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Kardiologie 2. Februar 2015

Schnee schaufeln, bis der Notarzt kommt

Für Untrainierte ist diese körperliche Tätigkeit Spitzensport mit erhöhtem Risiko.

Die Wege von Schnee freizuschaufeln, zählt eher zu den Pflichten als zu den Freuden des Winters. Zudem ist die Arbeit in kühler Umgebung nicht völlig ungefährlich, besonders nicht für Männer.

Über die gesundheitlichen Auswirkungen, die von der winterlichen Arbeit mit der Schneeschaufel ausgehen, haben der Notfallmediziner Thomas Sauter vom Inselspital in Bern und Kollegen in ihrer Arbeit in der Fachzeitschrift „Swiss Medical Weekly“ berichtet. Die Erkenntnisse haben sie bündig zusammengefasst: „Herzinfarkte, Zerrungen, Verrenkungen – Schneeschaufeln ist für Untrainierte Spitzensport mit erhöhtem Risiko.“

Die Schweizer Mediziner hatten die Daten von rund 350.000 Zwischenfällen durchgesehen, die sich in den Jahren 2001 bis 2013 an der Schneeschaufel ereignet hatten. Das klingt beängstigend, wären das doch rund 73 Fälle pro Tag – den Sommer mitgerechnet, wo vermutlich selbst die Schweizer seltener zur Schneeschaufel greifen. Beruhigend wirkt hingegen die Nachricht, wonach trotz der großen Fallzahl nur 20 durch die Winterarbeit bedingte Klinikaufnahmen nötig waren: fünf wegen akuter Koronarereignisse, elf aufgrund orthopädischer Probleme, zwei aus neurologischen Gründen und zwei wegen Bauchschmerzen. Tote waren glücklicherweise keine zu beklagen.

Belastung und kalte Luft

Sauter und Kollegen raten daher zur Vorsicht. Aufwärmen vor dem Griff zur Schaufel, Pausen einlegen – vor allem Männern ist das zu empfehlen, denn zirka 75–80 Prozent der kardialen Ereignisse im Winterdienst betreffen Männer. Die körperliche Belastung beim Schnee schaufeln zusammen mit dem Einatmen kalter Luft verenge die Hautgefäße und erhöhe die Nachlast fürs Herz, so die Forscher. Herzfrequenz und Blutdruck steigen, die Blutviskosität nimmt ebenso zu wie die Fibrinogenkonzentration und die Plättchenzahl. Das Schaufeln mag Einfahrten und Gehwege schneefrei machen – die Herzkranzgefäße macht es offenbar zu.

Originalpublikation: Sauter T et al. Swiss Med Wkly. 2015;145:w14104 DOI 10.4414/smw.2015.14104

springermedizin.de, Ärzte Woche 6/2015

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