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Kardiologie 11. Oktober 2013

Kardiales Risiko bei Diabetes gezielt senken

Mit Hilfe des Biomarkers NT-proBNP lassen sich in einem Diabeteskollektiv jene Patienten identifizieren, die einer intensiven kardialen Therapie bedürfen, obwohl die Herzfunktion noch normal erscheint.

Dass Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 ein überhöhtes kardiovaskuläres Risiko haben, ist bekannt. Nun zeigte eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe um Prof. Richard Pacher, Doz. Martin Hülsmann und Prof. Martin Clodi, MedUni Wien, dass dieses Risiko bei vielen Betroffenen erhöht ist, lange bevor die Herzfunktion klinisch eingeschränkt ist. Zudem zeigten die Wissenschafter, dass mittels einer hochdosierten, personalisierten Therapie mit ACE-Hemmern und Betablockern das Risiko für kardiale Erkrankungen bei diesen Patienten um 64 Prozent gesenkt werden kann.

An der sogenannten Pontiac-Studie, deren Ergebnisse jetzt im Top-Magazin „Journal of the American College of Cardiology“ publiziert wurden, nahmen 300 anamnestisch herzgesunde PatientInnen mit Diabetes mellitus und erhöhten NT-proBNP Werten teil. In dieser Studie, welche in Kooperation der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der MedUni Wien mit der Klinischen Abteilung für Kardiologie der MedUni Wien sowie der 3. Medizinischen Abteilung des Krankenhauses Hietzing und den Gesundheitszentren Wien Mitte und Wien Süd entstand, wurden 150 PatientInnen in die Interventionsgruppe und 150 PatientInnen in die Kontrollgruppe randomisiert.

In der Interventionsgruppe wurde zusätzlich zur leitliniengerechten Diabetes-Therapie der bereits verordnete RAAS-Antagonist bis zur maximal erlaubten Dosis erhöht, außerdem wurde gleichzeitig die maximal mögliche Dosis eines kardioselektiven Betablockers verabreicht. Die 150 PatientInnen der Kontrollgruppe erhielten eine, den aktuell gültigen Leitlinien der österreichischen Diabetesgesellschaft entsprechende Standardtherapie.

Biomarker-gesteuerte Therapie

Das bemerkenswerte Ergebnis: In der Interventionsgruppe konnte gezeigt werden, dass die hochdosierte Gabe des RAAS-Antagonisten in Kombination mit dem Betablocker das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse um 64 Prozent reduziert. „Die Resultate sprechen bei gegebener Sicherheit klar für die hohe Effektivität einer Biomarker-gesteuerten, individualisierten Therapie“, so Clodi. Und: „Hierbei handelt es sich um den ersten primärpräventiven Studienansatz zur erfolgreichen Prophylaxe von kardialen Erkrankungen bei Patienten mit Diabetes “, ergänzt Pacher.

 

Hülsmann M et al. J Am Coll Cardiol. 2013 Jun 26. doi:pii: S0735-1097(13)02517-5.

 

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