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Kardiologie 13. Oktober 2014

Gute Aussichten fürs höhere Alter

Dass das subjektive Befinden im hohen Alter nicht schlecht sein muss, zeigt eine Studie, bei der viele über 100-Jährige ihren Gesundheitszustand als „sehr gut“ bezeichneten.

Die Bevölkerung in entwickelten Ländern wird immer älter. In Japan, wo die Überalterung besonders rasch voran schreitet, kamen in den 1950er Jahren auf einen über 65-Jährigen 20 Teenies. Für das Jahr 2025 wird ein umgekehrtes Verhältnis prognostiziert: Jedem Menschen über 65 Jahren wird dann nicht einmal mehr ein unter 20-Jähriger gegenüber stehen. Stellt sich die Frage: Wird die kontinuierlich steigende Lebenserwartung nur Probleme mit sich bringen, oder werden die gewonnenen Lebensjahre auch bei guter Gesundheit genützt werden können? Zu diesem Aspekt des Alterns wurde beim ESC-Kongress eine bemerkenswerte Studie präsentiert. Wissenschafter des General Hospital Gregorio Maranón und der Europa Universität Madrid untersuchten ein Kollektiv von über 100-Jährigen. „Diese Population wächst kontinuierlich“, sagte Studienleiter Dr. Manuel Martínez-Sellés. „Trotzdem wissen wir nur wenig über die Gesundheitsprobleme dieser Altersgruppe.“ Grund genug um 118 „Centenarians“ über zwei Jahre hinweg zu beobachten. Die Ergebnisse waren in vielerlei Hinsicht überraschend: 77 Prozent der untersuchten Personen lebten zu Hause. Knapp drei Viertel hatten kognitive Einschränken und nur einer von 10 konnte den Alltag ohne Fremdhilfe bewältigen.

Fast keiner der Studienteilnehmer war frei von kardialen Pathologien: Praktisch Jeder hatte ein abnormes EKG, über ein Fünftel hatte Vorhofflimmern und fast alle hatten eine diastolische Dysfunktion. Eine linksventrikuläre Dilatation war in 14 Prozent vorhanden, eine aortale Regurgitation fand sich in 49 Prozent der Fälle.

Trotz des hohen Alters und der damit einhergehenden Beeinträchtigungen fühlten sich viele Studienteilnehmer gut. 45 Prozent beurteilten ihren Gesundheitszustand mit 8 von 10 möglichen Punkten als sehr gut bis gut.

Im Lichte dessen, dass sich in den kommenden Jahren die Zahl der über 100-Jährigen weltweit verzehnfachen wird, setzt die Studie von Martinez-Sellés ein wichtiges Zeichen.

Frail or not frail – das ist die zentrale Frage

Wie die Prognose ältere Menschen im Einzelfall ist, hängt nicht so sehr vom biologischen Alter oder dem Vorliegen von Krankheiten per se ab. Was wirklich mit einem schlechten Outcome einhergeht, sind Konditionen wie Gebrechlichkeit, die nicht jeder ältere Mensch aufweisen muss. Zu diesem Schluss kam eine Studie der Arbeitsgruppe um Dr. Clara Bonanad von der Universitätsklinik Valencia. Ihre Untersuchung umfasste 342 ältere Patienten, die wegen Angina oder Myokardinfarkt stationär aufgenommen wurden.

Bei der Entlassung erfolgte ein umfassendes geriatrisches Assessment, in dessen Rahmen das Ausmaß der Gebrechlichkeit sowie der körperlichen, funktionellen und kognitiven Einschränkungen erhoben wurde. Bei einem Follow up nach 30 Monaten zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem kardialen Outcome und den untersuchten geriatrischen Einschränkungen. Der stärkste Prädiktor für einen ungünstigen Verlauf war die Gebrechlichkeit. „Das Vorliegen von Gebrechlichkeit steigert das Risiko für ein neuerliches kardiales Ereignis um das Dreifache“, sagte Studienautorin Bonanand. Die Entwicklung von „Fraility“ zu vermieden, sollte daher integraler Bestandteil von Präventionsmaßnahmen im Kollektiv älterer Patienten sein.

 

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