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Kardiologie 14. Oktober 2013

Vorhofflimmern durch Koffein?

Studiendaten sprechen eher nicht dafür.

Wer Koffein etwa beim Kaffee- oder Teetrinken konsumiert, erhöht damit nicht sein Risiko für Vorhofflimmern. Das lassen zumindest die Ergebnisse einer Metaanalyse vermuten. Fraglich bleibt, ob Koffein in moderaten Dosen einen Schutzeffekt hat.

Mehrere große Beobachtungsstudien konnten bisher keine Assoziation zwischen Koffeinkonsum und Vorhofflimmern ausmachen. Um einem immer wieder vermuteten Zusammenhang auf die Spur zu kommen, haben portugiesische Kardiologen und Pharmakologen eine Metaanalyse auf der Basis von Beobachtungsstudien gemacht (Caldeira D et al. Heart 2013 99: 1383-1389; doi: 10.1136/heartjnl-2013-303950 ).

Längstes Follow-up 25 Jahre

Aus 266 wissenschaftlichen Publikationen – publiziert bis Ende 2012 – wurden sieben Studien als geeignet herauskristallisiert. Damit standen Befunde von knapp 116.000 Teilnehmern zur Verfügung, die zwischen 51 und 62 Jahre alt waren und mindestens sechs Monate vor Studienbeginn kein Vorhofflimmern gehabt hatten. Das Follow-up lag zwischen vier und 25 Jahren. Die Auswertung ergab keine Assoziation zwischen Koffeinkonsum und Vorhofflimmern.

Studien waren extrem heterogen

Berücksichtigten die Wissenschaftler nur qualitativ hochwertige Studien für ihre Metaanalyse, nahm der Wert für Heterogenität auf I2 = 39 Prozent ab und das Risiko für Vorhofflimmern sank um 13 Prozent. In einer weiteren Analyse stellte sich heraus, dass Studienteilnehmer, die geringe Koffeinmengen zu sich nahmen, im Vergleich zu Teilnehmern ohne Koffeinaufnahme ein um 15 Prozent niedrigeres Risiko für Vorhofflimmern hatten. Teilnehmer mit moderatem oder hohem Koffeinkonsum hatten dagegen – statistisch betrachtet – keinen entsprechenden Nutzen.

Das Problem bei der Auswertung der Studien ist deren extreme Heterogenität. Erkennbar ist das unter anderem daran, dass nicht einheitlich definiert ist, was eigentlich „geringer Koffeinkonsum“ als Referenz bedeutet. In manchen Studien entspricht dies, überhaupt keinen Kaffee zu trinken, ohne dabei allerdings auszuschließen, dass Tee oder Energy Drinks getrunken werden. In anderen Studien bedeutete es dagegen, dass bis zu 22 mg Koffein pro Tag erlaubt sind. Eine Tasse mit 150 ml Kaffee enthält zwischen 50 und 150 mg Koffein.

Für Dr. Prashant D. Bhave und Dr. Kurt Hoffmayer von der Universität von Wisconsin in Madison ergibt sich aus der Metaanalyse zwar ein weiterer Beleg dafür, dass Koffein das Risiko für Vorhofflimmern nicht erhöht (Heart 2013; 99: 1377-1378). Allerdings sei es zu früh, aufgrund der Subgruppenanalysen zu behaupten, dass Koffein im Grunde vor Vorhofflimmern schützt. Unklar sei zudem, inwieweit andere Inhaltsstoffe in den koffeinhaltigen Getränken zu einem möglichen Schutzeffekt auf den Herzrhythmus beitragen. Letztendlich seien randomisierte kontrollierte Studien erforderlich, um den schützenden Effekt von Koffein zu klären.

Nach Ansicht von Bhave und Hoffmayer ist es wichtig, einer Botschaft entgegenzutreten, in der behauptet wird, Koffein sei so gesund, vor allem vor dem Hintergrund, dass immer mehr gerade junge Menschen Energy Drinks mit hohem Koffeingehalt plus Stimulanzien, auch in Kombination mit Alkohol, gerne zusprechen. Von exzessivem Konsum der Energy Drinks weiß man, dass er ausgeprägte Arrhythmien auslösen kann (Curr Opin Pediatr 2012; 24: 243-251).

 

springermedizin.de, Ärzte Woche 42/2013

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