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Kardiologie 20. Februar 2015

Neue Entwicklungen auf dem Stent-Sektor

Die Implantation von Stents gehört zur täglichen Routine im Katheterlabor. Nicht nur bezüglich der Prozedur, sondern auch im Hinblick auf das Design und Material von Stents ist man ständig auf der Suche nach Verbesserungen.

Im Rahmen des von Professor Kurt Huber veranstalteten internationalen Meetings „Integrated Management of Acute and Chronic Heart Disease“, das Ende Jänner in Innsbruck stattfand, war das Symposium 9 dem Thema „New Interventional Concepts for Improved Patient Outcomes?“ gewidmet. Unter dem Vorsitz von Prof. Wolfgang-Michael Franz aus Innsbruck und Prof. Stephan Windecker aus Bern stellte Prof. Oliver Gämperli aus Zürich einen besonderen medikamentenbeschichteten selbstexpandierenden Stent (AXXESS®) vor.

Der Experte führte aus, dass das neue Device vor allem im Hinblick auf eine optimierte Intervention von Bifurkationsstenosen entwickelt wurde. Aufgrund der technischen Schwierigkeiten, die sich bei der Rekonstruktion von komplexen Bifurkationsstenosen ergeben, ist laut Gämperli mit folgenden Problemen zu rechnen:

  • Hohe Rate an Verlust des Seitenastes aufgrund einer Carina-Shift
  • Hohe Rate an erneuter „target vessel revascularisation“
  • Erhöhtes Re-Infarkt-Risiko

Modulares System ermöglicht niedrige Restenoseraten

Der neue Stent AXXESS ermöglicht je nach Morphologie der Stenose ein modulares Vorgehen mit einem singulären Stent im Hauptast proximal der Bifurkation bzw. ein oder zwei zusätzlichen Stents distal der Aufzweigung. Der entscheidende Punkt ist, dass die Bifurkationscarina nicht durch Stentstreben überdeckt wird. Durch das spezielle Design wird eine Verschiebung der Carina vermieden und so das Risiko für eine Kompression des abgehenden Seitenastes und dessen Verlust reduziert.

AXXESS wurde in einem umfassenden Studienprogramm untersucht. Gämperli verwies auf die größte Studie, DIVERGE, mit 302 Teilnehmern. Die Langzeitergebnisse (5 Jahre) zeigen eine geringe Restenosierungsrate, die einerseits auf das selbstexpandierende Material Nitinol als auch der abluminalen Beschichtung mit dem besonders lipophilen Biolimus A9 zugeschrieben wird.

Im COBRA-Trial war jüngst diese neue Technik mit dem traditionellen Culotte-Stenting verglichen worden, bei dem zwei Stents, jener des Hauptastes und jener des Seitenastes, ineinander geschoben werden.

Mit zwei ausführlichen Fallpräsentationen illustrierte Dr. Stefan Harb vom LKH Graz West die praktische Anwendung dieses Bifurkationsstents. Er hat als Erster in Österreich eine Serie davon bereits erfolgreich implantiert und die Ergebnisse sowohl mit Optischer Koherenztomographie als auch mit intravaskulärem Ultraschall kontrolliert. Einen komplexen Anwendungsfall, der eine Vorbereitung der Stenose durch Rotablation erforderte, hat er im Herbst 2014 beim TCT in Washington vorgestellt.

Prof. Harald Darius aus Berlin erläuterte die Eigenschaften eines weiteren, neuen medikamentenbeschichteten Stents (Biofreedom®). Dieses polymerfreie Device wurde in der BiofreedomFIM-Studie getestet. Der Stent ist nur auf der abluminalen Seite mit Biolimus A9 beschichtet und vereint somit Eigenschaften eines Bare Metall Stents mit jenen eines Drug Eluting Stents. Zur Zeit wird dieses Prinzip gerade im LEADERs Free Trial gegen Bare-Metal-Stents verglichen. Man erwartet sich, die thrombozytenhemmende Medikation weniger lang einsetzen zu müssen. Das wäre für blutungsgefährdete Patienten von Vorteil.

 

 

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