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© stefanschurr/iStock/Thinkstock
Sportverbote für junge ICD-Träger werden infrage gestellt.
 
Kardiologie 23. Juni 2014

Mehr als Bowling ist möglich

Kein generelles Sportverbot für junge ICD-Träger.

Die Medizintechnik ist inzwischen so fortgeschritten, dass Implantierbare Defibrillatoren (ICD) bei jungen Menschen keine Kontraindikation für Sport darstellen, meinte eine Expertin bei der Frühjahrstagung der DKG.

Die meisten ICD-Träger sind zwar über 65 Jahre alt, doch die Zahl jüngerer ICD-Patienten steigt stetig an. Zugrunde liegende Erkrankungen wie strukturelle Anomalien oder genetische Erregungsleitungsstörungen sind per se aber keine Kontraindikation für Sport. „Für viele jüngere ICD-Patienten ist Sport Lebensqualität“, so Dr. Karin Nentwich, Bad Neustadt.

Leitlinien erlauben nur Golf und Bowling

Gemäß europäischen (ESC, EHJ, 2005) und US-amerikanischen (JACC, 2005) Therapieleitlinien zum Thema Sport und junge ICD- oder Herzschrittmacherträger, sollte Betroffenen jede Art von Leistungssport untersagt werden, die anstrengender als Golf oder Bowling ist (sog. erlaubte „Klasse-I-A Sportarten“).

Vermeidbare Risiken sind nach den Leitlinien Verletzungen der Patienten durch Körperkontakt-betonte Sportarten, die das ICD-System beschädigen und gehäuft Arrhythmien bedingen könnten. Möglich sei auch, dass bei extremer körperlicher Belastung und auftretenden metabolischen Veränderungen ein ICD ventrikuläre Arrhythmien nicht verhindert. Nentwich verwies aber auf Daten, nach denen die in den Leitlinien empfohlenen Sportarten von den untersuchten ICD-Patienten gar nicht praktiziert werden. Auch waren Sportarten wie Rugby oder Fallschirmspringen mit weniger ICD-Schocks verbunden als Radfahren, Joggen oder Basketball.

„Neue Untersuchungen sprechen dafür, dass viele junge ICD-Patienten durchaus Sport treiben können. Die derzeitigen Leitlinien-Empfehlungen sind zu hinterfragen“, so Nentwich. „Die einfache Frage: Ist Sport mit ICD sicher, ist aber schwer zu beantworten“, so die Elektrophysiologin. Man sollte individuell abwägen: Wollen ICD-Patienten gelegentliche sportliche Betätigung, moderates, nicht systematisches Training oder geht es um Wettkampfvorbereitung oder gar um Sport als Lebensmittelpunkt und Existenzsicherung?

Risiken minimieren durch technischen Support

Nach den Worten von Nentwich besteht zwar eine Risikoerhöhung für Arrhythmien durch Sport, demgegenüber steht aber der gesundheitliche Nutzen des Sports. Minimieren lässt sich das Risiko für ICD-Träger durch optimale Implantationstechnik, individuelle Programmierung des Geräts, Vortestung unter Belastung und Nachbeobachtung, besonders durch kontinuierliche Fernnachsorge mittels Home Monitoring. So erhält der betreuende Arzt täglich relevante Informationen über die Verfassung seines Patienten oder den Implantatzustand und kann gegebenenfalls frühzeitig eingreifen und die Therapie anpassen.

„Die Medizintechnik ist inzwischen so fortgeschritten, dass wir etliche Verbote infrage stellen müssen. Eine telemedizinische Fernnachsorge z. B. mit BIOTRONIK Home Monitoring ermöglicht Patienten flexiblere Lebensgestaltung und erhöhte Sicherheit. Durch Home Monitoring Informationen können wir eine eng an den Patientenbedürfnissen ausgerichtete Therapie ermöglichen und individualisierte Empfehlungen für sportliche Aktivitäten aussprechen“, erklärte Nentwich.

Quelle: „Sport mit Defibrillator – ist das sicher“, Vortrag von Dr. Karin Nentwich, DGK-Frühjahrstagung, Mannheim, 24. April 2014

springermedizin.de, Ärzte Woche 26/2014

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