Nichtraucherschutz zusammenfasst.

Rauchverbote senken Herzsterblichkeit und wirken rasch

Die besten Argumente kommen aus großen Studien, in denen die Auswirkungen des Passivrauchens untersucht wurden. Prof. Weidinger verweist auf eine Untersuchung aus Deutschland, die zeigte, dass Passivrauchen das Risiko, eine koronare Herzerkrankung zu entwickeln, um rund 25 Prozent erhöht. In anderen Worten: In der Bundesrepublik kommt es täglich zu sechs Todesfällen und zehn Fällen von neu aufgetretener koronarer Herzerkrankung allein durch das Passivrauchen. Umgekehrt belegt eine Metaanalyse, was strenge Gesetze bewirken können.

Die Auswertung von 45 Studien mit 33 unterschiedlichen Tabakgesetzen zeigte nicht nur, dass die Reduktion von Spitalsaufnahmen und Todesfällen durch kardiovaskuläre Erkrankungen mit der Strenge der Gesetze korreliert, sondern auch, dass andere Herzerkrankungen und Schlaganfälle bei reduzierter Exposition seltener werden.

Wie rasch sich Rauchverbote günstig auswirken, zeigt eine kürzlich von einer Arbeitsgruppe in der Schweiz publizierte Studie. Den Ergebnissen zufolge ging die Rate an Herzinfarkten bereits in den ersten drei Jahren nach Einführung eines öffentlichen Rauchverbots deutlich zurück. Besonders stark profitierte eine Personengruppe, in der wenig geraucht wird, nämlich Frauen über 65, was als deutlicher Indikator für die gesundheitsschädlichen Wirkungen des Passivrauchens interpretiert wird.

Hohes Risiko für Kinder rauchender Eltern vernachlässigt

Ein ganz besonderes Problemfeld, das durch die aktuelle österreichische Gesetzgebung nicht berührt wird, stellt die erhebliche Schadstoffbelastung dar, der Kinder rauchender Eltern ausgesetzt sind.

Prof. Weidinger: „Eine finnische Studie zeigte, dass die Intima-Media-Dicke der Karotis von Erwachsenen, die als Kinder dem Rauchen der Eltern ausgesetzt waren, signifikant größer war als jene, deren Eltern Nichtraucher waren.“ Die Kinder rauchender Eltern leiden somit ein Leben lang unter den Folgen der frühen Tabakrauchexposition.

Die Ergebnisse einer weiteren Studie dieser finnischen Forschergruppe geben Anlass zu noch größerer Sorge: Das Risiko für Carotis-Plaques war bei Kindern mit erhöhten Cotininspiegeln vierfachfach höher als jenes von Kindern mit nicht-messbar niedrigen Cotininspiegeln.

Prof. Weidinger: „Mit diesen Studien ist einmal mehr belegt, dass Rauchen nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die anderer Personen, die dem Passivrauch ausgesetzt sind, gefährdet. Das kommende Tabakgesetz und weitere Nichtraucherschutzmaßnahmen können aus kardiologischer Sicht daher nur befürwortet werden.“

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