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© Bernd Libbach / fotolia.com
 
Kardiologie 22. August 2014

Neuartige Biomarker in der pädiatrischen Kardiologie

Die Überlebenschancen von Kindern mit schweren kongenitalen kardialen Anomalienwerden immer besser. Neue Biomarker sind erwünscht, um das Risiko dieser Patienten besser evaluieren zu können. Ein von der ÖKG unterstütztes Projekt widmet sich diesem Thema.

Als Biomarker bezeichnet man biologische Messgrößen, welche als Ausdruck spezifischer pathophysiologischer Vorgänge quantifiziert und dadurch zur Diagnostik, zur Prognostizierung sowie zur Therapiesteuerung verwendet werden können. In der kardiologischen Routine gelten das B-Typ natriuretische Peptid sowie dessen Spaltprodukt (BNP bzw. NT-proBNP) als prominenteste Vertreter. Komplementär hierzu sind etliche andere Substanzen Gegenstand der Wissenschaft und zum Teil auch bereits in klinischer Verwendung.

In der Herzinsuffizienzforschung wurden bereits etliche pathophysiologische Phänomene identifiziert, welche sich als Serumparameter messen lassen und somit als potenzielle kardiovaskuläre Biomarker in Betracht kommen. Die synoptische Interpretation verschiedener Parameter als Ausdruck unterschiedlicher biologischer Prozesse wird als vielversprechendes Konzept zur individuellen Risikoprofilierung diskutiert.

Bislang galt lediglich BNP auch in der pädiatrischen Kardiologie als gut etabliert. So erlaubt es beispielsweise ähnlich wie im Erwachsenenalter in verschiedenen Altersgruppen eine differenzialdiagnostische Aussage über die Ursache von Atemnot in Notfallambulanzen oder in der Neonatologie. Auch in der Prognostizierung von Patienten mit Herzinsuffizienz, pulmonaler Hypertension oder persistierendem Ductus arteriosus ist dieser Parameter äußerst hilfreich.

Angesichts der seit den 1980er Jahren sinkenden Mortalität dank stetig verbesserter chirurgischer wie interventioneller Behandlungsoptionen selbst bei schweren kongenitalen Anomalien ist die pädiatrische Kardiologie mit einer wachsenden Zahl postoperativer und herzinsuffizienter Patienten konfrontiert. In Analogie zu herzinsuffizienten Erwachsenen erwächst hieraus die Notwendigkeit, Individuen mit erhöhtem Risiko zu identifizieren, um deren Therapie gezielt optimieren zu können.

Unter dem Gesichtspunkt der äußerst vielfältigen Ätiologien, die der Herzinsuffizienz im Kindes- und Jugendalter zugrunde liegen, ist die Erforschung verschiedener Biomarker in der pädiatrischen Kardiologie von besonderem Interesse: Als weitaus führende Ursache findet sich in jungen Patienten die heterogene Gruppe angeborener Vitien, die sich in den unterschiedlichsten Pathophysiologien widerspiegeln (Rechts- vs. Linksherzbelastung; Druck- vs. Volumenbelastung; Univentrikel usw.).

Das Kinderherzzentrum Wien der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde beforscht nun in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe für Gefäßbiologie der Universitätsklinik für Innere Medizin II eine Reihe kardialer Serumparameter. Im Rahmen des Forschungsprojekts soll erhoben werden, ob ein Zusammenhang mit dem Schweregrad des klinischen Zustandsbildes bzw. unterschiedlichen echokardiografischen Parametern besteht.

Ferner wird die Etablierung von Normalwerten bei kardial gesunden Patienten zwischen 0 und 18 Jahren angestrebt.

Die Querschnittstudie läuft aktuell mit freundlicher Unterstützung durch das Forschungsstipendium der Österreichischen kardiologischen Gesellschaft. Erste Ergebnisse werden für das dritte Quartal 2014 erwartet.

Projektleiter: Dr. Jakob A. Hauser, Kinderherzzentrum Wien, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Klinische Abteilung für pädiatrische Kardiologie

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