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Kardiologie 20. November 2013

TATORT Infarktarterie

Thrombusabsaugung löst nicht den Fall.

Wie im Krimi-Flaggschiff der ARD konnte auch in der danach benannten TATORT-NSTEMI Studie der Übeltäter – der intrakoronare Thrombus – auf frischer Tat – bei akutem Herzinfarkt gefasst und per Thrombusabsaugung dingfest gemacht werden. Die von den Studienautoren erhoffte protektive Wirkung dieser Maßnahme blieb aber aus.

Wegen der Masse der klinischen Studien ist in der kardiovaskulären Forschung heutzutage bei der Wahl der Studienakronyme außerordentliche Kreativität gefragt. Die Phantasie einer Gruppe deutscher Kardiologen um Prof. Dr. Holger Thiele von der Universität Leipzig ist dabei offenbar durch das Fernsehprogramm beflügelt worden: Nach dem Titel der Lieblingskrimireihe der Deutschen taufte sie ihre Studie TATORT-NSTEMI (Thrombus Aspiration in ThrOmnus containing culpRiT lesions in Non-ST-Elevation Myocardial Infarction).

Thrombektomie erstmals bei NSTEMI getestet

Tatort und Täter waren allerdings schon bekannt, bevor die „Kriminalisten“ der Herzforschung ihre investigativen Nachforschungen aufnahmen. Es ging in der TATORT-Studie nämlich um die Frage, ob das Absaugen von potenziell schädigendem Thrombusmaterial aus der Infarktarterie auch bei akutem Myokardinfarkt ohne ST-Streckenhebung im EKG (NSTEMI) von Nutzen ist. Bisher war die klinische Forschung zum Nutzen der manuellen Thrombektomie bei Herzinfarkt auf Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) fokussiert. Bei STEMI ist die primäre perkutane Koronarintervention (PCI) Therapie der ersten Wahl.

Allerdings ist immer wieder zu beobachtet, dass es nach der Revaskularisierung nur zu einer suboptimalen myokardialen Reperfusion kommt.

Als mögliche Ursache gilt eine distale Embolisierung von Thrombusmaterial, das aus dem Infarktgefäß in die Mikrozirkulation verschleppt wird. Folge kann eine gestörte mikrovaskuläre Myokardperfusion trotz wiedereröffneter Koronararterie sein. Je nach Ausmaß der inadäquaten Gewebeperfusion wird von einem „slow-flow“ oder „no-reflow“ Phänomen gesprochen. Aus diesem Grund sind spezielle Thrombektomie-Katheter entwickelt worden. Sie pressen das intrakoronare Thrombusmaterial nicht wie herkömmliche PCI-Katheter gegen die koronare Gefäßwand, sondern „aspirieren“ das Blutgerinnsel noch vor der Stentimplantation, was die distale Embolisierungen verhindern soll.

Auf Basis der vorliegenden Studiendaten wird die Thrombektomie als adjuvante Maßnahme zur PCI etwa in den europäischen ESC-Leitlinien bei STEMI-Patienten bereits empfohlen (Klasse-IIa-Empfehlung).

Empfehlungen bezüglich NSTEMI-Patienten existieren mangels Studiendaten dagegen nicht. Dabei ist häufig auch bei diesen Patienten eine relevante Thrombuslast im Bereich der Infarktläsion nachweisbar, was eine Thrombusaspiration als Erfolg versprechend erscheinen lässt.

Studie an 7 deutschen Zentren

Um dies zu testen, haben Thiele et al an sieben Zentren in Deutschland die TATORT-NSTEMI-Studie gestartet. Für die Studie sind 440 Patienten mit NSTEMI und relevantem Thrombus (TIMI-Thrombusgrad 2-5) im Bereich der Infarktläsion rekrutiert worden, bei denen eine PCI vorgesehen war. Davon sind 219 der Gruppe mit zusätzlicher Thrombektomie mittels Aspirationskatheter und 221 der Kontrollgruppe mit Standard-PCI zugeteilt worden.

Thrombusaspiration verbessert nicht die Perfusion

Die Hoffnung, durch diese Zusatzmaßnahme die Myokardperfusion zu verbessern, erfüllte sich nicht. Gemessen an der mittels kardialer MR-Bildgebung feststellbaren mikrovaskulären Obstruktion bestand kein signifikanter Unterschied zwischen Interventions- und Kontrollgruppe. Anhand von sekundären Endpunkten wie Infarktgröße waren ebenfalls keine relevanten Vorteile der Thrombusabsaugung im Vergleich zur Standard-PCI zu belegen. Auch die Raten der klinischen Ereignisse Tod, Herzinfarkt, wiederholte Revaskularisation und neu aufgetretene Herzinsuffizienz waren mit 7,3 Prozent (Thrombektomie) und 10,1 Prozent (Standard-PCI) nicht signifikant unterschiedlich.

Quelle: Prof. Holger Thiele: TATORT-NSTEMI: A prospective, randomized trial of Thrombus Aspiration in ThrOmbus containing culPriT lesions in Non-ST-Segment Elevation Myocardial Infarction; 25th Annual Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) Conference, 27. Oktober – 1. November 2013, San Francisco

springermedizin.de/ob, Ärzte Woche 47/2013

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