zur Navigation zum Inhalt
 
Kardiologie 22. August 2014

Klarheit bei akutem Brustschmerz

Unauffälliger Katheter-Befund trotz Brustschmerzund Troponin-Erhöhung? Hier kann eine Kardio-MRT weiterhelfen.

Ein Patient kommt mit schwersten Brustschmerzen in die Notaufnahme eines Krankenhauses. Der Verdacht auf einen Herzinfarkt steht im Raum. Auch in der Laboruntersuchung findet sich ein typischer Befund: Das Herz-Enzym Troponin ist erhöht. Nun zählt jede Minute. Ein Herzkatheter wird durchgeführt. Und der Kardiologe findet nichts: Die drei großen Herzkranzgefäße und deren wichtigste Nebenäste sind offen. Für einen akuten Gefäßverschluss, der interventionell wieder eröffnet werden könnte, gibt es keinen Anhalt.

„Wir wissen aus zahlreichen Studien, dass viele dieser Patienten trotz unauffälliger Koronarangiografie eine Herzerkrankung haben. Wenn aber EKG und Ultraschalluntersuchung des Herzens auch keinen eindeutigen Befund liefern, dann wird der Patient unter Umständen ohne Diagnose wieder nach Hause geschickt“, sagt Dr. Tilman Emrich, Universitätsklinikum Mainz, anlässlich des 95. Deutschen Rötgenkongresses der heuer bereits zum 7. Mal gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Radiologie abgehalten wurde.

Detailinformationen über Anatomie und Funktion

Helfen kann in einer solchen Situation eine MRT des Herzens. „Das Besondere an dieser Untersuchung ist, dass wir damit sowohl die Anatomie als auch die Funktion des Organs sehr detailliert beurteilen können“, erklärt Emrich. So lassen sich Bewegungsstörungen der Herzwände genau so sichtbar machen wie Probleme mit der Sauerstoffversorgung oder eine schlechte Pumpfunktion.

Emrich und seine Kollegen haben in ihre Kardio-MRT-Studie insgesamt 125 Patienten mit Brustschmerz und erhöhtem Troponin, aber unauffälliger Herzkatheter-Untersuchung aufgenommen. Die Untersuchungen bestanden aus einer funktionellen MRT (fMRT), um die Myokardfunktion zu beurteilen, sowie aus unterschiedlichen Sequenzen, um etwa Ödeme oder minderperfundierte Areale zu identifizieren. Die radiologischen Diagnosen wurden dann mit der endgültigen klinischen Diagnose verglichen. Diese Referenzdiagnose wurde im Expertenkonsens mit den Kardiologen unter Berücksichtigung des weiteren klinischen Verlaufs gestellt.

Die fünf häufigsten Diagnosen in der Studie im Vergleich MRT versus Referenzdiagnose (final) waren:

Myokarditis: MRT 52 vs. final 48

Dilatative Kardiomyopathie: MRT 25 vs. final 23

Akuter Herzinfarkt: MRT 20 vs. final 20

Tako-Tsubo-Kardiomyopathie: MRT 12 vs. final 12

Hypertensive Herzkrankheit: MRT 10 vs. final 8

Insgesamt war die Treffsicherheit mittels Kardio-MRT in der Studie 90 Prozent, gemessen an der Referenzdiagnose. Bei einigen Patienten konnte sogar ein Herzinfarkt nachgewiesen werden, der sich im Herzkatheter kein Korrelat gefunden hatte.

Natürlich ist und bleibt die Herzkatheteruntersuchung bei Verdacht auf Herzinfarkt der Goldstandard, wie Emrich sagte. Denn diese Methode bietet Diagnostik und bei Bedarf auch gleich Therapiemöglichkeiten. Aber bei unauffälligen Untersuchungen trotz typischer Symptome und Laborbefunde ist die Kardio-MRT eine wichtige Option geworden, so Emrich. Denn: „Wir konnten zeigen, dass bei diesen Patienten trotz unauffälligem Herzkatheter eine Vielzahl von verschiedenen Erkrankungen des Herzmuskels vorliegt.“

Dass mitunter in der Kardio-MRT ein Infarkt nachgewiesen wird, trotz unauffälligem Befund in der vorangegangenen Herzkatheteruntersuchung, erklärt Emrich so: „Grund kann ein vorübergehender Verschluss eines Herzkranzgefäßes durch einen Thrombembolus oder Gefäßspasmus sein, der zum Zeitpunkt der Katheteruntersuchung nicht mehr vorhanden war.“

Besondere apparative Bedingungen sind für die Kardio-MRT laut Emrich nicht nötig: „Jede Klinik mit MRT und entsprechender Expertise in der Herzbildgebung kann diese Untersuchung im Prinzip machen.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben