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Kardiologie 6. Dezember 2013

Renale Denervationstherapie – Quo vadis?

Rasch wie kaum eine andere Methode hat die RDN im Klinikalltag Fuß gefasst. Bei einem Symposium in Wien wurde den Teilnehmern fundiertes Wissen über dieses neue Verfahren vermittelt.

Allem voran steht die richtige Indikationsstellung. „Nur Patienten mit unkontrollierter Hypertonie und nachgewiesener Therapieresistenz kommen für eine renale Denervation in Betracht“, betonte Priv.-Doz. DDr. Thomas Weiss, Leiter der Hypertonie-Ambulanz der 3. Medizinischen Abteilung am Wilhelminenspital. „An erster Stelle der Blutdrucktherapie stehen ein Gespräch über den Lebensstil und mögliche Veränderungen der Diät, des Rauchverhaltens und der physischen Aktivität. Als nächster Schritt muss die Medikation optimiert werden. Gefordert wird eine Dreifachkombination, die in jedem Fall ein Diuretikum enthalten muss. Ursachen für eine Pseudoresistenz, wie inkorrekte Medikamenteneinnahme, mangelnde Compliance oder Arzneimittelinteraktionen müssen ebenso ausgeschlossen werden wie sekundäre Hypertonieformen. Erst dann soll der Patient mit der Fragestellung, ob eine renale Denervierung indiziert ist, an ein Hypertoniezentrum zugewiesen werden.“

Die renale Denervierung (RDN) wird in Österreich seit August 2011 angeboten. Laut RDN-Register wurden bis zuletzt 227 Patienten mit therapieresistenter Hypertonie mit dem neuen Verfahren behandelt. „An unserer Abteilung bieten wir die Methode seit Dezember 2012 an“, berichtete Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber, Vorstand der 3. Medizinischen Abteilung am Wilhelminenspital. „Pro Monat wird der Eingriff im Schnitt an zwei Patienten durchgeführt. Die Methode wird in Österreich bereits refundiert, obwohl das in vielen Ländern noch nicht der Fall ist.“

In Studien hat die RDN große Erfolge in der kurz- bis mittelfristigen Blutdrucksenkung gebracht und oftmals zu einer Reduktion der Zahl der verwendeten Antihypertensiva geführt. Hauptkritikpunkte sind die noch unklaren Langzeitergebnisse und die fehlende Verblindung in den bisherigen Untersuchungen. Umso interessanter ist eine Untersuchung, die derzeit in Dänemark durchgeführt wird. „Es handelt sich dabei um die erste unabhängige randomisierte, doppelblinde, sham-kontrollierte Studie zum Nachweis der Wirkung und Sicherheit der renalen Denervation überhaupt“, betonte Studienleiterin Prof. Dr. Anne Koltoft von der Universität Aarhus. Fünf dänische Krankenhäuser sind beteiligt. Ein Einschluss von zirka 70 Patienten ist geplant. Studienende ist voraussichtlich April 2015.

Eine Studie ganz anderer Art wird demnächst in Österreich anlaufen: das Low BP Vienna Trial. Es ist eine Untersuchung, an der sich 42 allgemeinmedizinische bzw. internistische Ordinationen beteiligen werden. Doz. Weiss: „Sie werden randomisiert in zwei Gruppen unterteilt. In je 21 Ordinationen wird eine Standardtherapie bzw. eine simplifizierte Titration bis zu einer Dreifach-Fixkombination durchgeführt. Bei Einschluss und nach 6 Monaten erfolgt eine 24-Stunden-RR-Messung. Jene Patienten, die dabei trotz Therapie nicht in den Zielbereich kommen, werden laut Studienprotokoll an unsere Ambulanz überwiesen, wo gegebenenfalls eine renale Denervation vorgenommen wird.“

Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten

Über die RDN fundiertes Wissen zu erwerben, ist nicht nur für Klinikärzte entscheidend. Da der Großteil der Patienten mit Hypertonie von niedergelassenen Ärzten behandelt wird, sollen auch sie die Indikationen, das Verfahren selbst und die zu erwartenden Ergebnisse möglichst genau kennen. „Es ist wichtig zu wissen, welche Patienten profitieren“, betonte Dr. Brigitte Greiner-Pesau, niedergelassene FÄ für Innere Medizin in Wien. „Ich habe bei diesem Symposium viel gelernt und bin sehr erfreut, dass die Zusammenarbeit mit uns niedergelassenen Ärzten gesucht wird.“

Auch nach einer erfolgreichen RDN ist die Kooperation mit dem niedergelassenen Bereich wichtig. „Ärzte und Patienten müssen wissen, dass es drei bis sechs Monate dauert, bis der volle Blutdruckeffekt eintritt“, erklärte Univ.-Prof. Dr. Michael Böhm, Bad Homburg. „Außerdem muss die Medikation belassen werden, sofern der Patient nicht hypoton wird. Und es muss allen Beteiligten klar sein, dass sowohl der Blutdruck wie auch die Komorbiditäten des Patienten im Langzeitverlauf überprüft werden müssen.“ Keine Frage, dass dafür die niedergelassenen Kollegen den größten Beitrag leisten.

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