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Kardiologie 27. April 2015

Diät und Vorhofflimmern

Legacy-Studie: Nachhaltiger Gewichtsverlust hilft nachweislich.

Übergewichtige Patienten mit Vorhofflimmern erhöhen ihre Chance auf einen Sinusrhythmus um das Sechsfache, wenn es ihnen gelingt, langfristig über zehn Prozent ihres Gewichtes zu verlieren und dabei größere Gewichtsfluktuationen zu vermeiden.

Sowohl Übergewicht und Fettleibigkeit als auch Vorhofflimmern nehmen seit Jahrzehnten stetig zu. Untersuchungen zeigen, dass Adipositas mit erhöhten Risiken für Hypertonie, Diabetes mellitus, Schlafapnoe und Vorhofflimmern einhergeht.

Die Behandlung der Adipositas wird somit zu einem attraktiven Ziel der kardiovaskulären Prävention. Kürzlich konnte gezeigt werden, dass aggressives Gewichtsmanagement die Sinus-Rhythmus-Raten nach Ablation von Vorhofflimmern erhöht. Nun stellt sich die Frage: Kann langfristiges Abspecken bei Übergewicht den Krankheitsverlauf bei intermittierendem oder persistierendem Vorhofflimmern positiv beeinflussen? Und gibt es hierfür einen „Schwellenwert“?

Der Frage nachgegangen ist ein Forscherteam um Dr. Rajeev K. Pathak von der Universität in Adelaide, Australien. Die Wissenschaftler führten die Legacy-Studie an 1.415 konsekutiven Patienten durch, die sich mit nicht permanentem Vorhofflimmern präsentierten. 355 Patienten mit einem BMI über 27 (im Schnitt 33) wurden – zusätzlich zur üblichen Therapie gegen Vorhofflimmern – zwischen Gewichtsmanagement und keinem Gewichtsmanagement randomisiert. Die Patienten der Gewichtsreduktionsgruppe wurden langfristig und engmaschig betreut, führten Tagebücher über Diät und körperliche Betätigung, wurden dreimal pro Monat zum Weitermachen motiviert und jährlich gründlich beim Arzt untersucht, einschließlich eines 7-Tage-Langzeit-EKGs.

Untersucht wurde, ob es einen dosisabhängigen Effekt der Gewichtsreduktion auf die Häufigkeit von Vorhofflimmern gibt und welche Rolle Gewichtsschwankungen spielen. In etwa je ein Drittel der Patienten verlor über zehn Prozent, von drei bis zehn Prozent oder weniger als drei Prozent des Körpergewichtes. Die Chancen auf einen nachhaltigen Gewichtsverlust waren größer, wenn dieser in einer auf die Behandlung von Übergewicht spezialisierten Klinik erfolgte.

Bei Patienten, die über zehn Prozent Gewicht verloren hatten, verbesserte sich der Blutdruck, der Glukosestoffwechsel und die Lipidwerte signifikant. Dies war auch in der Gruppe mit moderatem Gewichtsverlust der Fall, aber hier weniger ausgeprägt. Gleichzeitig verbesserte sich das allgemeine Wohlbefinden umso deutlicher, je mehr die Patienten an Gewicht verloren.

Die gleiche Dosis-Wirkbeziehung zeigte sich bei Patienten mit Vorhofflimmern: Nach etwa fünf Jahren waren nur 13 Prozent der Patienten in der Kontrollgruppe frei von Vorhofflimmern. In der Gruppe mit moderatem Gewichtsverlust waren es 22 Prozent und in der Gruppe mit einem Gewichtsverlust über zehn Prozent waren es 46 Prozent.

Somit erwies sich der nachhaltige Gewichtsverlust als besonders effektives Antiarrhythmikum bei Patienten mit Vorhofflimmern. Am wirkungsvollsten war es, wenn die Patienten linear abnahmen. Abnehmen mit intermittierendem Jojo-Effekt und Gewichtsschwankungen von über fünf Prozent des Körpergewichtes schwächten den antiarrhythmischen Effekt deutlich ab, resümierte Pathak und seine Kollegen in ihrer Arbeit.

 

Originalpublikation: Pathak RK et al. Long-Term Effect of Goal Directed Weight Management in an Atrial Fibrillation Cohort: A Long-term Follow-Up StudY (LEGACY Study).

J Am Coll Cardiol 2015 Mar 16.

DOI 10.1016/j.jacc.2015.03.002

springermedizin.de, Ärzte Woche 18/2015

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