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Kardiologie 6. Dezember 2013

Mitralinsuffizienz - Clip statt belastender OP

Beim Herzinsuffizienz Update in Linz wurden Möglichkeiten und Grenzen des Mitral-Clippings diskutiert.Derzeit wird dieses Verfahren hierzulande an sechs Zentren angeboten.

Wie die Herzinsuffizienz sind auch Herzklappenerkrankungen ein zunehmendes Problem, das für Kardiologen eine große therapeutische Herausforderung darstellt. Die Häufigkeit von Klappenerkrankungen steigt mit dem Alter deutlich an. „Bei 55-Jährigen liegt die Prävalenz bei rund zwei Prozent, im Kollektiv der über 75-Jährigen sind bereits 13 Prozent betroffen“, betonte Univ.-Doz. Dr. Joachim Nesser, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin 2, Krankenhaus der Elisabethinen in Linz. In Anbetracht der demografischen Entwicklung bedeutet dies nicht nur eine enorme Krankheitslast, die auf das Gesundheitswesen zukommt. Es bedeutet auch, dass gerade bei jenen Patienten, die besonders behandlungsbedürftig sind, eine herkömmliche Herzklappenoperation wegen des hohen Alters und vieler Begleiterkrankungen oft nicht möglich ist. „Hier eröffnen Katheter-basierte Eingriffe als Alternative zur offenen Operation neue Therapieoptionen,“ sagte OA Dr. Christian Ebner, Leiter des Departments Kardiomyopathie und Herzinsuffizienz, Krankenhaus der Elisabethinen, Linz. Nach der Etablierung der TAVI bei der Aortenstenose scheint sich nun eine ähnliche Entwicklung für das perkutane Clipping bei der Mitralinsuffizienz abzuzeichnen.

RESHAPE-HF: Europäische Studie mit Linzer Beteiligung

Beim perkutanen Mitralclipping werden via Katheter die freien Enden des vorderen und hinteren Mitralklappen-Segels mit einem speziellen Clip verbunden. Dadurch wird die Regurgitation vom Ventrikel in den Vorhof während der Systole reduziert und die Hämodynamik des Herzens verbessert sich. Studien zeigen zwar, dass die Ergebnisse der chirurgischen Klappensanierung besser sind als jene, die ein Clipping ermöglicht. Patienten, denen eine offene Operation nicht zumutbar ist, profitieren aber nachweislich vom Clip.

In der europaweiten randomisierten, prospektiven Studie RESHAPE-HF sollen jetzt die Sicherheit und Wirksamkeit der Methode bei Patienten mit klinisch relevanter Mitralinsuffizienz bei Herzinsuffizienz weiter untersucht werden. „Hauptziel der Studie ist, den Einfluss der Behandlung mit dem Clip-Verfahren auf das Fortschreiten der Herzinsuffizienz zu überprüfen“, betonte OA Ebner. Ein Einschluss von rund 800 Patienten ist geplant. Primärer Endpunkt ist die Kombination der beiden Parameter Gesamtmortalität und Hospitalisationen wegen Herzinsuffizienz. Die Studienteilnehmer werden nach dem Zufallsprinzip einem von zwei Behandlungsarmen zugeteilt (Mitral-Clip und optimierte Standtherapie vs. optiomierte Standardtherapie allein). Europaweit werden 75 Zentren beteiligt sein, in Österreich derzeit nur das Krankenhaus der Elisabethinen in Linz. Außerhalb der Studie wird das Verfahren derzeit an fünf weiteren Zentren angeboten: den Universitätskliniken Innsbruck, Wien und Graz, dem Krankenhaus Hietzing in Wien und dem Landesklinikum St. Pölten. „Geplant ist eventuell auch ein Einsatz in Salzburg“, berichtete OA Ebner. „Es gibt allerdings finanzielle Hürden, die einer größeren Verbreitung entgegen stehen, weil die Krankenhäuser im Moment den Eingriff nicht refundiert bekommen und aus eigenen Mitteln tragen müssen.“

Von einer Mitralinsuffizienz ist jeder zehnte Mensch über 75 betroffen. Jeder Dritte, der einen Herzinfarkt überlebt, entwickelt eine Mitralinsuffizienz. Patienten mit Herzinsuffizienz weisen in 35 bis 50 Prozent eine behandlungsbedürftige Mitralinsuffizienz auf. Das Problem: Bei etwa der Hälfte der Patienten, bei denen eine operative Korrektur indiziert ist, ist das Operationsrisiko zu hoch, um den Eingriff tatsächlich durchzuführen. Diesen Patienten kann mit dem perkutanen Verfahren geholfen werden. Eine der allerersten und prominentesten Personen, die mit einem Clip behandelt wurden, war übrigens Liz Taylor.

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