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Kardiologie 3. Juli 2015

HFpEF – eine Art Alzheimer des Herzens?

Die Vermehrung der extrazellulären Matrix ist ein typisches Charakteristikum der HFpEF. Kürzlich konnten Amyloidplaques im Myokard nachgewiesen werden.

Was genau passiert bei der diastolischen Herzinsuffizienz (Heart Failure with preserved Ejection Fraction; HFpEF)? Dieser Frage ging Univ.-Prof. Dr. Diana Bonderman, MedUni Wien, in einem Vortrag bei der ÖKG-Tagung nach: Aufgrund einer Versteifung der peripheren Gefäße kommt es zu einem Anstieg der Nachlast, im Zuge dessen die Herzwand hypertrophiert und der linksventrikuläre Füllungsdruck ansteigt. Ausgelöst dadurch kommt es zu einem bindegewebigen Remodelling des linken Ventrikels mit Rückbildung des Kapillarbetts und zunehmender Versteifung der Herzwand.

Die erhöhten Füllungsdrücke setzten sich in die präkapilläre Lungenstrombahn fort, sodass es auch hier zu ähnlichen Veränderungen kommt. Die Folge davon: Auch der rechte Ventrikel wird vermehrt belastet. Es droht ein Rechtsherzversagen. Das große Problem ist, dass nach wie vor keine Evidenz-basierte Therapie der HFpEF zur Verfügung steht. Mögliche Therapie-Kandidaten sind Verciguat, ein Stimulator der solublen Guanylcyclase, Sildenafil, LCZ696, Ivabradin und Ranolazin. Auch die atriale Septostomie und die Barorezptorstimulation könnten sich als wirksam erweisen. Ein gänzlich neues Behandlungsfeld könnte sich eröffnen, sollte sich jene Hypothese bestätigen, nach der die HFpEF eine Art Alzheimer des Herzens darstellen soll.

Amyloidplaques und gesteigerte Inflammation

Obgleich zwei unterschiedliche Organe betroffen sind, weisen HFpEF und Alzheimer bei näherer Betrachtung mehr pathophysiologische Gemeinsamkeiten als nur die Altersassoziation. So konnte kürzlich gezeigt werden, dass auch HPpEF-Patienten Amyloidplaques aufweisen, und zwar im Myokard, verwies Prof. Bonderman auf Autopsie-Ergebnisse einer Arbeitsgruppe um Margaret Redfield. HFpEF-Herzen hatten einen signifikant höheren Fibroseanteil im Myokard als jene von Verstorbenen ohne kardiale Grunderkrankung. Zudem wiesen 19 % der HFpEF-Herzen, aber nur 5 % der Kontroll-Herzen Amyloid-Ablagerung im Myokard auf. Es wird vermutet, dass wie beim Alzheimer die abgelagerten Amyloidproteine inflammatorische bzw. zytotoxische Effekte verursachen.

Auch Prof. Bonderman und ihre Arbeitsgruppe widmen sich schon seit längerer Zeit der histologischen Untersuchung des Myokards bei HFpEF. „Im Zuge eines Forschungsprogramms haben wir 30 HFpEF-Patienten linkskardial biopsiert und die extrazelluläre Matrix histologisch genau angeschaut. Es zeigte sich eine deutliche Vermehrung des interstitiellen Gewebes, verbunden mit einem auffälligen Rückgang des Kapillarbetts. Außerdem konnten wir nachweisen, dass das Ausmaß der Zunahme des extrazellulären Volumens prognostisch relevant ist.“

Auch in einer Studie von Dr. Andreas Kammerlander, Mitglied der Arbeitsgruppe um Prof. Bonderman, MedUni Wien, konnte die Assoziation zwischen Extrazellulärvolumen und Prognose bestätigt werden. Im Rahmen der Studie wurden 531 HFpEF-Patienten mittels myokardialem T1-Mapping im MRT untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass dieses Verfahren eine nicht invasive Einschätzung der diffusen Myokardfibrose ermöglicht und der Grad der Fibrosierung mit der Prognose der Patienten korreliert. Die Studie von Kammerlander wurde im Rahmen der ÖKG-Tagung mit dem Best-Abstract-Preis für klinische Forschung, Platz 1, ausgezeichnet.

Was der Arbeitsgruppe von Prof. Bonderman bisher nicht gelang, ist der Nachweis von Amyloid-Plaques im Myokard von HFpEF-Patienten: „Obwohl wir sehr genau danach gesucht haben, waren in unseren histologischen Schnitten keine derartigen Ablagerung zu finden.“

Die Amyloidhypothese von Margaret Redfield möchte die Wiener Arbeitsgruppe um Prof. Bonderman dennoch weiterverfolgen, zumal sich dadurch neue Einblicke in die Pathophysiologie der HFpEF eröffnen könnten, die einen Ausgangspunkt für innovative therapeutische Konzepte des immer größer werdende Problems HFpEF mit sich bringen könnten.

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