zur Navigation zum Inhalt
© emrah_oztas / iStock
 
Kardiologie 23. März 2015

Fasten bei Bluthochdruck

Wirksam, aber wichtiger ist eine langfristige Diät und körperliche Bewegung

Die in christlicher Tradition derzeit noch geltende Fastenzeit veranlasst viele Menschen, ihren eigenen Nahrungs- und Genussmittelkonsum bewusst zu reduzieren. Fasten ist auch als Lebensstilbestandteil durchaus populär geworden. Viele verzichten auf Alkohol oder Süßigkeiten, andere fast vollständig auf feste Nahrung.

Das Institut für Demoskopie Allensbach stellt fest, dass 11,5 Millionen der insgesamt 80 Millionen Deutschen schon einmal gefastet haben. Eine amerikanische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Fasten einen positiven Effekt auf die Blutdruckwerte hat. Radikale Fastenkuren können allerdings auch negative Auswirkungen auf den Eiweißhaushalt und die Muskelmasse haben. Daher sollten Betroffene vor Fastenbeginn unbedingt einen Arzt konsultieren, rät die Deutsche Hochdruckliga.

Die in der Studie angewendete Fastenkur war jedenfalls radikal: Untersucht wurden die Auswirkungen von Wasserfasten auf die Werte von Hochdruckpatienten. Dabei nahmen die 147 Studienteilnehmer mit Bluthochdruck zwei bis drei Vorbereitungstage lang nur Obst und Gemüse zu sich, anschließend unter medizinischer Aufsicht etwa zehn Tage ausschließlich Wasser und Kräutertees.

90 Prozent Erfolgsquote

Im Anschluss folgten sechs bis sieben Aufbautage, in denen eine fett- und salzarme, vegane Ernährung eingeführt wurde. Das Ergebnis: Bei 90 Prozent der Studienteilnehmer normalisierte sich der Blutdruck am Ende des Fastenprogramms, er sank im Schnitt um 37/13 mmHg auf Werte unter 140/90 mmHg.

„Fastenkuren als Zäsur, als Übergang zu einer prinzipiellen Änderung der Ernährungsweise, können in einzelnen Fällen sinnvoll sein“, so Prof. Dr. Martin Hausberg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga. „Dass sich die Blutdruckwerte dadurch vollständig normalisieren, darf man aber nicht erwarten und hängt vom Grad der Bluthochdruckerkrankung ab“, so Hausberg. Wesentlich sind stetige diätetische Bemühungen.

Von Fasten im Sinne einer Nulldiät, wie beim Wasserfasten, rät der Hochdruck-Experte vom Städtischen Klinikum Karlsruhe allerdings ab. „Dies führt zu einem unnötigen Eiweiß- und Muskelabbau“, betont Hausberg. Heilfasten lässt sich auch mit dem sogenannten „Saftfasten“ nach Buchinger, das auf Obst- und Gemüsesäften beruht. Im Anschluss an die Safttage folgt der Aufbau einer gesunden Mischkost, die auf einen hohen Anteil an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten setzt.

„Hochdruckpatienten, aber auch Menschen, die sich gesund fühlen, sollten ihr Fastenvorhaben immer mit ihrem Arzt besprechen“, rät Hausberg. „Bei Gesunden reicht ein Check-up, Menschen mit Erkrankungen sollten ausschließlich unter ärztlicher Überwachung fasten.“ Die Fastenzeit sollte dabei auf maximal drei Wochen begrenzt werden, auch Gesunde sollten nicht länger als fünf bis sieben Tage ohne medizinische Aufsicht fasten. Zu den positiven Effekten tragen auch Bewegungs- und Entspannungseinheiten bei, die feste Bestandteile des Heilfastens nach Buchinger sind. Auch diese sollten idealer Weise nach Ende der Fastenkur in den Alltag integriert werden.

„Ausgewogene Ernährung, Bewegung und eine sinnvolle Balance von Anspannung und Entspannung – was Patienten mittels Heilfasten umsetzen, sind die Elemente der nicht-medikamentösen Behandlung von Bluthochdruck“, resümiert Hausberg. „Entscheidend sind dabei aber kontinuierliche diätetische Bemühungen und körperliche Tätigkeit.“ Ganz abgesehen davon, dass eine radikale Diät, wie die in der Studie überprüfte, für viele Menschen nur schwer oder gar nicht einhaltbar und damit in der Praxis kaum umsetzbar ist.

Quelle: Deutsche Hochdruckliga e. V.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben