zur Navigation zum Inhalt
© teamword
Die neuen Pocket-Guidelines sind da.
 
Kardiologie 13. Oktober 2014

Wichtige Neuerungen in fünf neuen Guidelines

Professor Wolfgang-Michael Franz, Innsbruck, und Dozent Franz Xaver Roithinger, Mödling, berichteten täglich per Video-Stream vom ESC.

Bei den Doppelkonferenzen der beiden Experten, zu besuchen auf http://cardiotirol.medroom.at, wurden neben den wichtigsten Studienergebnissen auch die Inhalte der neuen Guidelines besprochen.

Hypertrophe Kardiomyopathie

In der Leitlinie zur hypertrophen Kardiomyopathie gibt es erstmals einen Risikokalkulator, anhand dessen das Risiko für den plötzlichen Herztod (SD) nachvollziehbar eruiert werden kann. Ein Wert von über 6 Punkten ist Ausdruck eines erhöhten SD-Risikos innerhalb der nächsten 5 Jahre und rechtfertigt somit die Implantation eines ICD. Geht die Hypertrophie mit einer Obstruktion des Ausflusstraktes einher, und wird echokardiografisch ein Gradient von über 50 mmHg gemessen wird außerdem eine Transcoronare Ablation der Septumhypertrophie (TASH) empfohlen. Dabei wird hochkonzentrierter Alkohol in den septalen Ast der linken Koronararterie injiziert, wodurch der obstruierende Herzmuskelbereich abladiert wird. In den Guidelines wird außerdem auf die Wichtigkeit der genetischen Testung und Beratung, auch von asymptomatischen Familienmitgliedern hingewiesen. Von einer Mutation Betroffene sollen sich jährlich einer Kontrolluntersuchung unterziehen.

Myokardiale Revaskularisation

Entscheidende Neuerungen, die das tägliche Handeln im Katheterlabor beeinflussen, enthalten auch die neuen Empfehlungen zur akuten myokardialen Revaskularisation. Diesen zufolge ist die perkutane koronare Intervention (PCI) und die Bypasschirurgie bei Patienten mit niedrigem Risiko erstmals gleichgestellt. Auch bei proximaler LAD- oder Hauptstammstenose mit niedriger bis intermediärer Komplexität (SYNTAX-Score <32) im Rahmen einer 1- oder 2-Gefäßerkrankung sowie bei geringer Komplexität im Rahmen einer 3-Gefäßerkranung wird die PCI erstmals als Alternative zur Bypass-OP anerkannt. Bei hochkomplexer Stenose oder niedriger/intermediärer Komplexität bei einer 3-Gefäßerkranung soll der Hauptstamm weiterhin Domäne der Chirurgie bleiben. Drug-Eluting-Stents beim STEMI haben eine Klasse 1-Indikation erhalten. Sie werden vor den Bare-Metal-Stents gereiht. Die Thrombusaspiration wird nur mehr bei ausgewählten Patienten empfohlen. Die duale Plättchentherapie nach Stent-Implantation wird nur mehr für 6 bzw. 3 Monaten empfohlen. Der Ischämienachweis mittels FFR-Messung hat nun eine Klasse-1-Bewertung.

Akute Pulmonalembolie

Die Guidelines für die Diagnose und Therapie der akuten Pulmonalembolie (PE) unterstreichen die Notwendigkeit einer frühen, exakten Risikostratifizierung, da darauf basierend wichtige Entscheidungen getroffen werden. Es wird ein vereinfachter PESI-Score empfohlen, bei dem je nach Alter, Vorliegen einer Lungen - bzw. Krebserkrankung oder Herzinsuffizienz, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Körpertemperatur Risikopunkte vergeben werden.

Für Patienten mit hämodynamisch wirksamer PE gilt die systemische Thrombolyse mit anschließender Gabe von niedermolekularem Heparin (NMH) weiterhin als Therapie der Wahl, für Patienten mit intermediärem Risiko wird ein routinemäßiger Einsatz der Lyse nicht empfohlen. Im Fall einer sich entwickelnden hämodynamischen Dekompensation soll der Weg für diese Therapie jedoch offen sein.

Den neuen oralen Antikoagulanzien wird in allen Phasen der Behandlung Effektivität und Sicherheit bescheinigt, allerdings hängt der Einsatz ihres Zeitpunktes von der individuellen prognostischen Einschätzung und dem Schwergrad des Ereignisses ab. Derzeit sind zwei Präparate, Dabigatran und Rivaroxaban, in der Indikation akute Pulmonalembolie zugelassen. Schon nächstes Jahr soll die dritte Substanz, Apixaban, folgen.

Gemäß der neuen Guideline ist es nun auch möglich Patienten ohne erhöhtes Risiko (modifizierter PESI-Score=0) im Rahmen eines verkürzten stationären Aufenthalts oder ambulant zu behandeln. Für diese Patientengruppe kommt aufgrund der Einfachheit des Therapieregimes eine Therapie mit einem neuen oralen Antikoagulans von Anfang an in Betracht.

Erkrankungen der Aorta

Anders als die Guidelines aus dem Jahr 2001 enthält die aktuelle Version erstmals nicht nur Empfehlungen zu Diagnose und Therapie der Aortendissektion, sondern auch solche zum Vorgehen bei nicht dissezeierten Aneurysmen, bei entzündlichen Erkrankungen oder angeborenen Missbildungen, die zu Aneurysmen führen. Während die alten Guidelines hauptsächlich auf die thorakale Aorta fokussierten, wird in den neuen auch der abdominelle Abschnitt berücksichtigt. Ziel ist bei allen Erkrankungen eine frühe Diagnose und rasche Therapie mit verbessertem Outcome. Der Stellenwert von D-Dimer in der Differenzialdiagnostik wird erstmals explizit angeführt.

Nicht kardiale Chirurgie

Die neuen Guidelines zur „OP-Freigabe“ ermöglichen eine exakte Risikobeurteilung von Patienten mit einer kardialen Erkrankung, die sich einer nicht kardialen Operation unterziehen müssen. Dem Einsatz von Betablockern ist darin viel Raum gewidmet. Neben der Beurteilung der körperlichen Belastbarkeit anhand von METs wird die zunehmende Bedeutung von Biomarkern in der präoperativen Beurteilung unterstrichen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben