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Kardiologie 11. Oktober 2013

Insult häufig von kardialen Problemen begleitet

Die Bestimmung des hs-cTnT ist nicht nur für die Diagnose myokardialer Ischämien von Bedeutung. Auch bei Insultpatienten liefert dieser kardiale Marker wichtige Informationen.

Bereits leicht erhöhte Werte von hochsensitivem Troponin T (hs-cTnT) sind bei Schlaganfallpatienten mit einem deutlich schlechteren Krankheitsverlauf und einem höheren Sterblichkeitsrisiko drei Monate nach dem Schlaganfall verbunden. Das zeigt eine aktuelle Studie aus Innsbruck, die in Amsterdam präsentiert wurde.

Die Forschergruppe untersuchte 340 konsekutive Patienten mit akutem Schlaganfall aus der Stroke Unit-Datenbank der Innsbrucker Universitätsklinik für Neurologie. Aus statistischen Gründen wurden schwer Nierenkranke und akute Herzinfarktpatienten ausgeschlossen. Neben akutem hs-cTnT wurden zahlreiche andere Parameter und Befunde, etwa mittels zerebraler Bildgebung, erhoben. Auch wurden erstmals in diesem Zusammenhang standardisierte Daten zum Überleben und Behinderungsgrad nach Schlaganfall evaluiert.

Die Ergebnisse: 34% der Patienten wiesen nachweisbare hs-cTnT-Werte (>5ng/L) auf, bei 30% waren diese mit über 14 ng/L über dem oberen Referenzlimit. Es fanden sich statistische Zusammenhänge u.a. mit Alter, Schweregrad des Schlaganfalls, kardialen Vorerkrankungen (KHK, Vorhofflimmern), Nierenfunktion, Diabetes mellitus und arterieller Hypertonie.

Bemerkenswert war, dass eine Erhöhung des hs-cTnT bereits in niedrigen Bereichen mit einer in der multivariaten Analyse unabhängigen, signifikanten Verschlechterung des klinischen Ergebnisses und der Überlebenswahrscheinlichkeit drei Monate nach dem Schlaganfall verknüpft ist. Werden die Patienten mit erhöhtem hs-cTnT in vier Quartilen unterteilt, so haben bereits die Patienten der niedrigsten Quartile (5-8 ng/L) eine 3,3-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit, nach drei Monaten nicht selbstständig leben zu können, in der obersten Quartile (28-221 ng/L) war diese sogar auf das 8-Fache erhöht. Diese Gruppe hatte auch ein 7,5-fach höheres Risiko, nach drei Monaten nicht mehr am Leben zu sein.

Interdisziplinäre Kooperation zum Wohle des Patienten

Bislang galten leicht erhöhte hs-cTnT-Werte als neurovaskulär unbedenklich. Die erwähnten Daten stellen dies in ein anderes Licht und sprechen für klinisch relevante Risikoerhöhungen schon in niedrigen Bereichen.

Die Aufklärung pathophysiologischer Zusammenhänge zwischen hs-cTnT und Schlaganfallergebnis lag zwar nicht im Bereich der beschriebenen Studie. „Bereits jetzt sollte aber bei akuten Schlaganfallpatienten grenzwertigen Erhöhungen dieses Laborparameters erhöhte Aufmerksamkeit zugewandt werden“, betonte Studienautor OA Dr. Martin Furtner, Leiter der Hirnkreislauf-Ambulanz der Universitätsklinik für Neurologie Innsbruck. Untersuchungen des Herzens wie Echokardiografie, eine Abklärung im Hinblick auf Herzrhythmusstörungen, bei ausgewählten Patienten auch eine Koronarangiografie, sollten je nach klinischer Situation in adäquatem Umfang erfolgen, so der Experte.

Zudem unterstreichen die beschriebenen Ergebnisse die Wichtigkeit eines multidisziplinären Ansatzes bei zerebrovaskukären Erkrankungen. Nicht nur, weil im Rahmen des Schlaganfalls häufig auch kardiale Probleme auftreten, sondern weil der Insult selbst myokardiale Schädigungen nach sich ziehen kann, verwies Dr. Furtner auf den sehr engen Zusammenhang zwischen den beiden Organen.

 

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