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Univ.-Prof. Dr. Senta Graf, MedUni Wien
 
Kardiologie 26. Mai 2015

Myokardperfusionsszintigrafie im Aufschwung

 
 

Hochrangige Spezialisten der kardialen Bildgebungtrafen sich Anfang Mai in Madrid zu einem Wissensaustausch. Im Zentrum vieler Vorträge stand die MPS.

Die Tagung ICNC (International Conference on Nuclear Cardiology and Cardiac CT) zeigte, dass die Nuklearkardiologie mit der Einführung der neuen Generation der ultrasensitiven SPECT-Kameras zuletzt wieder ins Zentrum des Interesses gerückt ist. Einerseits konnte durch die technischen Verbesserungen die Untersuchungszeit der Myokardperfusionsszintigraphie (MPS) auf drei bis fünf Minuten pro Untersuchung herabgesetzt werden. Andererseits kann bei Verwendung von Tc-99 Tracern die applizierte Dosis gewichts-adaptiert reduziert werden, sodass bei Normalgewichtigen für eine Stress-Untersuchung die Strahlenbelastung auf zirka 1mSv effektive Strahlendosis reduziert werden kann.

Stress-only-Untersuchungen lautet die Devise

Der Trend geht daher in folgende Richtung: Um Untersuchungszeit und Strahlenbelastung zu minimieren, soll möglichst auf die Ruhe Untersuchung verzichtet werden und eine „Stress-only“-Untersuchung angestrebt werden.

Dieses Vorgehen ist insbesonders dann zu empfehlen, wenn bei der Stressuntersuchung bereits ein Normalbefund besteht. Es wird dem Patienten dadurch eine neuerliche Tracer-Applikation und damit verbunden eine neuerliche Strahlenbelastung, die eine Ruhe-Untersuchung bei Verwendung von Tc-99 Tracern verlangt, erspart.

Um möglichst grenzwertig normale Befunde zu vermeiden und die Befunde als eindeutig normal ausgeben zu können, wird daher empfohlen, EKG getriggerte Aufnahmen durchzuführen. Damit können die regionale Wandbewegung sowie auch die Linskventrikelfunktion unter Stress (LVEF) eine wertvolle Zusatzinformation liefern.

Wenn möglich, sollte zusätzlich eine „low dose CT“ eingesetzt werden. Diese ermöglicht eine Attenuationskorrektur, welche Artefakte (z. B. durch Weichteil–Attenuation) korrigiert und damit eindeutigere Bilder liefert. Gleichzeitig kann mit der „low dose CT“ ohne zusätzliche Strahlenbelastung auch der Calcium Score berechnet werden. Diese wertvolle Information gilt auch als unabhängiger Prognoseparameter zur Voraussage von kardialen Ereignissen. In der Kombination mit der MPS können somit zwei wichtige Informationen zusammengeführt werden.

Die „Stress-only“-Untersuchung wird neuerdings auch dann bei Patienten mit der Fragestellung koronare Herzkrankheit ohne Myokardinfakrt in der Vorgeschichte empfohlen, wenn sich bereits aus der Stress- Untersuchung ein eindeutig positiver Befund ergibt und sich durch das Ergebnis der MPS ohnedies die Notwendigkeit einer Herzkatheteruntersuchung ergibt, also bei Patienten ohne Hinweis auf vorbestehenden Myokardinfarkt mit eindeutigem Perfusionsdefekt unter Belastung. Eine weitere Zusatzinformation soll die derzeit noch in Entwicklung stehende Blutflussmessung mittels der neuen Generation der SPECT-Kameras liefern. Diese Messungen waren bisher nur mittels PET möglich und daher nur im Einzelfall erhebbar.

In einer rezenten Publikation (Tarqueti et al., Circulation 2015) betonen die Autoren den Stellenwert der mittels PET bestimmten koronaren Flussreserve (CFR; das Verhältnis aus Stressfluss zu Ruhefluss). Sie konnten ihn als wichtigsten prognostischen Parameter für die Ereignisrate von KHK-Patienten identifizieren, unabhängig von der Tatsache, ob ein Patient revaskularisiert oder konservativ behandelt wurde. Die routinemäßige Blutfluss-Messung mittels SPECT würde daher einen großen Umbruch in der nicht invasiven Kardiologie darstellen, da diese Information als ein weiterer prognostischer Parameter einem wesentlich größeren Patientenkollektiv zur Verfügung stehen würde.

 

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