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Vernetzung und Kooperation sollen für eine hohe Qualität in der Versorgung kardiologischer Patienten sorgen.
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Der neue ÖKG-Präsident: Prim. Univ.-Doz. Dr. Franz Xaver Roithinger, Vorstand der II. Internen Abteilung mit Kardiologie, Nephrologie, Angiologie und Intensivmedizin, Landesklinikum Wiener Neustadt.

 
Kardiologie 3. Juli 2015

Mit voller Kraft gemeinsam in die Zukunft

Der neue ÖKG-Präsident setzt auf Bündelung der Kräfte durch proaktive Zusammenarbeit. Über sein Motto „gemeinsam in die Zukunft“ sprach Prim. Univ.-Doz. Franz Xaver Roithinger mit Cardio News Austria.

Was bedeutet dieses Motto für Sie konkret?

Doz. Roithinger: Die Kardiologie steht vor großen Herausforderungen, sowohl fachlich als auch standespolitisch. Fachlich können wir davon ausgehen, dass Katheter-basierte Eingriffe an den Herzklappen, auch abseits der Aortenklappe, zunehmend an Bedeutung gewinnen. Damit einhergehend wird auch der Stellenwert von interdisziplinären Heart-Teams immer größer. Die Achse Kardiologie – Herzchirurgie soll sich künftig auch in der öffentlichen Wahrnehmung widerspiegeln. Wir haben uns daher entschlossen, die nächste ÖKG-Jahrestagung erstmals gemeinsam mit den Herzchirurgen auszurichten, im Sinne einer gelebten Zusammenarbeit nicht nur am Krankenbett, sondern auch im Bereich der Fortbildung.

In welchen anderen Bereichen werden Sie sich um gemeinsames Wirken bemühen?

Doz. Roithinger: Der Begriff gemeinsam zielt nicht nur auf Kardiologen und Herzchirurgen ab. Gemeinsam betrifft auch die Vereinigung von Forschung, Wissenschaft und der klinischen Kardiologie. Hier möchte ich den Weg meines Vorgängers, Franz Weidinger, dem die Synthese dieser drei Bereiche stets ein großes Anliegen war, fortführen. Das heißt, ich werde mich um einen konstruktiven Dialog zwischen den Universitätskliniken, den Krankenhäusern und den niedergelassenen Kollegen bemühen. Gemeinsam heißt auch, die Kardiologie nicht losgelöst vom Rest der Inneren Medizin zu sehen, sondern mit allen anderen Subdisziplinen, die die Kardiologie betreffen, also die Hypertensiologie, die Nephrologie, die Diabetologie, Präventionsmedizin, regelmäßigen Austausch zu pflegen. Es geht mir darum, nicht das Trennende, sondern das Verbindende in den Vordergrund zu stellen.

Soll das Motto gemeinsam auch die verschiedenen Professionen betreffen, die in der Kardiologie zusammenarbeiten?

Doz. Roithinger: Auf jeden Fall. Wir müssen uns darüber klar sein, dass Zusammenarbeit mit dem Kardiologischen Assistenz- und Pflegepersonal immer wichtiger wird. Das liegt einerseits daran, dass die Zahl der Eingriffe im Katheterlabor weiter zunehmen wird. Denken Sie nur an das Potenzial der Ablation von Vorhofflimmern oder das der TAVI. Die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften, die auf der Station und im Katheterlabor hoch qualifizierte Tätigkeiten leisten, wird größer werden. Außerdem ist davon auszugehen, dass aufgrund des bevorstehenden Ärztemangels bestimmte Tätigkeiten, die derzeit noch von Ärzte wahrgenommen werden, künftig andere Berufsgruppen übernehmen werden müssen, um die Qualität der medizinischen Versorgung aufrecht zu erhalten. Auch hier ist ein gemeinsamer Dialog zum Wohle des Patienten gefragt. Gemeinsam mit allen medizinischen Professionen arbeiten, das ist für mich ganz wichtig.

Mit dem neuen Sonderfach „Innere Medizin und Kardiologie“ steht Österreich im EU-Raum nun besser dar. Mit welchem Gefühl blicken sie über die Landesgrenzen?

Doz. Roithinger: Auch hier ist gemeinsames Auftreten gefragt. Länderübergreifenden Kontakt mit den verschiedenen kardiologischen Fachgesellschaften zu pflegen und sich in unserer Dachgesellschaft, der European Society of Cardiology, engagiert einzubringen, steht auf meiner To-do-Liste weit oben. Mein Vorgänger hat diesbezüglich gute Arbeit geleistet. Doch man muss weiter dran bleiben, zumal die Globalisierung auch im Bereich Medizin weiter voranschreiten wird. Hier geht es nicht nur um die Konkurrenzfähigkeit von Fachärzten im Ausland, sondern auch um die Qualitätssicherung durch Schaffung von internationalen Benchmarks.

Mit Professor Andrea Podczeck-Schweighofer als Präsidentin Elect steht Ihnen im Vorstand eine Frau zur Seite. Wie gefällt Ihnen das?

Doz. Roithinger: Sehr gut. Die Zusammenarbeit zwischen Ärztinnen und Ärzten ist für mich selbstverständlich und gelebte Praxis in der Kardiologie. Nebenbei bemerkt, auch in der Geschlechterverteilung findet sich mein Motto „Gemeinsam in die Zukunft“ wieder. Mit der neuen Präsidentin Elect steht mir nicht nur eine jahrelange persönliche Weggefährtin zu Seite, sondern auch eine kompetente Kardiologin. Im ÖKG-Vorstand sind derzeit drei Frauen vertreten, Prof. Julia Mascherbauer, Prof. Senta Graf und Prof. Andrea Podczeck-Schweighofer. Sie sind dort nicht aufgrund einer Quotenreglung, sondern aufgrund der Qualifikation dieser Frauen. Besonders freut mich, dass an der Vorstandsspitze erstmals ein Duo aus dem Fachbereich der Rhythmologie steht. Nicht nur, dass mit mir erstmals ein Rhythmologe ÖKG-Präsident ist, auch die Präsidentin Elect kommt aus diesem Spezialbereich.

Wird dies Auswirkungen auf die ÖKG-Aktivitäten haben?

Doz. Roithinger: Natürlich wird es mir ein Anliegen sein, den Stellenwert der Rhythmologie zu unterstreichen. Gerne stelle ich mich auch als Sprachrohr der Arbeitsgruppe Rhythmologie im Vorstand zur Verfügung, sofern dies gewünscht wird. Wie bereits angedeutet, wird die Ablation von Vorhofflimmern weiter an Terrain gewinnen. Wir werden folglich viele Spezialisten und Assistenzpersonen brauchen, die entsprechend ausgebildet und geschult werden müssen. Der Zeitpunkt für einen Präsidenten aus dem Bereich Rhythmologie könnte somit nicht besser sein.

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