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Herzfrequenzen unter 50 – ein gutes Zeichen im Rahmen der Hypothermie nach Herzstillstand.
 
Kardiologie 5. Dezember 2014

In der Ruhe liegt die Kraft

Normalerweise ist eine Herzfrequenz von unter 50 Schlägen pro Minute nicht erwünscht. Bei Überlebenden eines Herzstillstandes schon, wie eine rezente dänische Studie nahe legt.

In diese Studie waren 234 Patienten eingeschlossen, die nach einem Herzstillstand bewusstlos in die kardiologische Intensivstation der Universitätsklinik Kopenhagen eingeliefert wurden. Bei allen Patienten wurde eine therapeutische Hypothermie gemäß dem lokalen Protokoll durchgeführt. Während der Behandlung wurde die Herzfrequenz dokumentiert, mit besonderem Fokus auf Sinusbradykardien (HF < 50/min). Primärer Endpunkt war die Mortalität nach 180 Tagen.

„Wir hatten die Vermutung, dass Patienten mit einer Herzfrequenz unter 50 besser abschneiden würden und genau das konnten wir zeigen“, sagte Studienleiter Dr. Jakob Hartvig Thomsen im Rahmen der Ergebnispräsentation anlässlich der ACCA-Tagung. Die Resultate im Detail: Die 180-Tage-Mortalität der Patienten mit Sinusbradykardien betrug 17 Prozent, im Vergleich zu 38 Prozent im Kollektiv der Patienten ohne nachweisbare Bradykardien (p < 0,001). Nach Bereinigung des Einflusses anderer Faktoren (z. B. Alter, Geschlecht, Bystander-Reanimation), entsprach dies einer Reduktion des relativen Risikos um 51 Prozent. Zudem war der Nachweis von Sinusbradykardien direkt mit einem besseren neurologischen Outcome verbunden.

Die Erkenntnis, dass die Herzfrequenz prognostische Aussagen ermöglichen könnte, ist laut Thomsen wichtig: „Bisher konnten wir Angehörigen von Überlebenden eines Herzstillstandes erst nach 72 Stunden Auskunft gegeben. Nun können wir zumindest sagen, dass eine realistische Überlebenschance besteht, sofern der Betreffende während der ersten 24 Stunden Sinusbradykardien aufgewiesen hat.“ Aktuell ist Thomsens Arbeitsgruppe damit beschäftigt, noch eine Hypothermie-Studie retrospektiv im Hinblick auf den prognostischen Wert der Herzfrequenz zu analysieren. In diese Studie waren 950 Patienten eingeschlossen, 36 Intensivstationen waren beteiligt. Man wird sehen, ob sich auch in diesem großen Kollektiv die Herzfrequenz als früher prognostischer Marker bestätigen wird.

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