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© Mediendienst.com /Foto Wilke
Prof. Dr. Johann WOJTA,MedUni Wien
© ESC
 
Kardiologie 22. August 2014

Grundlagenwissenschaft auf höchstem Niveau

Frontiers in Cardiovascular Biology- unter diesem Titel fand heuer zum dritten Mal das Meeting des ESC Council on Basic Cardiovascular Science statt.

Das dritte Frontiers in Cardiovascular Biology Meeting wurde heuer, nach Berlin im Jahr 2010 und London im Jahr 2012 in Barcelona abgehalten. Mehr als 800 Teilnehmer, unter ihnen viele junge Forscher, besuchten das Meeting und bewiesen damit, dass die European Society for Cardiology (ESC) mit der Etablierung dieses sich vor allem grundlagenwissenschaftlichen Aspekten der kardiovaskulären Forschung widmenden Kongresses das wachsende Interesse an solchen Fragestellungen richtig eingeschätzt hat.

In fünf sogenannten Keynote Lectures wurde jeweils von einem führenden Experten ein zurzeit hochaktuelles Thema der kardiovaskulären Medizin abgehandelt. Prof. Valentin Fuster, New York, sprach in seinem Vortrag über zukünftige translationelle Forschungsansätze in der Kardiologie, die nicht nur kurative, sondern auch verstärkt präventive Aspekte berücksichtigen müssen. Das im Moment hochaktuelle Gebiet der induzierbaren pluripotenten Stammzellen und ihre mögliche Anwendung in der Kardiologie wurde von Prof. Joseph Wu, Stanford, referiert. Prof. Maria Blasco, Madrid, sprach über die Rolle der Telomere im Alterungsprozess von Zellen und dem damit verbundenen Entstehen von Krankheiten. Dr. Klaus Ley, La Jolla, präsentierte die neuesten Erkenntnisse über die Rolle des Immunsystems als möglichen therapeutischen Ansatzpunkt bei der Behandlung der Atherosklerose. Prof. Silvia Priori, New York, befasste sich mit Möglichkeiten der molekularen Therapie von erblichen Arrhythmien.

In 14 sogenannten Showcase Sessions kombinierten die Organisatoren des Kongresses jeweils drei eingeladene Vorträge von bekannten Experten mit drei aus den eingesandten Abstracts ausgewählten Kurzvorträgen junger Wissenschaftler zu aktuellen Themen. Hervorzuheben ist hier eine Sitzung, die sich mit der Rolle sogenannter MicroRNAs, das sind kurze nicht-kodierende RNA Moleküle, sowohl als mögliche Biomarker als auch als potenzielle therapeutische Ansatzpunkte zur Behandlung kardiovaskulärer Pathologien befasste.

Eine weitere Showcase Session widmete sich dem überaus aktuellen Themenkreis der Epigenetik, die Veränderungen am DNA-Molekül unabhängig von der Basensequenz beschreibt. Solche Modifikationen der DNA wurden kürzlich auch als mögliche Ursache für kardiovaskuläre Erkrankungen, beispielsweise bei kardialer Hypertrophie und bei Kardiomyopathien, identifiziert. Auch die Rolle der verschiedenen Leukozytenpopulationen, beispielsweise der verschiedenen Subtypen von Makrophagen, in der Entstehung und Progression der Atherosklerose und damit die Beteiligung des Immunsystems an diesem pathologischen Prozess wurde in einer dieser Sitzungen eingehend beleuchtet.

Auch die wichtige Rolle der Efferozytose, des Abbaus von apoptotischen und nekrotischen Zellen, als ein die Entstehung und Progression atherosklerotischer Läsionen hemmender Prozess, wurde diskutiert.

Schließlich widmete sich eine dieser Showcase Sessions dem sich immer klarer ergebenden Zusammenhang zwischen der Adipositas und dem Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen. Vor allem die Rolle des Fettgewebes und der von ihm produzierten Biomoleküle, der sogenannten Adipokine als Verursacher eines entzündlichen Gesamtstatus beim adipösen PatientInnen, wurde ausführlich dargestellt.

In zahlreichen, thematisch gegliederten und moderierten Postersitzungen hatten vor allem junge Wissenschaftler Gelegenheit die neuesten Resultate ihrer Forschung mit einem großen Publikum zu diskutieren.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich dieser, alle zwei Jahre stattfindende Kongress der ESC als attraktiver Fixpunkt für an kardiovaskulärer Forschung interessierte Wissenschaftler erfolgreich etabliert hat und sich steigender Besucherzahlen erfreut.

Univ.-Prof. Dr. Johann Wojta,

Univ.-Klinik für Innere Medizin II

Leiter der Core Facilities,

MedUni Wien

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