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Kardiologie 28. Mai 2014

Im Herzteam eng vernetzt

Am Beispiel TAVI zeigt sich, wie wichtig interdisziplinäre Zusammenarbeit ist.

Die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Kardiologen und Herzchirurgen im Rahmen eines Herzteams ist zwischen beiden Fachdisziplinen unumstritten. Allerdings fällt die Umsetzung dieses interdisziplinären Konzepts unterschiedlich aus. So wurde in Hamburg ein universitäres Herzzentrum unter gemeinsamer Leitung eines Kardiologen und eines Herzchirurgens aufgebaut, in das unter anderem interventionelle Kardiologie, Herzchirurgie, Kinderkardiologie und -herzchirurgie, Elektrophysiologie und Forschung integriert wurden, berichtete Prof. Dr Dr. Hermann Reichenspurner, Hamburg, anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG). Das Zentrum zeichnet sich durch gemeinsames Budget, zentrale Koordination von Operationssälen und Katheterlaboren, gemeinsame Sprechstunden und Team-Besprechungen aus. „Ziel unseres Zentrums ist Kooperation statt Kompetition; alle Patienten werden interdisziplinär diskutiert“, resümierte Reichenspurner.

Anders in Bochum, wo drei Krankenhäuser – zwei mit einer kardiologischen Klinik, eine mit einer Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie – in einem Herzzentrum zusammenarbeiten, in puncto Budget und Schwerpunkten jedoch eigenständig sind, informierte Prof. Dr. Justus Strauch, Bochum. Entscheidungen über die jeweils optimale Behandlungsmethode werden in gemeinsamen Herzteam-Konferenzen getroffen. In Bern schließlich sind drei Kliniken – für Herz- und Gefäßchirurgie, für Kardiologie und für Angiologie – organisatorisch in einer Abteilung zusammengeschlossen. Damit kann das gesamte Spektrum kardiovaskulärer Erkrankungen in einem Departement behandelt werden. Die einzelnen Kliniken tragen eigene Verantwortung für Budget, Patientenbetreuung und Organisation, verfolgen jedoch eine gemeinsame Strategie“, erläuterte Prof. Dr. Peter Wenaweser, Bern.

Nach Meinung von Prof. Dr. Karl-Heinz-Kuck, Hamburg, sind weniger organisatorische Strukturen für eine gute Zusammenarbeit entscheidend. „Wichtig ist vielmehr, dass die beteiligten Ärzte zusammenfinden und gleiche wissenschaftliche und strategische Ziele verfolgen“, so der Kardiologe.

Kontroverse Debatte zu TAVI

Unterschiedliche Meinungen im Verlauf der Diskussion gab es zur Durchführung der kathetergestützten Aortenklappenimplantationen (TAVI). Kuck hält es für ausreichend, wenn allein Hochrisikopatienten vor der Intervention gemeinsam im Herzteam besprochen werden. In der Mehrzahl der Fälle könne der Kardiologe die Therapieentscheidung eigenständig treffen und die Intervention durchführen. Reichenspurner dagegen forderte, dass gerade diese innovativen Verfahren im Herzteam abgesprochen werden müssen. Auch der Herzchirurg muss nach seinen Worten für Innovationen im Katheterlabor wie TAVI offen sein.

Strittig war auch die Frage, ob TAVI ausschließlich in Zentren durchgeführt werden sollten, in denen auch eine Herzchirurgie vorhanden ist. Dem Konflikt liegt die neue Leitlinie der European Society of Cardiology und der European Association for Cardiothoracic Surgery zu Herzklappenerkrankungen zugrunde, die bei TAVI eine „cardiac surgery on site“ fordert (Vahanian et al.; EHJ 2012;33:2451–96). Bislang konnten sich die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie und die DGTHG, die wie andere nationale Gesellschaften auch keine eigenen Leitlinien mehr publizieren, nicht über eine Übersetzung dieses Terminus einigen, bedauerte Kuck. Er befürchtet eine Entwicklung hin zum „Wander-Herzchirurgen“, das heißt den Einsatz mobiler Herzchirurgen an kardiologischen Kliniken ohne eigene Herzchirurgie. Damit sei die Anforderung der Leitlinie zwar formal erfüllt, die Expertise dieser Kollegen in puncto TAVI aber nicht gesichert. Eine Klinik für interventionelle Kardiologie mit hohem TAVI-Volumen hat hier nach Kucks Meinung die höhere Kompetenz. Laut Reichenspurner dagegen werden TAVI optimalerweise an Zentren durchgeführt, an denen sowohl Abteilungen für interventionelle Kardiologie als auch für Herzchirurgie vorhanden sind. Denn es handle sich um eine komplexe Prozedur, die zwar meist problemlos verlaufe, bei der aber in Einzelfällen Komplikationen möglich seien, die eine Operation erforderten.

In diesem Konflikt wird es in Deutschland vermutlich darauf hinauslaufen, dass sich Zentren, die TAVI durchführen wollen, individuell zertifizieren müssen. Laut Kuck muss dabei jedes Zentrum nachweisen, dass die personellen und institutionellen Ressourcen sowohl bei interventioneller Kardiologie als auch Herzchirurgie vorhanden sind.

Wahrscheinlich erfordern die technischen Innovationen in der Kardiologie auch neue Wege. So schlug Wenaweser als neuen Ausbildungsweg den interventionellen Kardiologen als eigenständige Subspezialität vor. Die neuen Technologien müssen nach seinen Worten künftig auch in der Ausbildung verstärkt abgebildet werden. „Die beiden Fachdisziplinen Kardiologie und Herzchirurgie müssen sich diesen neuen Herausforderungen stellen“, erklärte Wenaweser abschließend.

 

 

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