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Kardiologie 14. Oktober 2013

Bewegungstherapie

Pluspunkte in der Sekundärprävention zur Reduktion der Mortalität.

Wenn es etwa um die Sekundärprävention der KHK geht, sind Erfolge eines Bewegungsprogramms oder einer medikamentösen Prophylaxe bei der Reduktion der Mortalität mehr oder weniger gleich. Das gilt im Wesentlichen auch im Zusammenhang mit Schlaganfall und Herzinsuffizienz sowie für die Primärprävention des Diabetes.

Nicht nur bevölkerungsgestützte Kohortenstudien lassen vermuten, dass sich mit mehr Bewegung die Mortalität senken lässt. Und aus großen randomisierten und kontrollierten Studien geht hervor, dass auch bestimmte medikamentöse Interventionen dazu in der Lage sind. Mithilfe einer metaepidemiologischen Studie, in der 16 Metaanalysen mit mehr als 300 randomisierten kontrollierten Studien ausgewertet wurden, verglichen zwei Epidemiologen aus den USA und Großbritannien den Effekt von Bewegung und medikamentöser Therapie auf den Parameter Mortalität (Naci H et al. BMJ 2013;347:f5577; doi: 10.1136/bmj.f5577).

Fokus: KHK, Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder Prädiabetes

Die Verarbeitung der Studiendaten erfolgte durch eine sogenannte Netzwerk-Metaanalyse. Eine solche statistische Auswertung erlaubt es, Ergebnisse aus direkten Vergleichen zwischen zwei Behandlungen und solche aus Vergleichen zwischen anderen Behandlungen effizient zusammenzuführen. Ein Beispiel: Auf der Grundlage von Studien mit jeweils direktem Vergleich von ACE-Hemmern mit Diuretika und von ACE-Hemmern mit Sartanen werden indirekt Diuretika und Sartane miteinander verglichen. Im Fokus der aktuellen Studie standen Patienten mit KHK, Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder Prädiabetes. In insgesamt nur 57 Studien mit etwa 14.700 Patienten war der Effekt von Bewegungsprogrammen Ziel der Untersuchungen, in den übrigen Studien der Effekt von Arzneitherapien.

Plädoyer für randomisierte Studien

Bei Patienten mit KHK oder Prädiabetes war mit Bewegungstherapie der Effekt auf die Mortalität genauso groß wie mit der Arzneitherapie. Beim Schlaganfall dagegen waren Bewegungstherapien effektiver als die Behandlung mit Gerinnungshemmern (Odd Ratio, OR: 0,09; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,01 und 0,70) oder mit Plättchenhemmern (OR: 0,10; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,01 und 0,62). Und Patienten mit Herzinsuffizienz profitierten mehr von Diuretika als von Bewegungsprogrammen (OR: 4,11; 95%-Konfidenzintervall zwischen 1,17 und 24,76). Auch wenn die Unterschiede signifikant seien, sollten sie aufgrund der schwachen Datengrundlage nicht überbewertet werden, so Dr. Huseyin Naci von der London School of Economics and Political Science und Dr. John P. A. Ioannidis von der Stanford University School of Medicine. Die beiden Wissenschaftler plädieren aufgrund der Netzwerk-Metaanalyse dafür, Bewegungsprogramme zur Prävention stärker als bisher als Alternative, oder zumindest als zusätzliche Option zur Arzneitherapie, zu betrachten. Einer Studie der CDC (Centers for Disease Control and Prevention) zufolge empfiehlt nur etwa ein Drittel der Hausärzte den Patienten zur Prävention mehr Bewegung. Allerdings gibt es noch nicht ausreichend Daten darüber, welche Patienten letztlich am meisten von welcher Art Bewegungstherapie profitieren und welche sportlichen Übungen bei welchen Patienten eher nicht geeignet sind. Naci und Ioannidis halten deshalb randomisierte Studien für dringend erforderlich, in denen der Effekt der Bewegungstherapie mit dem einer Arzneibehandlung verglichen wird.

 

springermedizin.de, Ärzte Woche 42/2013

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