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Univ.-Prof. Dr. Thomas Neunteufl
© KH der Barmherzigen Brüder Eisenstadt

Priv.-Doz. Dr. Rudolf Maximilian Berger

 
Kardiologie 28. Mai 2014

Kardiologie in Eisenstadt und Krems auf Erfolgskurs

Zwei neue „Interne-Chefs“ mit umfassender kardiologischer Expertise haben große Pläne. CN Austria sprach mit Priv. -Doz. Rudolf Berger und Univ.-Prof. Dr. Thomas Neunteufl über ihre neue Aufgabe.

Was sind die größten Herausforderungen der Zukunft?

Berger: Eine große Herausforderung aus meiner Sicht ist die Herzinsuffizienz. Um die enormen Kosten, die mit dieser Erkrankung verbunden sind, in den Griff zu bekommen, müssen wir die Hospitalisationsrate reduzieren. Eine Option, dies zu erreichen ist die ambulante Betreuung der Patienten durch Herzinsuffizienz-Spezialisten und speziell geschulte Herzinsuffizienzschwestern, die eng mit den Hausärzten kooperieren. Ein solches Modell werden wir in unserem Einzugsbereich einführen. Außerdem werden wir an unserer Abteilung eine Herzinsuffizienz-Ambulanz etablieren.

Neunteufl: Die Herzinsuffizienz ist tatsächlich ein Problem, aber vergessen wir nicht die Klappenerkrankungen, deren Prävalenz aufgrund der demografischen Entwicklung ebenfalls stark im Steigen ist. Ein besonderes Anliegen in diesem Zusammenhang ist mir die kathetergestütze Aortenklappenimplantation, kurz TAVI genannt. Mit diesem minimalinvasiven Eingriff können wir vielen Patienten helfen. Da ich diesbezüglich sehr viel Erfahrung aus dem AKH Wien mitbringe, ist es mir ein großes Anliegen, dass die diesbezügliche Versorgung in den Landeskliniken Niederösterreichs optimal gestaltet wird.

Berger: Im Krankenhaus Eisenstadt führen wir die TAVI derzeit noch nicht selber durch, sondern wir arbeiten eng mit dem AKH Wien zusammen. Wir machen in Eisenstadt die komplette Abklärung der Patienten. Prof. Sigrid Sandner von der Herzchirurgischen Abteilung kommt alle zwei bis drei Wochen zu uns. Mit ihr besprechen wir dann, welche Patienten interventionell, welche chirurgisch behandelt werden sollen. Diese Form eines modifizierten Herzteams hat sich für unser Krankenhaus, das über keine Thoraxchirurgie verfügt, sehr gut bewährt.

Sie bringen viel Erfahrung im Herzkatheterlabor mit. Wo sehen Sie die Herausforderungen seitens der KHK?

Neunteufl: Ich habe am AKH Wien einige Jahre das Herzkatheterlabor geleitet, das mit 40 Mitarbeitern und 4 Räumen das größte Österreichs ist. In dieser Zeit gab es rasante Entwicklungen. Allein der Fortschritt bei den Stents ist gewaltig. Die Einführung des ersten Medikamenten-beschichteten Stents in Europa liegt gerade mal 12 Jahre zurück. Inzwischen wurden diese Stents stetig weiterentwickelt und heute stehen uns bereits vollständig bioresorbierbare Gefäßgerüste zur Verfügung. Wir können heute an komplexen Stenosen intervenieren und chronische Verschlüsse wiederöffnen. Vieles, was wir vor einigen Jahren kaum für möglich erachteten haben, gehört heute zur täglichen Routine.

Berger: Heute steht weniger die Frage der Machbarkeit im Vordergrund als vielmehr die Frage, wie können wir dem Patienten langfristig am besten nützen. Denken Sie nur an die laufende Diskussion bezüglich des Vorgehens bei ST-Hebungsinfarkt bei Mehrgefäßerkrankung. Sollen wir akut nur die schuldige Läsion versorgen, oder präventiv in derselben Sitzung gleich alle anderen Stenosen mitbehandeln?

Was sind Ihre Pläne für die nächste Zukunft?

Berger: Wichtig an unserer Abteilung ist mir die Verstärkung der kardialen Bildgebung. Wir sind schon jetzt Referenzlabor für die Echokardiografie und wir verfügen über eine Szintigrafie. Um unsere Diagnostik weiter zu verbessern, wollen wir die kardiale MRT einführen. Ebenfalls in Planung ist eine tagestationäre Einheit, die es uns künftig erlauben wird, einen Teil unserer elektiven Koronarangiografien tagesklinisch durchzuführen. Zudem wollen wir unser interventionelles Spektrum erweitern. Die Etablierung einer Herzinsuffizienz-Ambulanz habe ich bereits erwähnt. Auch wird unsere Abteilung zukünftig verstärkt bei der Ausbildung von Studenten gefordert sein, da unser Krankenhaus ein Lehrkrankenhaus der Medizinischen Universität Wien werden wird.

Neunteufl: Auf meine Abteilung warten wichtige, neue Aufgaben seitens der Gestaltung der Zusammenarbeit mit der neu geschaffenen privaten Medizinuniversität der Stadt Krems (Karl-Landsteiner Privatuniversität) und dem damit verbundenen Ausbau der Lehre. Teilnahme an internationalen Studien sowie die Etablierung neuer Partnerschaften auf nationaler und internationaler Ebene sind zwei weitere Beispiele. Im Rahmen davon wird es nötig sein, die interventionelle Kardiologie unserer Abteilung weiter auszubauen, um hochqualitative Medizin in allen Bereichen anbieten und auch international vorne mit dabei sein zu können.

Themenwechsel - wie wichtig ist für Sie die Spezialisierung innerhalb der Inneren Medizin?

Neunteufl: Sowohl die Abteilung, die ich leite wie auch jene, die Kollege Berger leitet, sind aus der Zweiteilung einer bis dahin einzigen Abteilung hervorgegangen. Beide Krankenhäuser sind damit einer unaufhaltsamen Entwicklung gefolgt. Ich denke die Trennung der großen Inneren Medizin ist ein durchaus zeitgemäßer Schritt. Die Entwicklung geht so rasant voran, dass eine hochqualitative Betreuung nur mehr an spezialisierten Abteilungen umzusetzen ist.

Berger: Dem kann ich mich nur anschließen. Gerade in der Kardiologie werden immer mehr interventionelle Therapien durchgeführt, die nicht nur medizinisches Spezialwissen, sondern auch technisches und manuelles Know-How auf höchstem Niveau erfordern. Spezialisierung innerhalb des Fachgebietes Innere Medizin ist daher nötig, wenn auch der Blick auf die Gesamtheit nicht verloren gehen darf.

Das Interview führte Dr. Anita Kreilhuber.

Zur Person

Priv.-Doz. Dr. Rudolf Maximilian Berger

MSc, FESC, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Intensivmedizin, ist seit 1. Jänner 2014 Vorstand der Abteilung Innere Medizin 1 am KH der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt. Davor war er im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien beschäftigt.

Zur Person

Univ.-Prof. Dr. Thomas Neunteufel

Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Intensivmedizin, ist seit 1. März Vorstand der Abteilung Innere Medizin am Landesklinikum Krems ebenfalls. Davor war er an der Abteilung für Kardiologie im AKH Wien beschäftig und war Leiter des dortigen Herzkatheter-Labors.

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