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Prof. Dr. Burkert Pieske bei seiner Rede als ÖKG-Präsident 2013 im Gwandhaus bei Salzburg.
 
Kardiologie 14. Oktober 2014

Thank you Austria – Thank you Graz – Goodbye

Professor Burkert Pieske nimmt Abschied von Österreich.Er folgt dem Ruf nach Berlin, wo ihn eine große Herausforderung erwartet. Im Gespräch mit Cardio News Austria zieht er Bilanz über sein Wirken in Österreich.

Welche Aufgabe ist so attraktiv, dass Sie die schöne Stadt Graz verlassen?

Prof. Pieske: Berlin verfolgt ein ganz neues Konzept, das vorsieht, die Kompetenz im Bereich kardiovaskuläre Medizin der Universitätsmedizin Charité und des Deutschen Herzzentrums langfristig zu vereinen. Es soll ein gemeinsames internationales Zentrum für Herz-Kreislauf-Medizin entstehen. An dieser Strukturveränderung gestalterisch mitzuwirken, ist für mich eine ausgesprochen interessante Aufgabe. Darum habe ich den Ruf nach Berlin nach langen Verhandlungen gerne, aber auch ein wenig schweren Herzens angenommen.

Warum schweren Herzens?

Prof. Pieske: Weil Graz für mich eine tolle Wirkungsstätte war und ist. Als ich am 1. Juli 2007 die Leitung der Kardiologie der Medizinischen Universität übernommen habe, wurde ich mit offenen Armen empfangen. Gemeinsam mit einem hochengagierten Team ist es gelungen, die Grazer Kardiologie weiter auszubauen und eine große universitäre Abteilung zu gestalten, sodass es mir am Ende nicht leicht fällt, diese Abteilung mit ihren Mitarbeitern, von denen mir jeder einzelne ans Herz gewachsen ist, nun zu verlassen. Aber so ist nun mal das akademische Leben.

Wie lange werden Sie noch in Graz sein?

Prof. Pieske: Bis Ende Oktober. Am ersten November dieses Jahres werde ich meinen Dienst in Berlin antreten. Ich werde den Lehrstuhl für Kardiologie an der Charité übernehmen, mit Verantwortung für den Campus der Klinik Virchow, und zusätzlich die Leitung der Kardiologie am Deutschen Herzzentrum in Berlin. Doch Graz wird mich auch weiterhin regelmäßig sehen, da ich im Rahmen einer Gastprofessur die begonnenen wissenschaftlichen Projekte an der Medizinischen Universität abschließen werde. Meine wissenschaftliche Kooperation mit Graz wird also bestehen bleiben und als Achse Graz - Berlin fortgesetzt.

Was wird Ihnen von Ihren ÖKG-Aktivitäten in Erinnerung bleiben?

Prof. Pieske: Kraft meines Amtes als Lehrstuhlinhaber für Kardiologie an der MedUni Graz bin ich von Anbeginn an Vorstandsmitglied der Gesellschaft gewesen. In dieser Funktion durfte ich verschiedene Aufgaben übernehmen. Die am meisten herausragende war zweifellos meine Präsidentschaft von 2011 bis 2013. Während dieser Zeit ist es mir gelungen, einige Punkte, die auf der ÖKG-Agenda weit oben standen, zu verwirklichen. Ich denke ich konnte meinen Teil zur weiteren Professionalisierung, Erweiterung und Öffnung der Gesellschaft sowie zu einer engeren Interaktion mit unserer Dachgesellschaft, der European Society of Cardiology, leisten. Meilensteine waren natürlich die Gründung einer eigenen wissenschaftlichen Zeitschrift der Gesellschaft, die Section Cardiology in der Wiener Klinischen Wochenschrift, mit Chief Editor Professor Otmar Pachinger, und die Gründung der Cardio News Austria, welche in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und dem Springer Verlag im Mai des Vorjahres erstmals erschienen ist. Cardio News Austria ist nicht nur wegen der großen Auflage ein voller Erfolg, - die Zeitung wird von Kardiologen sowie kardiologisch interessierten Internisten und Allgemeinmedizinern sehr geschätzt und gern gelesen. Insgesamt habe ich die ÖKG als sehr lebendige und lebhafte Gemeinschaft kennengelernt, in der ich viele interessante Erfahrungen sammeln durfte.

Sie haben die Funktion des ÖKG-Pressesprechers profiliert. Wird diese Funktion Zukunft haben?

Prof. Pieske: Ich denke schon, schließlich handelt es sich um eine höchst wichtige Aufgabe. Eine Gesellschaft wie die ÖKG braucht eine Persönlichkeit, die einerseits in der Gesellschaft gut verwurzelt ist, andererseits aber auch guten Kontakt zur Öffentlichkeit hat. Schließlich hat eine Fachgesellschaft nicht nur wissenschaftliche Aufgaben, sondern menschliche Verantwortung. Sehr wichtig in diesem Zusammenhang ist die Verbesserung der österreichischen Gesundheitsversorgung im kardiovaskulären Bereich, etwa durch die Unterstützung von Präventionsprogrammen. Um die Awareness für kardiovaskuläre Erkrankungen zu verbessern und das Bewusstsein für Herzgesundheit zu steigern, bedarf es professioneller Öffentlichkeitsarbeit und guter Kontakte zur Presse. Darum bin ich überzeugt, dass die Funktion des Presssprechers weiter erhalten bleiben wird.

Was werden Sie am meisten vermissen von ihrer Zeit in Österreich?

Prof. Pieske: Was ich in Österreich absolut schätzen gelernt habe, ist die sehr persönliche Art zu leben und zu arbeiten. Die Lebensqualität in Österreich ist ausgesprochen gut. Das klinische und wissenschaftliche Niveau und die Förderungsmöglichkeiten sind ausgezeichnet. All das werde ich vermissen. Ich werde auch unser Team in Graz vermissen, meine Kollegen, aber auch das Pflege- und Assistenzpersonal, das in Österreich wirklich gute Arbeit leistet. Die Kardiologie Graz ist eine tolle Abteilung, deren Leitung für mich eine Ehre war.

Welche fachlichen Höhepunkte gab es während Ihrer Zeit als Lehrstuhlinhaber?

Prof. Pieske: Als ich die Abteilung übernommen habe, kam gerade das Katheter-gestützte Herzklappenprogramm auf. Noch im gleichen Monat, als ich nach Graz kam, haben wir begonnen das TAVI-Verfahren zu etablieren und auszubauen. Verstärkung haben wir am Klinikum Graz zuletzt durch Professor Dapunt bekommen, der ein ausgewiesener Spezialist für Herzklappenoperationen ist, sodass Graz heute ein wichtiges Zentrum für minimalinvasive und kathetetergestütze Herzklappeneingriffe ist, nicht nur an der Aorten-, sondern auch an der Mitralklappe, wo wir kathetertechnische Verfahren zur Behandlung schwerer Insuffizienz bei nicht operablen Patienten einsetzen. Weitere Verfahren, die wir an der Grazer Klinik während meiner Zeit als Abteilungsvorstand etabliert haben, sind der interventionelle PFO-Verschluss, der interventionelle Vorhofohrverschluss nach Insult, bei Patienten, die man nicht antikoagulieren kann, und der Einsatz der Impellerpumpe zur Sicherung des Überlebens bei kardiogenem Schock.

…und im wissenschaftlichen Bereich?

Prof. Pieske: Wir haben während meiner Zeit als Abteilungsleiter eine große Grundlagen-Arbeitsgruppe aufgebaut, die internationales Ansehen genießt. Ein Teil der Arbeitsgruppenmitglieder wird in Graz bleiben und die Grundlagenforschung im Bereich Herzinsuffizienz fortsetzen. Auch das klinische Forschungsprogramm, das sich der Identifizierung von Biomarkern für eine bessere Früherkennung und Risikostratifizierung von kardiovaskulären Erkrankungen widmet, sowie das EU-weite SYS-VASC-Projekt, welches ich leite und das Ziel verfolgt, durch bessere Frühdiagnostik eine individualisierte Therapie zur Verhinderung von Herzinfarkt und Schlaganfall zu implementieren, sei hier erwähnt. Ich darf mit großem Stolz anmerken, dass die Evaluierung des Wissenschaftrates vergangenes Jahr gezeigt hat, dass Graz im Vergleich zu den anderen Medizinischen Universitäten im kardiovaskulären Forschungsbereich ausgezeichnet dasteht. Ein letzter großer Erfolg, den ich nennen möchte, ist die Gründung des Ludwig Boltzman-Institutes für Herzinsuffizienzforschung, welches ich leiten durfte. Dieses Projekt musste zwar dieses Jahr im Zusammenhang mit meinem Wechsel nach Berlin beendet werden, die Herzinsuffizienzforschung wird aber sicher in anderer Form Fortsetzung finden.

Das Gespräch führte Dr. Anita Kreilhuber

Unser Gesprächspartner: Univ.-Prof. Dr. Burkert Pieske, künftiger Vorstand des Bereichs Kardiovaskuläre Medizin der Unversitätsmedizin Charité am Campus Klinik Virchow und künftiger Leiter der Klinik für Kardiologie des Deutschen Herzzentrums Berlins.

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