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© B&K/Nicholas Bettschart
Gruppenbild mit Kardiologin (v.l.): Prof. Dr. Wolfgang-Michael Franz, Prof. Dr. Franz Weidinger, Prof. Dr. Irene Lang, Dr. Franz Xaver Roithinger und Prof. Dr. Gerald Maurer.
 
Kardiologie 1. Juni 2015

Österreichs Heart Team

Führende Kardiologen stellen Therapien für Fettstoffwechselstörungen vor und warnen vor Passivrauchen.

Bei der Jahrestagung der Kardiologen in Salzburg diskutieren die Experten u. a. über Möglichkeiten zur radikalen Absenkung des „bösen“ LDL-Cholesterins.

Die eine Umfrage zum Weltnichtrauchertag am 31.5. ist für Österreich an sich erfreulich: Knapp ein Viertel aller Raucher möchte den Tabak-Konsum verringern, ein Drittel ganz aufhören. 37 Prozent haben bereits versucht, aufzuhören. Eine zweite Meldung ist weniger schön: 30 Prozent der rund 2,3 Millionen Raucher in Österreich gelten als hochgradig Tabak abhängig und sollten sich professionell behandeln lassen. Das betrifft laut dem Zentrum für Public Health der MedUni Wien rund 690.000 Menschen. Schon eine Preiserhöhung auf Tabakwaren um nur ein Prozent über die Inflationsrate wäre eine effektive Maßnahme.

Prof. Dr. Franz Weidinger, Präsident der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft, trauert einer konsequenteren Umsetzung der Tabakgesetz-Novelle nach. Die Übergangsfrist des Gesetzes, das ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie bis 2018 vorsieht, magerlt den Experten. Er verweist auf eine Metaanalyse von 45 Studien zu 33 Tabakgesetzen: „Diese Studie zeigt nicht nur, dass das Ausmaß der Reduktion an Spitalsaufnahmen und Tod durch kardiovaskuläre Erkrankungen mit der Strenge der Gesetze korreliert, sondern dass auch andere Herzerkrankungen und Schlaganfälle seltener werden, wenn die Menschen weniger Tabakrauch ausgesetzt sind.“ Eine neue Schweizer Studie zeige, wie rasch ein strenges Tabakgesetz wirke: „Bereits in den ersten drei Jahren nach der Einführung eines öffentlichen Rauchverbots im Kanton Tessin ging die Rate an Herzinfarkten deutlich zurück.“ Besonders bei den Frauen über 65, einer Gruppe in der wenig geraucht werde. Dies sei ein deutlicher Indikator für die Schädigung des Passivrauchens. Auf Nachfrage sagt Weidinger, dass dieser Rückgang nicht in jedem Kanton zu erkennen sei. In Österreich werde es „in den nächsten Jahren“ jedenfalls messbare Erfolge geben.

Je weniger, desto besser

So lautet die Formel von Prof. Dr. Gerald Maurer. Bedeutet: Die Konzentration an „bösem“ LDL-Cholesterin im Blut kann gar nicht niedrig genug sein, um „Herzinfarkt & Co.“ zu verhindern. Neue Behandlungskonzepte erlauben die Absenkung auf sogar unter 50 Milligramm LDL-Blutfett pro Deziliter. Das entspricht dem Wert von Neugeborenen, sagte der Wiener Kardiologe. Neue Daten gibt es zur intensiven LDL-Cholesterinsenkung, zumindest bei Risikopersonen. Die IMPROVE-IT-Studie, bei der bei Patienten nach einem akuten Herzkreislauf-Ereignis (Herzinfarkt, instabile Angina pectoris) der LDL-Cholesterinwert mit einem Statin-Präparat (Simvastatin®) und noch zusätzlich mit dem Wirkstoff Ezetimibe gesenkt wurde, habe gezeigt, dass Ezetimibe die Rückresorption von Cholesterin aus dem Darm verringert. Prof. Dr. Maurer, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie im Wiener AKH: „Die Patienten hatten an sich schon die Zielwerte erreicht. Bei der Gruppe, die Ezetimibe erhalten hatte, wurde ein zusätzlicher Effekt erzielt.“ Die Empfehlungen für die LDL-Senkung werden weiter herunter gehen: auf 50 Milligramm LDL pro Deziliter, den Wert eines Neugeborenen. Mit den in Zulassung befindlichen monoklonalen „Anti PCSK9-Antikörpern“ dürften bald noch schärfere Cholesterinsenker zur Verfügung stehen.

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