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Ein erhöhter Ruhepuls bei Patienten mit Hypertonie ist ein unabhängiger Prädiktor für tödliche und nicht-tödliche kardiovaskuläre Events.
 
Kardiologie 11. Oktober 2013

So ungesund ist ein schneller Ruhepuls

Die Herzfrequenz sowohl als Marker für den Sympathikotonus als auch als ursächlicher kardiovaskulärer Risikofaktor rückt immer mehr ins Interesse der Wissenschaft. Die therapeutischen Konsequenzen sind noch in Diskussion.

Immer mehr Evidenz weist darauf hin, dass eine erhöhte Aktivität des Sympathikus mit einem höheren Risiko assoziiert ist, Hypertonie und Atherosklerose zu entwickeln. „Damit ist ein der Sympathikotonus ein potenter Prädiktor kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität“, sagt Univ.-Prof. Dr. Paolo Palatini von der Abteilung für klinische und experimentelle Medizin der Universität Padua. Diese Zusammenhänge wurden sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch bei Patienten mit Hypertonie nachgewiesen, woraus sich wichtige Implikationen für die Behandlung des Bluthochdrucks ergeben. Denn für den Sympathikotonus gibt es einen sehr einfach zu messenden Parameter: den Ruhepuls. Prof. Palatini: „Rezente Daten zeigen, dass der Ruhepuls sogar einen höheren prädiktiven Wert für die kardiovaskuläre Mortalität hat als Indizes, die aus der Variabilität der Herzfrequenz abgeleitet werden. Gleichzeitig zeigen HARVEST und andere Studien, dass nicht nur der aktuelle Ruhepuls, sondern auch seine Veränderung über die Zeit prädiktiven Wert hat.

Herzfrequenz bei arterieller Hypertonie beachten

Eine erhöhte Herzfrequenz ist mit einer Reihe kardiovaskulärer Risikofaktoren assoziiert. So sind in Kohorten mit persistierender Tachykardie rund 80% der Patienten Hypertoniker [1]. Generell scheint ein hoher Ruhepuls ungesund zu sein. So war in der Framingham Studie bei Hypertonikern hohe Herzfrequenz nicht nur mit erhöhter kardiovaskulärer Mortalität, sondern generell mit einem höheren Sterberisiko verbunden [2]. Die Frage nach den Zusammenhängen wurde in mehreren Studien untersucht. Dass der gemeinsame Faktor, der den Herzschlag beschleunigt und eine Reihe ungünstiger Wirkungen auf Metabolismus und Herz-Kreislaufsystem ausübt, der Sympathikotonus ist, wurde - so Prof. Palatini - in mehreren Arbeiten untermauert. Dementsprechend breit gefächert sind die möglichen Konsequenzen. So konnte beispielsweise eine Assoziation von Tachykardie und dem Insulinresistenz-Syndrom nachgewiesen werden.

Eine offene Frage ist jedoch, wo die Grenze zwischen einem gesunden und einem pathologischen Ruhepuls liegt. Prof. Palatini und seine Gruppe stellten zu dieser Frage Untersuchungen mit einem statistischen Verfahren namens Mischungs-Analyse an, das auf der Basis der Daten aus den großen Studien zu dieser Fragestellung einen aussagekräftigen Cut off Wert zu errechnen. Dieser liegt, je nach Studie zwischen 80 und 85 Schlägen pro Minute [3].

Analysen mehrerer großer Studien deuten darauf hin, dass eine hohe Herzfrequenz ursächlich zu erhöhter kardiovaskulärer Mortalität beiträgt. Die Assoziation blieb nämlich auch erhalten, wenn Patienten, die in den ersten Jahren der Studie verstarben, aus der Analyse herausgenommen wurden. Dies zeige, so Prof. Palatini, dass ein hoher Ruhepuls mehr sei als ein Marker für einen angegriffenen Gesundheitszustand.

Prof. Palatini: „Wie und wie weit die Herzfrequenz bei Patienten mit arterieller Hypertonie gesenkt werden soll, ist noch in Diskussion. Jedenfalls halten die aktuellen ESH/ESC Guidelines, die im Juni 2013 publiziert wurden, fest, dass die Herzfrequenz gemeinsam mit dem Blutdruck gemessen werden sollte, da der Ruhepuls bei Patienten mit Hypertonie ein unabhängiger Prädiktor für tödliche und nicht-tödliche kardiovaskuläre Events ist. Die verschiedenen in der Therapie der Hypertonie verfügbaren Substanzklassen haben unterschiedliche Effekte auf die Herzfrequenz, wobei Beta-Blocker eine ausgeprägte Reduktion der Herzfrequenz bewirken.“

 

 

 

 

 

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