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Viele Insulte bei Vorhofflimmern ließen sich durch eine adäquate Therapie gemäß individueller Risikoeinschätzung verhindern. .
 
Kardiologie 11. Oktober 2013

CHADS2: suboptimale Risikoerkennung

Der CHADS2-Score ist nicht präzise genug, um Patienten mit Vorhofflimmern zu erkennen, die keine Antikoagulation benötigen. Besser ist der CHA2DS2-VASc-Score, wie Daten des deutschen AFNET-Registers belegen.

Der ältere, aber immer noch am häufigsten angewendete CHADS2-Score verkennt viele spätere Schlaganfall-Patienten, indem er ihnen ein falsch niedriges Schlaganfall-Risiko attestiert. Das geht aus einer Studie auf Basis von Daten des Deutschen Kompetenznetzes Vorhofflimmern hervor, die Professor Michael Näbauer aus München beim ESC-Kongress 2013 in Amsterdam vorgestellt hat.

Für die Studie wurden zwischen 2004 und 2006 fast 10 000 Patienten mit Vorhofflimmern rekrutiert, nach dem CHADS2-Score klassifiziert und dann 5,1 Jahre lang nachverfolgt. Von diesen Patienten hatten 4216 (47,7 Prozent) einen CHADS2-Score von 0 (n=1430) oder 1 (n=2786). Eine Antikoagulation wurde dementsprechend nicht empfohlen.

In dieser Gruppe traten jedoch 145 Schlaganfälle oder systemische Tromboembolien auf, das sind mit 36 Prozent mehr als ein Drittel aller erfassten Schlaganfälle, so Näbauer.

Dann wurden alle 4216 Patienten mit einem CHADS2-Score mit 0 oder 1 nach dem CHA2DS2-VASc-Score reklassifiziert. Dabei zeigte sich, dass 2270 (53,8 Prozent!) der Patienten zwei Risikopunkte oder mehr aufwiesen, was einer klaren Indikation zur Antikoagulation entspricht. 90 der 145 embolischen Komplikationen traten in dieser Gruppe auf. 1133 Patienten wurde gemäß CHA2DS2-VASc-Score ein intermediäres Risiko attestiert (Score: 1), in dieser Gruppe waren 36 der 145 Komplikationen registriert worden.

795 Patienten hatten auch im CHA2DS2-VASc-Score ein niedriges Risiko (Score: 0); in dieser Gruppe waren 19 Komplikationen aufgetreten, bei genauerem Blick sogar nur 8, nach Abzug etwa von Patienten, die sich vor dem Ereignis im Score verschlechtert hatten. Nach Ansicht Näbauers ergeben sich somit zwei wichtige Botschaften aus der Studie:

1. Patienten mit einem niedrigen CHA2DS2-VASc-Score von 0 haben tatsächlich ein sehr niedriges Schlaganfall-Risiko in den nächsten fünf Jahren und sollten nicht antikoaguliert werden. Dieser Score sollte entsprechend den ESC-Empfehlungen angewendet werden.

2. Ein CHADS2-Score von 0 oder 1 ist nicht geeignet, Patienten mit sehr niedrigem Risiko zu identifizieren.

Patienten mit Vorhofflimmern sollten zudem unbedingt regelmäßig reevaluiert werden, ergänzte Professor Günter Breithardt aus Münster. Im Verlauf der Zeit könne das Risiko zunehmen.

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