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Kardiologie 22. August 2014

Eisensubstitution bei chronischer Herzinsuffizienz

Eisenmangel zählt zu den häufigen Begleiterkrankungen bei chronischer Herzinsuffizienz.Eine intravenöse Eisentherapie verbessert das subjektive Befinden und die Leistungskapazität der betroffenen Patienten.

Eisenmangel wird in den aktuellen Richtlinien der European Society of Cardiology (ESC) zu Diagnose und Therapie der chronischen Herzinsuffizienz als eigenständige Komorbidität angeführt.1 „Unabhängig vom Vorhandensein einer Anämie ist Eisenmangel mit einer schlechteren Prognose bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz assoziiert“, berichtete Univ.-Prof. Dr. Johann Auer, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin I, Krankenhaus St. Josef Braunau, anlässlich der ÖKG-Jahrestagung. Seinen Ausführungen zufolge treten Eisenmangel und Anämie häufig in Kombination auf. „Doch auch im Kollektiv herzinsuffizienter Patienten ohne Anämie ist ein Eisenmangel in 30 Prozent detektierbar. Insgesamt beträgt die Prävalenz eines Eisenmangels bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz je nach Schweregrad der Herzinsuffizienz zwischen 25 bis 50 Prozent2.“

Essenziell für die Bereitstellung von Sauerstofftransport und Energie

Für einen Eisenmangel im Rahmen einer chronischen Herzinsuffizienz gibt es verschiedene Ursachen. Neben der Mangelernährung und etwaigen chronischen Blutverlusten kommt vor allem der chronischen Inflammation entscheidende Bedeutung zu.

Prof. Auer: „Aufgrund der gesteigerten Bildung von Hepcidin, ein Peptidhormon, das im Zuge inflammatorischer Prozesse von der Leber ausgeschüttet wird, wird sowohl die Resorption von Eisen aus dem Darm wie auch dessen Freisetzung aus den Eisenspeichern gehemmt. Daher ist weniger Eisen verfügbar. Dieser funktionelle Eisenmangel beeinträchtigt nicht nur die Aufnahme von Sauerstoff und dessen Transport, auch die ATP-Synthese und damit die Bereitstellung von Energie für den Herzmuskel und andere wichtige Gewebe sind gestört.“

Es ist daher wichtig bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz einen Eisenmangel zu erkennen und bei gegebener Indikation zu therapieren. Leider wird im klinischen Alltag sehr oft nur der Anämie Aufmerksamkeit gezollt. Die Parameter, die Aufschluss über den Eisenstoffwechsel geben - Ferritin, Transferrin und Transferrinsättigung - bleiben meist unbeachtet. Damit bringt man die Patienten um die Chance, durch eine entsprechende Therapie Ihren Gesundheitszustand zu verbessern.

Evidenz für Nutzen der parenteralen Eisensubstitution

Dass durch eine parenterale Eisensubstitution der klinische Zustand von Patienten mit Eisenmangel bzw. Anämie und Herzinsuffizienz gebessert werden kann, zeigten in der Vergangenheit kleinere Studien.3-8 In der prospektiven, doppelblinden, Placebo-kontrollierten FAIR-HF-Studie mit 459 Teilnehmern konnte dieser Zusammenhang nachweislich bestätigt werden.9

Eingeschlossen waren Patienten mit Herzinsuffizienz (NYHA-Stadium II/III; EF < 40%) und Eisenmangel (+/- Anämie). Sie wurden randomisiert einer parenteralen Therapie mit Eisencarboxymaltose (Ferinject®) oder Placebo zugeteilt. Die labordiagnostischen Voraussetzungen für den Einschluss waren ein Serumferritin < 100 mcg/l (absoluter Eisenmangel) oder ein Serumferritin von 100-299 mcg/l mit einer Transferrinsättigung < 20 % (funktioneller Eisenmangel).

Nach einem Beobachtungszeitraum von 24 Wochen kam es zu einer signifikanten Verbesserung des subjektiven Befindens und der NYHA-Klasse im Vergleich zu Placebo. Auch die körperliche Belastbarkeit (6-Minuten-Gehstrecke, 6MWD) und die Lebensqualität konnten in der Eisencarboxymaltose-Gruppe signifikant gesteigert werden.

Die Effekte waren unabhängig davon zu beobachten, ob die Patienten zu Studienbeginn anämisch waren oder nicht. In einer retrospektiven Analyse konnte außerdem eine Verbesserung der Nierenfunktion in der behandelten Gruppe nachgewiesen werden.10

Weitere Studien mit Eisencarboxymaltose sind geplant: CONFIRM-HF und EFFECT-HF. In beiden Studien wird der Einfluss der intravenösen Eisentherapie auf die Leistungskapazität überprüft: in CONFIRM-HF anhand der 6-MWD, in EFFECT-HF anhand der maximalen Sauerstoffaufnahme (peak VO2).

Beide Studien untersuchen außerdem ein vereinfachtes Dosisschema, bei dem von Beginn an 1.000 mg Eisencarboxymaltose verabreicht werden.

Verbesserungen, die klinisch relevant sind

„Eine funktionelle Verbesserung bei Patienten mit Herzinsuffizienz ist ein wichtiges Therapieziel“, resümierte Univ.-Prof. Burkert Pieske, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie und Co-Vorsitzender des Universitären Herzzentrums der MedUniGraz. „Eine Therapieform, die das Befinden und die Leistungsfähigkeit der Patienten verbessert, ist etwas, das wir uns unabhängig vom Einfluss auf das Überleben wünschen. Die intravenöse Eisensubstitution ermöglicht eine rasche Auffüllung der Eisenspeicher. Bei korrekter Indikationsstellung und korrekter Anwendung ist die Therapie sicher und effektiv und sollte den Patienten nicht vorenthalten werden.“

1.McMurray JJ et al., ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure Eur Heart J 2012; 33:1787-847

2.Jankowska EA et al., Eur Heart J 2010; 31:1872-80

3.Anker SD et al., N Engl J Med 2009; 361:2436-48

4.Bolger AP et al., J Am Coll Cardiol 2006; 48:1225-7

5.Toblli JE et al., J Am Coll Cardiol 2007;50:1657-65

6.Okonko DO et al., J Am Coll Cardiol 2008; 51:103-12

7.Usmanov RI et al., J Nephrol 2008; 21:236-42

8Comin-Colet J et al., J Card Fail 2009; 15:727-35

9.Anker SD et al., Eur J Heart Fail 2009; 11:1084-91

10.Ponikowski P et al., HFA Kongress 201, Präsentation 114

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