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Univ.-Prof. Dr. Burkert Pieske, Leiter Abteilung für Kardiologie,MedUni Graz
 
Kardiologie 22. August 2014

Kardiomyopathie und Schwangerschaft

Bei etwa einer von 3.000 Schwangerschaftenist das Leben der Frau durch eine Peripartum-Kardiomyopathie gefährdet. Biomarker könnten die Frühdiagose verbessern.

Die Peripartale Kardiomyopathie (PPCM) entwickelt sich bei herzgesunden Frauen gegen Ende der Schwangerschaft oder in den Folgemonaten. Entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung ist eine frühzeitige Diagnose. Vor allem im Anfangsstadium ist die Diagnose jedoch schwierig zu stellen, da die Symptomatik zunächst unspezifisch ist. Atemnot oder Beinödeme können auch einer normalen Schwangerschaft zugeschrieben werden, sodass die PPCM oft erst spät erkannt wird. Biomarker zur Verfügung zu haben, die die Frühdiagnose erleichtern, wäre laut Univ.-Prof. Dr. Burkert Pieske, MedUni Graz, von großem Wert. Prof. Pieske leitet gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Karen Sliwa, Universität Kapstadt, die PPCM-Arbeitsgruppe der European Society of Cardiology (ESC).

Angiogenese in der Placenta gestört

Wie die PPCM entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt. Rezenten Erkenntnissen zufolge dürften aber Störungen der Angiogenese und der Produktion von Relaxin-2 eine wichtige Rolle in der Pathogenese spielen. Als Ausdruck der gestörten plazentaren Angiogenese ist offenbar das Verhältnis bestimmter Biomarker pathologisch verändert. Diese Biomarker könnten dazu dienen, Frauen mit Beschwerden, die an eine PCCM denken lassen sollten, frühzeitig von gesunden Frauen zu differenzieren. Prof. Pieske verweist in diesem Zusammenhang auf Untersuchungen von Prof. Sliwa und Prof. Alexandre Mebazaa, Hopital Lariboisiere, Paris, in deren Rahmen folgende Serumparameter untersucht wurden:

NT-proBNP

sFlt-1 (soluble fms-like tyrosine

kinase-1)

PlGF (placental growth factor) VEGF (vascular endothelial growth factor).

Die Befunde von 77 PPCM-Patientinnen wurden mit jenen von gesunden Wöchnerinnen (n=75), gesunden stillenden Müttern (n=25) und nicht schwangeren Frauen mit akuter Herzinsuffizienz (n=65) verglichen. Es zeigte sich, dass bei PPCM-Patientinnen im Vergleich zu Frauen der anderen Gruppen die Spiegel von Relaxin-2, die sFlt-1/ PlGF-Ratio sowie die sFlt-1/VEGF-Ratio signifikant erniedrigt waren. Insgesamt war eine sFlt-1/PlGF Ratio <5 und ein Relaxin-2-Spiegel <29 pg/mL bei einer Spezifität von 0,95 mit einer PPCM assoziiert. Zur Information: sFlt-1 hemmt, PlGF und VEGF fördern die Angiogenese in der Placenta.

Geplant ist, die angeführten Ergebnisse in einer größeren Kohorte zu bestätigen und wenn das der Fall ist, nach dem Vorbild von NT-proBNP einen Bedside-Test für die PPCM-Frühdiagnose zu entwickeln. Die erniedrigten Relaxin-2-Spiegel könnten außerdem Ausgangspunkt für eine neue Therapie sein. Serelaxin, ein rekombinantes humanes Relaxin-2, erscheint im Lichte der aktuellen Untersuchungsergebnisse als möglicher Kandidat für die Behandlung des akuten Stadiums der PPCM.

Registry Meeting in Barcelona

Weitere wichtige Einsichten über die PPCM soll das kürzlich initiierte PPCM-Register liefern. Es sind bereits über 212 betroffene Frauen in das Register eingeschlossen. Geplant sind 1000 Patientinnen, die über 3 bis 5 Jahre nachbeobachtet werden sollen. Die PPCM-Arbeitsgruppe trifft sich im Rahmen des ESC-Kongresses, um weitere Details zu besprechen. Bisher sind 50 Zentren aus 30 Ländern beteiligt. Alle interessierten Ärzte sind herzlich eingeladen mitzumachen.

 

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