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Neuer Bluttest für bessere Risikoeinschätzung.
 
Kardiologie 6. Dezember 2014

Wenn HDL seine schützende Wirkung verliert

Mit der Analyse bestimmter Proteine kann die Vorhersage von Ereignissen bei kardialen Risikopatienten präziser getroffen werden.

Eine aktuelle Studie der MU Wien bestätigt den Zusammenhang zwischen HDL-Cholesterin und kardiovaskulärem Risiko. Durch die Entwicklung eines neuartigen Labortests konnten Wissenschaftler erstmals zeigen, dass das Vorhandensein von bestimmten Proteinen im HDL-Molekül zu einem erhöhten Herz-Kreislaufrisiko und einer erhöhten Mortalität führen kann.

Derzeit wird in der klinischen Praxis nur die Cholesterin-Menge der HDL-Moleküle bestimmt und daraus die schützende Wirkung abgeleitet. Dieser Zusammenhang mag bei der gesunden Bevölkerung gegeben sein. Neuere Forschungsergebnisse zeigen aber, dass bei vielen chronischen Erkrankungen wie z. B. der koronaren Herzkrankheit, dem Diabetes oder bei Dialyse-Patienten der HDL-Spiegel nicht als prognostischer Marker verwendet werden kann. Daher werden neue Methoden benötigt, um das kardiovaskuläre Risiko besser abschätzen zu können.

Test misst „gefährliche“ Proteine

HDL besteht zu rund 20 Prozent aus Cholesterin und zu über 50 Prozent aus verschiedenen Proteinen, deren Zusammensetzung bei vielen Erkrankungen verändert ist. Eine Wiener Forschergruppe konnte bereits in einer früheren Studie zeigen, dass vor allem zwei Proteine, nämlich Serum Amyloid A (SAA) sowie Surfactant Protein B (SP-B) im HDL von Dialysepatienten deutlich erhöht sind, und auch dazu beitragen, dass das HDL seine schützende Wirkung verliert. Nun entwickelten Wissenschafter um Prof. Thomas Weichhart und Doz. Marcus Säemann einen innovativen Test, der SAA und SP-B im HDL direkt und schnell misst. Mithilfe dieses Tests wurde die HDL-Proteinzusammensetzung in über 1.200 dialysepflichtigen Diabetikern untersucht. Das Ergebnis: Hohe SAA-Mengen waren mit verstärktem Auftreten von Herzinfarkten assoziiert, während hohe Mengen von SP-B einen Marker für ein allgemein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko darstellten.

Die Studienautoren fassen zusammen: „Der HDL-C-Wert bleibt weiter wichtig, doch sollte der neue Test künftig zusätzlich eine deutlich präzisere Risikovorhersage für Herz-Kreislaufkrankheiten ermöglichen. Somit könnte bereits früher therapeutisch durch zum Beispiel eine veränderte Lebensweise eingegriffen werden, um die Gesamtprognose zu verbessern.“

Der Originalartikel ist erschienen in der Ärzte Woche 49/2014

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