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Kardiologie 6. Dezember 2013

Im Blickpunkt – der rechte Ventrikel

Beim Herzinsuffizienz-Meeting in Innsbruck stand diesmal die Rechtsherzinsuffizienz im Mittelpunkt. Die Veranstaltung wurde von Univ.-Doz. Dr. Gerhard Pölzl und PD Dr. Matthias Frick organisiert.

Die Rolle des rechten Ventrikels wurde in der Kardiologie lange Zeit stiefmütterlich behandelt. Zum einen, weil der rechte Ventrikel viel schwieriger zu untersuchen und zu beurteilen ist, und zum anderen, weil man sehr lange davon ausging, dass vor allem der linke Ventrikel entscheidend für die kardiale Gesamtleistung sei. Zu Unrecht, wie sich inzwischen herausgestellt hat. Denn es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass die rechtsventrikuläre Funktion prognostisch mit entscheidend ist. So war in einer rezenten Studie an Patienten mit dilatativer Kardiomyopathie eine Einschränkung der rechtventrikulären Auswurffraktion unter 45% mit einer höheren kardiovaskulären Mortalität, mit häufigerer Transplantationspflichtigkeit und vermehrter Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz assoziiert (Gulati et al., Circulation 2013). Die Frage, ob sich diese Daten zur prognostischen Aussagekraft einer systolischen Rechtsherzinsuffizienz auch für die diastolische Rechtsherzinsuffizienz bestätigen lassen, ist Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen der Arbeitsgruppe um Univ.-Prof. Dr. Julia Mascherbauer, Universitätsklinik für Innere Medizin II, MedUniWien.

Schwierige Diagnostik des rechten Herzens

In der Studie von Gulati wurden die Patienten mittels Magnetresonanztomographie untersucht, dem derzeitigen Goldstandard für die Beurteilung der Funktion und Größe des rechten Ventrikels. Mit dem am weitesten verbreiteten bildgebenden Verfahren, der Echokardiografie, lässt sich der rechte Ventrikel oft nur eingeschränkt beurteilen, so Prof. Mascherbauer. Eine wichtige Rolle in der Diagnostik spielt auch der Rechtsherzkatheter. Mit diesem Verfahren können zwar alle wichtigen Messparameter erfasst werden, aber es ist eben eine invasive Methode.

Das MRT bietet außerdem den Vorteil, dass mittels neuer Techniken (T1-Mapping) neben der exakten Beurteilung der rechtsventrikulären Funktion und Größe auch eine diffuse Myokardfibrosierung erfasst werden kann. Mit zunehmender Fibrosierung wird der linke Ventrikel steifer, wodurch der rechte Ventrikel übermäßig belastet wird, wie eine rezente Studie der Expertin zeigt (Mascherbauer et al., Circ Cardiovac Imag 2013).

Herzinsuffizienz und Lungenhochdruck

Eine spezielle Fragestellung, die auf der Innsbrucker Tagung diskutiert wurde, ist das Auftreten von Herzinsuffizienz als Folge einer pulmonal arteriellen Hypertonie (PAH). „Der Lungenhochdruck ist zwar zum Glück eine relativ seltene Erkrankung, aber eine sehr ernsthafte“, betonte Univ.-Prof. Dr. Diana Bonderman, Universitätsklinik für Innere Medizin II, MedUniWien. „Wird eine pulmonale Hypertonie nicht therapiert, verläuft sie immer tödlich. Je später der Lungenhochdruck erkannt wird, desto schlechter ist die Prognose für die Patienten.“ Umso bedauerlicher ist, dass mehr als 80 Prozent der Betroffenen erst im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung zum Spezialisten kommen. Im Durchschnitt dauert es drei Jahre, und die Patienten frequentieren mit ihren Beschwerden drei Ärzte, bis erstmals die richtige Diagnose gestellt wird. So geht wertvolle Zeit, die für eine Therapie genützt werden könnte, verloren.

Zu den bereits verfügbaren Medikamenten sollen bald zusätzliche Optionen kommen. „Zwei neue Substanzen, Macitentan und Riociguat, sind derzeit im Zulassungsprozess“, berichtete Prof. Bonderman.

 

 

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