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Ass. Prof. Univ.-Doz. Dr. Daniel Scherr, MedUni Graz
 
Kardiologie 27. Mai 2015

Inzidenz und Prädiktoren linksatrialer Thromben vor Katheterablation des Vorhofflimmerns

 
 

Eine Arbeitsgruppe um Ass. Prof. Univ.-Doz. Daniel Scherr, MedUni Graz, untersuchte diese wichtige Fragestellung in einer multizentrischen Studie.

Die transösophageale Echokardiographie (TEE) wird dazu verwendet um vor einer Katheterablation des Vorhofflimmerns (VHF) einen linksatrialen Thrombus auszuschließen. Entsprechend den Guidelines ist bei Patienten im Sinusrhythmus oder bei einer Vorhofflimmerdauer < 48h eine TEE nicht erforderlich, falls der Patient in den Wochen vor der TEE suffizient antikoaguliert war. Allerdings basiert diese Empfehlung nur auf einem „expert consensus“. Die Studie „Inzidenz und Prädiktoren linksatrialer Thromben vor Katheterablation des Vorhofflimmerns“ evaluierte, ob der CHA2DS2-VASc Score, zusätzlich zum CHADS2 Score, für die Risikostratifizierung hinsichtlich des Vorliegens eines linksatrialen Thrombus vor VHF-Ablation eingesetzt werden kann.

Methoden und Ergebnisse

Diese Studie inkludierte 1838 Patienten (Alter 60 ± 11 Jahre; 25 % weiblich; 42 % persistierendes VHF) vor VHF-Ablation in sechs Zentren. Die Patienten waren mindestens vier Wochen vor der TEE bzw. vor der Ablation suffizient antikoaguliert. Eine TEE wurde bei allen Patienten innerhalb von 48h vor der Ablation durchgeführt.

Die präprozedurale TEE zeigte bei 30 von 1838 Patienten einen Vorhofthrombus (1.6%), der jeweils im linken Herzohr gelegen war. Von diesen 30 Patienten hatten 6 paroxysmales VHF und waren zum Zeitpunkt der TEE im Sinusrhythmus. Ein linksatrialer Thrombus war bei 0.3 %, 2.0 %, und 3.7 % der Patienten mit CHADS2 Scores von 0, 1, und ≥2, und bei 0.4 %, 2.5 %, 2.9 %, und 5.7 % der Patienten mit CHA2DS2VASc-Scores von 0/1, 2, 3, and ≥ 4 vorhanden (beide p-Werte < 0.001). In einer multivariaten Analyse waren ein höherer CHADS2-Score, ein höherer CHA2DS2VASc-Score und weibliches Geschlecht unabhängige Prädiktoren eines Thrombus.

Der CHA2DS2VASc-Score konnte dazu verwendet werden, um das häufige Patientengut mit CHADS2-Scores von 0/1 in zwei Gruppen mit unterschiedlichen Thrombus-Eventraten zu teilen (3.6 % vs. 0.2 % p < 0.01, bei einem CHA2DS2VASc-Cutoff-Wert ≥ 2).

Konklusion

Trotz oraler Antikoagulation besteht ein kleines aber signifikantes Risiko eines linksatrialen Thrombus vor VHF-Ablation, auch wenn sich der Patient zum Zeitpunkt der TEE im Sinusrhythmus befindet. Der CHADS2-Score und der CHA2DS2VASc-Score sind hilfreiche Prädiktoren des präprozeduralen Thrombus-Risikos. Der CHA2DS2VASc-Score kann Patienten mit erhöhtem Thrombusrisiko bei gleichzeitig niedrigem CHADS2-Score identifizieren.

D. Scherr, J. Ebner, M, Manninger, B. Ohnewein, H. Brussee (Klinische Abteilung für Kardiologie, Medizinische Universität Graz), A. Klein (Cleveland Clinic, Cleveland, USA), E. Betaglia (Ospedale Civile, Mirano, Italy), I. Deisenhofer, C. Grebmer (Deutsches Herzzentrum, München), M. Shinsuke, I. Yoshido (Kinki Univ School of Medicine Yokosuka, Japan), H. Calkins, J. Marine (Johns Hopkins University, Baltimore, USA)

 

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