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Univ.-Prof. Dr. Heinz Weber, Kardiologe aus Wien
 
Kardiologie 26. Mai 2015

Der „neue“ Kardiologe – zurück in die Zukunft?

Am Puls – Kolumne von Prof. Heinz Weber

Es war höchst an der Zeit! Nach mehr als 30 Jahren wird die Ausbildung zum Kardiologen in der Ärzte-Ausbildungs-Ordnung (ÄAO) neu gestaltet. Sie soll der medizinischen Entwicklung Rechnung tragen und so eine Verbesserung der internationalen Konkurrenzfähigkeit ermöglichen.

Die erste Generation der österreichischen Kardiologen benötigte mindestens 8 Jahre, meist länger, um das Additivfach Kardiologie im Anschluss an die „Innere Medizin“ zu erwerben. In fast allen EU-Ländern war und ist die Ausbildungsdauer deutlich kürzer, die Kardiologen sind somit auch jünger. EU-weit durfte dieser österreichische Kardiologe nur als Internist tätig sein. Eine EU-weite Anerkennung blieb dem Additivfach versagt. Schließlich förderte die alte Ausbildungsordnung das „Sammeln“ von Additivfächern: Zwei bis drei zusätzlichen Ausbildungs-Jahre waren keine Seltenheit, ja wurden bei Bewerbungen teilweise sogar vorausgesetzt.

Die beste Nachricht der Reform, die in ihrem Gesetzestext mit den Übergangsbestimmungen bereits vorliegt: Die Ausbildung zum neuen „Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie“ wird auf 6 Jahre verkürzt. Damit wird mit anderen EU-Ländern gleichgezogen. Außerdem wird dieser „Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie“ von der EU anerkannt werden. Kardiologen/Kardiologinnen können – in Abhängigkeit von den Sprachkenntnissen – zukünftig im gesamten EU-Raum kardiologisch tätig sein. Weitere positive Veränderungen betreffen die ärztliche Tätigkeit nach dem klinisch praktischen Jahr (KPJ):

Verpflichtende Einführung des 9 monatigen „Common Trunk“ (CT), basierend auf den 15 häufigsten Erkrankungen der Industrieländer nach WHO-Kriterien.

27 Monate Innere Medizin, das sog. „Fachspezifische Curriculum“ (FC), welches von der ÖGIM und den internen Fachgesellschaften der Ärztekammer (ÖÄK) zum Beschluss vorgeschlagen wird.

36 Monate Ausbildung ausschließlich im Sonderfach Kardiologie.

Die detaillierte Ausarbeitung im Sonderfach Kardiologie selbst muss von der ÖKG vorgegeben, um dann von der ÖÄK bzw. vom Ministerium als gesetzlich dafür zuständige Institutionen abgesegnet zu werden. Waren die Aktivitäten der ÖKG trotz des hochkarätigen Vorstandes der letzten Jahre enden wollend – die Neustrukturierung der ÄAO fiel ja nicht erst in den letzten Monaten, ebenso wenig wie die von der EU vor mehr als 10 Jahren gesetzlich beschlossene Dienstzeitänderung vom Himmel – so wurde der enorme Zeitdruck vom jetzigen Vorstand unter Prof. Weidinger als Präsidenten wieder weitgehend wettgemacht: Die ÖKG ist dabei eine moderne, zukunftsweisende, international herzeigbare Ausbildung der neuen österreichischen Kardiologinnen und Kardiologen zu entwickeln. Sie wird nicht am „vintage“-Vorschlag von Mindestzahlen oder einem kardiologischen Syllabus (i. e. Inhaltsverzeichnis eines Fachbuches), wie bisher hängenbleiben dürfen! Sie wird sich durchsetzen müssen, den für die Patientenbetreuung wichtigen „Kompetenzgrad“ der Ausgebildeten (in der Anwendung einer diagnostischen oder therapeutischen Methode) zu definieren und das „Curriculum Kardiologie der ÖKG“ in die Durchführungsbestimmungen der ÄAO hinein zu reklamieren! Europäische Vorbilder (z. B. die ESC) gibt es. Der kardiologische Teil der zukünftigen Facharztprüfung könnte das von der ESC und UEMS-CS gestaltete jährliche „European Examen in General Cardiology“ (2015 am 18.6., www.uems-cardio.eu) sein mit seinem formativen („case based learning“) und summativen (Examen mit MCQs) Anteil.

Es ist zu hoffen, dass sich die für die ÄAO verantwortliche ÖÄK offen für zukunftsweisende Konzepte und deren Umsetzung zeigt und diese unterstützt. Sonst wird der Weg in die Zukunft ein Rückschritt. Eine einmalige Chance wäre vertan!

Ihr Heinz Weber FA für Innere Medizin, Kardiologie und Intensivmedizin

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