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Der positive Effekt von Ballaststoffen bei Herzinfarktpatienten basiert offenbar in erster Linie auf Getreideprodukten und ist nicht so sehr auf Obst oder Gemüse zurückzuführen.
 
Kardiologie 26. Mai 2014

Viel Vollkorn nach Herzinfarkt

Patienten, die ihre tägliche Ballaststoffration gleich nach dem Ereignis stark erhöhen, können ihr Sterberisiko deutlich verringern.

Nach einem Herzinfarkt ist es offenbar besonders ratsam, Nahrungsmittel zu konsumieren, die einen hohen Ballaststoffanteil haben. In einer großen Kohortenstudie hatten Vollkornliebhaber nach dem Ereignis ein deutlich geringeres Sterberisiko als Ballaststoffverächter.

Die letzte Studie, die den Einfluss einer vollkornreichen Kost auf die Mortalität von Postinfarktpatienten untersucht hat, hatte keinen Zusammenhang belegen können. Allerdings liegt die Publikation der DART-Studie (Diet and Reinfarction Trial) bereits 25 Jahre zurück, und das Follow-up war ausgesprochen kurz. Grund genug, waren Shanshan Li von der Harvard School of Public Health in Boston und ihr Team der Meinung, neuere Daten zum Thema zusammenzutragen.

Bei dieser Analyse haben sie zwei Kohorten zusammengefasst: die Nurses’ Health Study (NHS) und die Health Professionals Follow-up Study (HPFS). Deren Teilnehmer hatten zwischen 1976 (NHS) bzw. 1986 (HPFS) und 2006 im Vier-Jahres-Rhythmus Fragebögen zur Ernährung ausgefüllt. Ausgewählt wurden 2.258 Frauen und 1.840 Männer, die bis 2008 einen ersten Herzinfarkt erlitten hatten. Diese wurden im Anschluss an das Ereignis über durchschnittlich 8,7 (Frauen) bzw. 9,0 Jahre (Männer) nachbeobachtet. In diesem Zeitraum starben 682 Frauen und 451 Männer, davon 336 bzw. 222 an einem kardiovaskulären Ereignis.

Deutlich niedrigere Gesamtsterblichkeit

Wie die Wissenschaftler berichten, war eine vollkornreiche Ernährung nach dem Erstinfarkt insgesamt mit einer deutlich niedrigeren Gesamtsterblichkeit verknüpft. In der gepoolten Analyse, bei der Männer und Frauen zusammengefasst wurden, konnten Teilnehmer, die im Durchschnitt 27,40 g (Frauen) bzw. 35,60 g (Männer) Ballaststoffe täglich zu sich nahmen, mit einer um 25 Prozent niedrigeren Gesamtsterblichkeit rechnen als Teilnehmer in der niedrigsten Ballaststoff-Quintile (16,34 g/Tag bzw. 12,95 g/Tag).

Allerdings war das Ergebnis speziell in Bezug auf die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit weniger eindeutig: Hier lag die Risikoreduktion in der Gruppe mit den meisten Ballaststoffen nur bei 13 Prozent (p = 0,46).

Vor allem Getreide ist wichtig

Pro 10 g Ballaststoffe mehr am Tag sank das allgemeine Sterberisiko im Beobachtungszeitraum um 15 Prozent. Der Effekt war offenbar in erster Linie auf Getreideprodukte, nicht so sehr dagegen auf Obst oder Gemüse zurückzuführen. Um ein möglichst unverfälschtes Ergebnis zu bekommen, hatten Li und Kollegen eine Vielzahl von potenziellen Einflussfaktoren herausgerechnet, darunter Alter, BMI, körperliche Aktivität, Tabak- und Alkoholkonsum, Diabetes, Bluthochdruck, Aspirineinnahme, Bypass-Operation sowie Kaloriengehalt der Nahrung und deren Gehalt an gesättigten/ungesättigten Fettsäuren.

Einen besonders ausgeprägten Nutzen beobachtete man bei Teilnehmern, die ihre tägliche Ballaststoffration seit dem Infarkt stark hochgefahren hatten. Dies galt nun wiederum sowohl für die gesamte als auch für die kardiovaskuläre Sterblichkeit. Eine Zunahme um gut 11 g Ballaststoffe pro Tag führte beispielsweise zu einer Abnahme des kardiovaskulären Risikos um 35 Prozent gegenüber Teilnehmern, die nun jeden Tag um 4 bis 5 g weniger als zuvor konsumierten.

Experten empfehlen bestimmte Mindestmenge an Ballaststoffen

Aus früheren Studien geht hervor, dass Ballaststoffe in der Nahrung unter anderem antientzündlich wirken, die LDL-Fraktion des Plasmacholesterins senken, der Lipidoxidation entgegenwirken und die Insulinsensitivität erhöhen; dies führen Li et al. als mögliche Erklärung ins Feld. Für die Allgemeinbevölkerung sei außerdem bekannt, so die Wissenschaftler, dass eine ballaststoffreiche Ernährung das Risiko einer koronaren Herzkrankheit um bis zu 40 Prozent senkt. Experten empfehlen eine tägliche Mindestmenge an Ballaststoffen von 25 g für Frauen und 38 g für Männer.

 

Originalpublikation: Li S et al. Dietary fiber intake and mortality among survivors of myocardial infarction: prospective cohort study. BMJ 2014; 348: g2659

springermedizin.de, Ärzte Woche 21/2014

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