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Univ.-Prof. Dr. Thomas NEUNTEUFL, Universitätsklinikum Krems
 
Kardiologie 22. August 2014

Wieder leichten Herzens leben

Der katheterbasierte Aortenklappenersatzermöglicht bei Hochrisikopatienten mit hochgradiger Aortenstenose eine deutliche Besserung der Symptomatik und der Lebensqualität.

Kaum eine andere interventionelle Maßnahme hat sich im klinischen Alltag derart rasch verbreitet wie der katheterbasierte Aortenklappenersatz (TAVI). Die Patienten profitieren hinsichtlich der Symptomatik und Lebensqualität bei gleichzeitig niedriger Mortalität und geringem Komplikationsrisiko.

Derzeit sind ballonexpandierende und selbstexpandierende TAVI-Modelle verfügbar, die je nach individueller Anatomie Verwendung finden. „Die Entscheidung, ob ein Patient mit höhergradiger Klappenstenose für einen katheterbasierten oder chirurgischen Aortenklappenersatz besser geeignet ist, muss interdisziplinär im Hertzteam getroffen werden“, forderte Univ.-Prof. Dr. Helmut Baumgartner, Direktor der Klinik für angeborene und erworbene Herzfehler, Universitätsklinikum Münster, im Rahmen der ÖKG-Jahrestagung. Hauptargumente für eine TAVI seien neben einem hohen Operationsrisiko auch Bedingungen, die den Eingriff per se verkomplizieren (Z. n. Thoraxoperationen, Bestrahlungen oder Porzellanoarta) sowie die raschere Erholungszeit bei fragilen Patienten, so der Experte.

Klappe hält, klinische Besserung bleibt

Dass bei entsprechender Indikationsstellung die Ergebnisse der TAVI hervorragend sind, ist unter anderem aus der PARTNER-Studie bekannt. Die 2-Jahresdaten des SOURCE-XT-Registers zeigen nun, dass mit der ballonexpandierenden SAPIEN XT Klappe bei Hochrisikopatienten mit höhergradiger Klappenstenose ein anhaltender Therapieerfolg erzielt werden kann.1 Wie Univ.-Prof. Dr. Thomas Neunteufl, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin 1, Universitätsklinikum Krems, in Salzburg ausführte, geben sie Aufschluss über Sicherheit und Wirksamkeit des SAPIEN XT Systems in der klinischen Routinepraxis.

Den Ergebnissen zufolge führte die Implantation der SAPIEN XT-Klappe zu einer erheblichen und anhaltenden Besserung des klinischen Zustands der Patienten. Wurden vor der TAVI-Behandlung 76,9% aller Patienten funktionell der NYHA-Klasse III oder IV zugeordnet, betrug dieser Anteil nach zwei Jahren nur mehr 12,2 Prozent. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich in Bezug auf die Lebensqualität und den Endpunkt „Angina Pectoris“.

Die Gesamtmortalität zwei Jahre nach Implantation betrug 24,3% bei Frauen bzw. 29,3% bei Männern. Die entsprechende kardiovaskuläre Mortalität lag bei 10,5% bzw. 12,9%. Der Unterschied zugunsten der Frauen war bereits aus den 1-Jahresdaten bekannt.

Als Ausdruck der guten Haltbarkeit der Klappe blieben die Echoparameter im Verlauf stabil, es waren keine relevanten Änderungen der Klappenöffnungsfläche und der Druckgradienten zu beobachten. Auch die Häufigkeit paravalvulärer Leaks blieb weitgehend konstant. „Der Anteil der Patienten mit moderater bis schwerer paravalvulärer Aortenregurgitation betrug nach zwei Jahren 7,5 Prozent“, betonte Prof. Neunteufl.

Auch Patienten mit Komorbiditäten profitieren

Im SOURCE-XT-Register ging man außerdem der Frage nach, ob und wie sehr bestimmte Patientencharakteristika das Ergebnis beeinflussen. Eine wichtige Subgruppe ist laut Prof. Neunteufl jene der Patienten mit deutlich eingeschränkter Linksventrikelfunktion (EF < 35%). „Auch hier zeigte sich eine deutliche klinische Besserung, allerdings bei erwartetem schlechterem Überleben im Vergleich zur Gruppe der Patienten mit einer Auswurffraktion von über 35 Prozent.“

Ein überraschendes Ergebnis lieferte der Vergleich von Patienten mit bzw. ohne pulmonale Hypertension. Hier war der Outcome 30 Tage nach dem Eingriff nicht unterschiedlich, egal wie hoch der Pulmonalisdruck war. Erst im weiteren Verlauf erwiesen sich erhöhte Werte (> 40 mmHg bzw. > 60 mmHg) doch als prognostisch bedeutsam. Auch Patienten mit Low-Gradient-Stenose und sehr kleiner Klappenöffnungsfläche sowie Patienten mit höhergradiger Mitrainsuffizienz profitierten anhaltend von der Implantation der SAPIEN XT Klappe.

Prof. Neunteufl fasste zusammen: „Die 2-Jahresergebnisse des Source-XT-Registers zeigen, dass es sich bei den durch TAVI erzielten Verbesserungen nicht um kurzfristige, sondern um anhaltende Effekte handelt. Hinsichtlich Symptomatik und Lebensqualität profitieren alle Patientensubgruppen gleichermaßen. Für das langfristige Überleben nach einer TAVI sind vor allem patientenbezogene Faktoren prädiktiv.

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