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Kardiologie 13. Februar 2014

Kühlung hilft Herzinfarktpatienten

Skandinavische Studie mit Wiener Beteiligung - Keine geringere Infarktgröße, aber weniger Fälle von Herzschwäche.

Kühlt man Herzinfarktpatienten vor einer Ballondilatation auf 34,7 Grad Körpertemperatur künstlich ab, verhütet das offenbar auf längere Sicht das Auftreten von chronischer Herzschwäche. Das hat eine skandinavische Studie mit Beteiligung von Wiener Wissenschaftern ergeben. Sie wurde aktuell vom American College of Cardiology (ACC) online publiziert.

"Hypothermie durch kalte Salzlösung und Abkühlung über einen künstlichen Gefäßzugang war (bei akuten Infarktpatienten) durchführbar, sicher und reduzierte schnell die Körpertemperatur bei nur einer geringen Verzögerung bis zur Wiederherstellung des Blutflusses (in dem verstopften Herzkranzgefäß; Anm.)", schrieben jetzt David Erlinge von der Abteilung für Kardiologie der Universität Lund in Schweden und seine Co-Autoren aus Dänemark und von der Wiener Universitätsklinik (Kardiologie/Notfallmedizin) der MedUni Wien im AKH.

Beim akuten Herzinfarkt versucht die moderne interventionelle Kardiologie durch eine möglichst schnelle Wiederaufdehnung des verlegten bzw. durch einen Thrombus blockierten Blutgefäßes im Herzen (inklusive Implantierung eines Stents) die Sterblichkeit zu senken und den drohenden Herzmuskelschaden möglichst klein zu halten. Es geht um die Minimierung des vom Infarkt betroffenen Muskelareals. Hypothermie - die künstliche Abkühlung des Patienten - könnte durch die Verringerung des Sauerstoffverbrauchs hier einen positiven Effekt haben. Einen solchen positiven Effekt gibt es laut vor einiger Zeit in Wien durchgeführter Studien beispielsweise auch bei Patienten mit plötzlichem Herzstillstand, die reanimiert werden können.

In der internationalen Studie wurde bei 120 Patienten mit einem weniger als sechs Stunden vor der Therapie aufgetretenen akuten Herzinfarkt und vor der Ballon-Dilatation per Katheter die Körpertemperatur entweder durch eine schnelle Infusion mit bis zu zwei Litern kalter Salzlösung abgesenkt oder sie erhielten eine Standardbehandlung ohne die Hypothermie. Die Unterkühlung wurde bis eine Stunde nach der Kathetertherapie durchgeführt.

Deutlich weniger Herzschwächefälle als Folge des Myokard-Infarkts

Die Unterkühlung führte zu einer Verzögerung bis zur Katheterbehandlung von nur neun Minuten. Dafür litten nach 45 Tagen nur drei Prozent der Hyperthermie-Behandelten an einer chronischen Herzschwäche als Folge des Infarkts. In der Vergleichsgruppe waren es hingegen 14 Prozent. Bei der Infarktgröße bei allen Patienten gab es keinen signifikanten Unterschied. Nur bei einer Untergruppe (Vorderwandinfarkt) zeigte sich auch ein positiver Effekt auf die Größe der Infarktnarbe.

Laut den Wissenschaftern sollte man jetzt in größeren Studien die beiden Beobachtungen zu erhärten versuchen. Der beobachtete Effekt könnte auf eine Verringerung des "Reperfusionsschadens" zurückzuführen sein. Er tritt als Schädigung auf, wenn bei einem Gewebe mit zuvor stark reduzierter oder blockierter Blutversorgung die Sauerstoffversorgung plötzlich wiederhergestellt wird. Es handelt sich dabei um eine Arzt Entzündungsreaktion.

--> Link zur Originalpublikation

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